Insgesamt war mein PJ-Tertial in der Psychiatrie des EKA eine sehr bereichernde Zeit und ich habe viel (fürs Leben) gelernt!
Zusammenfassung:
Man kann das Tätigkeitsfeld des PJ-lers für den Großteil meiner Zeit unter der Überschrift "Alles kann, nichts (bzw. wenig) muss" zusammenfassen. Somit entscheidet man als PJ-ler größtenteils selbst, was und wieviel man während des Tertials lernt und wie viel Verantwortung man übernehmen möchte. Durch den Schwerpunkt des Evangelischen Krankenhauses Alsterdorf (EKA)auf die Versorgung von Menschen mit Behinderung hat man zudem die Möglichkeit, im Umgang mit dieser Patientenpopulation Berührungsängste abzubauen und eine sehr fallbezogene und individualisierte Behandlungsweise kennen zu lernen. Insgesamt ist die Psychiatrie im EKA allgemeinpsychiatrisch und auf Kriseninterventionen orientiert. Man sieht also viele verschiedene Krankheitsbilder, insbesondere (schizo-)affektive Störungen, Persönlichkeitsstörungen und Suchterkrankungen (es gibt eine QE-Station für Alkohol im Haus). Die (supervidiert-)selbstständige Führung eines/mehrerer Patient*innen ist bei den meisten ärztlichen Kolleg*innen möglich gewesen und es bestand quasi zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, um Feedback/Unterstützung zu bitten, welches (fast) immer konstruktiv und hilfreich war. Leider musste ich während meines Tertials auch einige der negativsten Erfahrungen meines bisherigen Studiums in Bezug auf professionellen Umgang mit Patient*innen und Unterwiesene machen- diese standen jedoch alle in Verbindung mit einer/einem singulären ärztlichen Kolleg*in, der/die "zum Glück" nach einigen Wochen die Abteilung gewechselt hat und stellen daher einen nicht repräsentativen "Ausreißer" dar.
Einrichtung/Organisation:
Hier gibt es insgesamt die größten "Punktabzüge". Obwohl die Klinik einen Platz im PJ-Portal ausgeschrieben- und ich diesen gebucht hatte, wusste man einige Wochen vor Tertialbeginn "von nichts" und ich musste mich wenige Tage vor Verstreichen der Buchungsfrist sogar noch einmal formell schriftlich bewerben, um dann doch noch den Platz zugesagt zu bekommen, den ich laut PJ-Portal eigentlich längst gebucht hatte. Zum Antritt des Tertials wurde weder eine betriebsärztliche Untersuchung noch ein einziges Mal ein Nachweis meines Studentenstatus erfragt- beides im Zweifelsfall auch ein Risiko für die Patient*innen. Dass ich etwa zur Tertialhälfte hin noch einmal die Station wechseln sollte, wurde scheinbar mit keiner der beiden Stationen besprochen und ich habe es nur "im Nebenbei" einen Tag vorher durch eine Oberärztin erfahren.
Tätigkeitsfeld des PJ-lers:
Erwartet wird eigentlich nur, dass man Blutentnahmen und körperliche Untersuchungen durchführt. Alles darüber hinaus ist sehr "frei". Insbesondere Aufnahmegespräche unter Supervision durch die Assistenzärzt*innen, die Durchführung neurokognitiver Testungen und die aktive Teilnahme an Supervisionen/Fallbesprechungen waren sehr lehrreich!
Umgang/Klima im Team:
Das Teamklima auf beiden Stationen der Psychiatrie kann insgesamt als sehr gut, freundlich und professionell beschrieben werden. Die "Hierarchien" sind psychiatrie-typisch flach, alle Oberärzt*innen und auch der Chefarzt sind überaus offen und freundlich im Kontakt zu anderen Mitgliedern des Behandlungsteams, so auch zum PJ-ler. Auch das Verhältnis zwischen Pflege- und Ärzteteam ist sehr gut, was insbesondere daran liegt, dass Differenzen in den regelmäßig stattfindenden Supervisionen stets rasch "ausgeräumt" werden. Leider gab es hier eine negative Ausnahme in Form einer/eines Assistenzarzt*in, der/die mir gegenüber regelrechtes Mobbing betrieb und sich auch dem besonders schutzbedürftigen Patient*innenkollektiv der Station gegenüber teilweise in gravierendem Maße unprofessionell verhielt. Bevor ich einige der Vorfälle mit der zuständigen Oberärztin besprechen konnte, wechselte die Person jedoch die Abteilung.
Fortbildungen/PJ-Unterricht:
Einmal wöchentlich ist eine allgemeine Fortbildung für das gesamte Team vorgesehen, die auch meist stattfand und in aller Regel sehr spannend war, insbesondere durch die multidisziplinären Referierenden und Teilnehmenden. Zusätzlich gibt es in regelmäßigen Abständen eine Fortbildung für Berufseinsteiger*innen (auch aus allen "Disziplinen") durch den Chefarzt, die sehr "lebensnah" an den Problemen zu Anfang einer klinischen Tätigkeit in der Psychiatrie orientiert ist. PJ-Unterricht wurde zu Beginn nicht angeboten (die erste Tertialhälfte war ich der einzige PJ-ler), als wir dann zu zweit waren, gab es einen geplanten Termin für PJ-Unterricht, den wir jedoch selbstverschuldet verpassten. Der Wille war aber da.
Formalien/Allgemeines:
Aufwandsentschädigung von 550€, kostenfreies Mittagessen (entspricht Patientenessen), Feierabend relativ flexibel möglich, Studientage sind auch recht flexibel (geschuldet den "Defiziten bei der Organisation" weiß eigentlich niemand, wie viele Studientage es gibt und wann diese sind- also eher "Unter-der-Hand-Regelung").
Bewerbung
Eigentlich über das PJ-Portal. Aber es bietet sich an, frühzeitig direkten Kontakt zum Chefarztsekretariat aufzunehmen, um sicher zu gehen, dass es den Platz, den man eventuell gebucht hat, auch WIRKLICH gibt.