Ich habe mein Wahltertial HNO in der Uniklinik Ulm absolviert und blicke auf ein tolles und lehrreiches Tertial zurück.
Tagesablauf:
7.35 Uhr Frühbesprechung (3 mins)
Frühvisite auf Station, dann Blutentnahmen und Detamponaden (dauern meist kürzer als 20 Minuten). Helfen der Stationsärzte bei tatsächlicher Visite im Untersuchungszimmer. Danach steht einem die gesamte Klinik offen. Man kann in jede OP zum Zuschauen gehen und in zahlreiche OPs als Assistenz. Man kann jederzeit in die Ambulanz, die auch als Notaufnahme fungiert. Jeden Tag gibt es spezielle Sprechstunden, in die man gehen kann und gerne gesehen wird. (Schlaf, Epithetik, Angioödem, Allergie, Hören,...)
Um 15.30 Uhr ist die OP-Vorstellung, bei der die Studierenden einen Teil der Patienten vorstellen. Die Patienten wurden auch bereits vom Arzt und vom Leitenden OA gesehen und die Vorstellung und Voruntersuchung ist somit eher als Teaching zu betrachten.
Dienstag Nachmittag ist Studentenunterricht, Mittwoch ist Fortbildung für die ganze Abteilung und am Freitag ist Chefvisite, wo die Studis auch ein Zimmer mindestens vorstellen sollen. Freie Tage unter der Woche kann man sich durch Wochenenddienste oder verlängerte Dienste unter der Woche sehr flexibel schaffen.
Bei den OP-Vorstellungen und der Chefvisite haben sich die Ärzte und leitenden OAs die Patienten bereits angeschaut, die Vorstellung dient also als Übung für die Studis. Man erhält quasi bei jeder Vorstellung, Chefvisite und natürlich auch im OP Teaching. Der Chef und die lehrbeauftragten OAs sind sehr dahinter, dass wir konstant Lehre erhalten und auch abgefragt werden. Selbst die griesgrämigsten Oberärzte machen Teaching und sind offen für Fragen, was ich bisher in keiner anderen Abteilung so erlebt habe. Zu HNO-internen Feiern sind die Studis mit eingeladen.
In meinem Tertial hatten auch der Ulmer Blockkurs sowie der OP-Kurs stattgefunden. Wir durften jeden Tag in die Vorlesungen gehen und auch in die Seminare nachmittags. Beim OP-Kurs mussten wir zwar intensiv bei den Vor-und Nachbereitungen helfen, durften dafür aber am Kurs, abgesehen von den Präparationen, in Gänze teilnehmen.
Der Unterschied zu anderen Kliniken ist der stark auf Lehre ausgerichtete Chef, der zwar viel erwartet, aber bei Unwissen nicht verurteilt. Deshalb ist studentische Lehre Teil des "guten Tons" in der Abteilung.
Es steht jedem PJler auch ein Abschlussgespräch und ein Probeexamen M3 zu, das von Prof. Lindemann gehalten wird. Dieses Angebot kann ich jedem nur nahelegen, mir hat es viel gebracht.
Das HNO-Tertial in Ulm ist jedem zu empfehlen, der sich im entferntesten HNO vorstellen kann und jedem, der ein chirurgisches Fach mit guten Möglichkeiten zur Niederlassung und guten Möglichkeiten zu extensiven chirurgischen Eingriffen vorstellen kann. Ich habe mich letztlich für ein nicht-chirurgisches Fach entschieden, bereue meine PJ-Wahl aber trotzdem nicht. Nicht zu empfehlen ist das Tertial für Studis, die gerne früh rauskommen, man muss davon ausgehen jeden Tag bis mindestens 16.15 Uhr zu bleiben.