Ich habe eine Hälfte meines Tertials in der Inneren Medizin auf der Infektiologie im AVK verbracht und kann diese Rotation uneingeschränkt empfehlen. Neben der verpflichtenden Kardiologie und einer Woche in der Notaufnahme ist die Infektiologie eine der zwei möglichen Wahlrotationen im Tertial (die andere ist die Gastroenterologie). Wünsche werden nicht explizit gefragt, können aber vorab doch bei den entsprechenden Verantwortlichen geäußert werden.
Es handelt sich hierbei um eine der wenigen überwiegend bis rein infektiologischen Stationen in Deutschland und das Spektrum reicht von Malaria, Tuberkulose und HIV bis hin zum klassisch geronto-infektiologischen Harnwegsinfekt oder Pneumonie. Das Patient*innenklientel kann dabei doch relativ speziell werden und man kann auch sozialmedizinisch viel mitnehmen (Stichworte: Wohnungslosigkeit, Drogen, etc.).
Dienstbeginn ist um 08:00 Uhr, es werden Kleidung und Umkleiden gestellt und man erhält einen eigenen Transponder.
Meist standen danach direkt die Blutentnahmen an, die sich aber bei 2 Studierenden (+ MTA/MFA) in Grenzen hielten (schon auch mal viele, wenn man alleine ist, durchschnittlich doch eher ca. 3-5/Person/Tag). Natürlich wurde man von den Ärzt*innen auch unterstützt, wenn mal was nicht geklappt hat, oder übernommen, wenn sie sowieso gerade in das Zimmer gegangen sind.
Danach folgte die Visite (Di-Do mit Oberärzten/Chefärztin), bei der ich eigentlich fast immer teilnehmen konnte und mir auch immer viel erklärt wurde. Fragen wurden gerne gesehen.
Je nach Absprache in der Visite gestaltete sich dann der Rest des Tages. Zugänge legen, Patient*innen aufnehmen/untersuchen und natürlich bei den Briefen helfen, wobei hier tatsächlich alles gut mit den zuständigen Ärzt*innen nachbesprochen wird, was man so gemacht hat. Meist hatte ich so ca. 1-2 Patient*innen die ich hauptsächlich oder "mitbetreut" habe.
Theoretisch werden auch Liquor-, Pleura- und Aszitespunktionen auf Station gemacht, ist aber leider total abhängig von den aktuellen Patient*innen - gab auch Wochen, wo nix davon nötig war. Wenn es sich ergibt, dürfen auch die Studierenden ran, also bei Interesse ruhig sehr hinterher sein!
Fortbildungen gab es echt VIELE. Vom AVK aus wurde uns ein Curriculum mit 4 Veranstaltungen/Woche zusammengestellt.
- Montags EKG-KURS
- Dienstags & Donnerstags eine interdisziplinäre Vortrags-Reihe, die auch fast immer stattgefunden hat und gut war
- Mittwochs Neuro (da der PJ-Beauftragte der Chefarzt der Neuro ist)
Der PJ-Unterricht war so gelegen, dass man gut um 16:30 Uhr gehen konnte.
Dazu kamen auf der Infektiologie noch die Röntgendemos 2x/Woche + die internen Fortbildungen Di, Mi und Do hinzu, in denen man von Fallvorstellungen, Vorträgen zu Krankheiten/Medikamenten und Quiz alles hatte.
Das Arbeitsklima war auch (fast) immer gut. Klar gibt es immer die Menschen, mit denen man besser kann und je nach Ärzt*in darf man andere Tätigkeiten eher machen, jedoch sind alle (!) bemüht, dass man auch fachlich etwas mitnimmt. Insbesondere die Chefärztin legt großen Wert auf Lehre und bietet ebenfalls die Möglichkeit einer praktischen "M3-ähnlichen-Simulation" an. Die Zusammenarbeit mit der Pflege war mal besser, mal (deutlich) schlechter.
Studientage können gebündelt oder einzeln genommen werden. "Es wäre jedoch schön, wenn immer eine*r da ist."
Insgesamt eine wirklich runde Rotation, die in mir doch eine Faszination für die Infektiologie entfachen konnte (ist schon krass spannend und komplex tlw. ngl).
Kritikpunkte könnten sein:
- dass z.B. das Sonografieren etc. von der Radiologie übernommen wird und man das auf Station selten macht
- es tlw. doch super selten ist, dass man "schwere" Sachen, wie Punktionen macht/denen beiwohnen kann
- Mittagessen oft in die Fortbildungszeit fällt und man sich "nur schnell was holt" (hätte man aber sicherlich einfordern können)
- die Lehre auf Station den Stationsumständen entsprechend an manchen Tagen doch fehlen kann und man sich dann PJ-typisch nur den Blutentnahmen, Zugängen und Botengängen widmet :) - ah und den Fortbildungen natürlich
Aber würde ich jederzeit wieder wählen, alleine schon um mal so einen umfassenden Einblick in die Infektiologie zu erhalten.