Ich hatte eine sehr gute Zeit in der Kinderheilkunde Rostock.
Allgemein: Beginn jeweils um 8:00 (umgezogen) auf den Stationen (Dienstkleidung gestellt), dann mehrere Übergaben mit ärztlichem und pflegerischem Personal. Bei den Visiten wurden die Kinder in der Regel erneut untersucht (v.a. auf der Infektio), wovon ich und meine Untersuchungsfährigkeiten wirklich profitierten. Praktisch immer konnte auch der Krankheitsverlauf mitverfolgt werden. Auf Station 2 (nicht-infektöse Station) war ein wirklich breites Spektrum an Krankheiten (Ingestion, Onko, Allergie, Unverträglichkeit, Synkope, psychosomatisch, Immundefekte/Autoimmunerkrankungen,...) und auf der Infektiösen Station dann die meisten anderen Kinderkrankheiten und DM I (selten auch II). In der Notaufnahme durften wir (die PJler) selber Patienten/Kinder untersuchen, Flexülen legen, Arztbriefe anlegen und erste Einschätzungen und Ideen äußern. Vom ärztlichen Personal gab es dann immer konstruktives Feedback. Auf der ITS gab es jeweils einen Crashkurs zu Beatmungsgeräten. Dazu konnten wir hier verschiedenen Eingriffen beiwohnen (Punktionen, Gastroskopien etc.) und Kinder ins MRT (zur Narkose) begleiten. Je nach ärztlicher Betreuung durften wir (selten) auch selber punktieren (Knochenmark und Liquor) oder eine Larynxmaske legen.
Der Unterricht fand alle zwei Wochen statt (sehr zuverlässig) und es gab eine Liste mit den Themen bzw. konnten wir auch Wünsche äußern. Dazu gab es 1x pro Woche eine kinderradiologische Demo, Fallvorstellungen und andere Weiterbildungsangebote (wie z.B. Seminar der Blockstudierenden oder Assistenärzteseminar). Von den (Erwachsenen-)Radiologen gab es außerdem einmal wöchentlich ein richtig gutes Radioseminar, in dem wir die eigenen Fälle besprachen. Nach Belieben konnten wir die Kinder auch zur Sonografie begleiten, wo zwei sehr kompetente Kinderradiologinnen arbeiten und auf Nachfrage gerne erklärten. Außerdem gibt es natürlich noch Angebote von der UMR wie BLS Kurse und ICARUS (sehr zu empfehlen), wo wir an Leichen Operieren konnten.
Das Verhältnis von Fach- zu Assistenzärzten ist in Rostock aus fachlicher Sicht nicht wirklich günstig. Ich persönlich empfand das fast als Vorteil, weil die AssistenzärztInnen i.d.R. sehr gut meinen Wissensstand einordnen konnten und selten Fachchinesisch sprachen (was sowieso der Vorteil einer Kinderheilkunde ist). Leider gab es keine Kinderkardiologen und eine Neonatologie gibt es im Haus auch nicht. Da das Verhältnis zur Südstadt (wo es eine Neonatologie gibt) kompliziert ist, war ein durchrotieren auch nicht möglich. Dazu sei gesagt, dass es auf der Kinder-ITS auch verschiedene neonatologische Krankheitsbilder gab.
In meiner Zeit wurde auch die digitale Patientenkurve eingeführt. Leider (!) benötigte die IT mehrere Wochen, bis ich meine Zugänge zu PC und Checkpad (Patientenakte) hatte. Persönlich empfand ich die Umstellung auf die elektronische Akte als wirklichen Vorteil, da wir so immer Zugang zu allen Daten hatten, Fälle nach- und mitverfolgen konnten und auch ausführliche Anamnesen Platz fanden. Aktuell bin ich auf einer Inneren und vermissen die elektronisch Akte wirklich sehr! Handschriften, keine Fotodokumentation, unübersichtliche Medikamentenlisten usw.
Das ärztliche Team war immer super freundlich und i.d.R. hatte ich auch das Gefühl, wirklich helfen zu können. Ich hatte das absolute Glück, dass ein eigentlich schon pensionierter Arzt für kurze Zeit aushalf, der ebenfalls keinen PC-Zugang und entsprechend viel Zeit für meine Fragen und guten Studentenuntericht hatte.
Feierabend war i.d.R. um 16:30 (selten, aber nicht häufig auch mal früher). Mittagessen gehen war nie ein Problem. Jeden Freitag dann "Studientag" (na ja, 105 Minuten Vorlesung, i.d.R. aber zu spannenden Themen und mit motivierten Dozierenden).
Da ich in Rostock studiert habe, tue ich mich etwas mit Freizeitangeboten schwer. Es gibt aber einen Unisport, Warnemünde kann auch im Winter schön sein, aber eher im Sommer zu empfehlen. Kunst und Kultur gibt es wohl auch irgendwo in Rostock.
Fazit: ich hatte eine gute bis sehr gute Zeit, habe viel gelernt (fachlich, Skills etc.), habe viel gesehen und die Kinderheilkunde als total spannendes und vielfältiges Fach kennengelernt. Die Eltern waren i.d.R. auch brav. Der PJ-Beauftragte ist überaus korrekt und war immer offen für Feedback.