Ich habe mein drittes Tertial in der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin in Duderstadt absolviert.
Da ich meine 20 Fehltage am Ende genommen habe, habe ich 3 Monate in der Abteilung verbracht, wovon ich die ersten 8 Wochen im OP und die letzten 4 Wochen auf der Intensivstation eingeteilt wurde.
Da ich zuvor schon für mein Chirurgie-Tertial im Haus war, kannte ich mich im OP bereits aus. Es gab aber auch ein Vorgespräch mit zwei Oberärzten der Abteilung, wo wir gemeinsam überlegt haben, wie wir das Tertial gestalten wollen und was ich gerne lernen möchte. Das war super!
Das Haus ist sehr klein und hat 2 OP-Säle, einen allgemein-/gefäßchirurgischen und einen unfallchirurgischen OP. Dienstbeginn war um 7.15 Uhr zur Visite auf der Intensivstation, anschließend sind wir in den OP für die ersten Einleitungen gegangen.
Ich war zunächst fest dem Chefarzt der Anästhesie für den OP zugeteilt. Er fungierte als mein Mentor und arbeitete mich in die Routinen des OPs ein. Der Chefarzt ist ein unheimlich freundlicher, entspannter und lustiger Arzt. Von Anfang an durfte ich immer die Position am Kopf übernehmen und das Intubieren sicher erlernen. So lange es die Situation zuließ, unterbrach er mich nie, sondern versuchte mir hilfreiche Tipps und Tricks zu vermitteln, wie mir die Interventionen gelangen. Die ATAs waren ebenfalls sehr nett, kompetent und immer unterstützend. Während der laufenden OP wurde mir viel zu den technischen Geräten oder Komplikationen der Anästhesie erklärt. Schnell entwickelte sich eine Routine. Maskenbeatmung, Larynxmasken, endotracheale Intubationen wurden jeden Tag geübt. Narkoseeinleitung, -aufrechterhaltung und -ausleitung sowie verschiedene Beatmungseinstellungen habe ich hier gelernt. Regionalanästhesien sowie Gasnarkosen habe ich eher selten gesehen, da ich die meiste Zeit im allgemeinchirurgischen OP bei dem gleichen Anästhesisten verbracht habe (ich hätte aber auch jederzeit den OP wechseln können!). Eine PDA habe ich leider nur einmal, eine SPA gar nicht gesehen.
Es ist ein sehr kleines, altes Haus mit begrenztem OP-Katalog, dem sollte man sich bewusst sein. Man wird hier nicht alle Facetten und Eingriffe der Anästhesie sehen können, dafür beherrscht man die Grundfertigkeiten am Ende sicher. Man muss sich nicht mit vielen anderen jungen Assistenten um die Intubation drängeln, sondern wird 1:1 von einem sehr erfahrenen Oberarzt/Oberärztin angeleitet. Zu meiner Zeit gab es keinen Assistenzarzt in der Anästhesie, so dass man immer Ober- oder Chefärztlich betreut wurde.
Das OP-Team ist unheimlich nett und ich habe eine schöne Zeit während und zwischen den OPs verbracht. Nach der letzten OP in meinem Saal durfte ich immer nach Hause gehen, spätestens gegen 16 Uhr, aber eigentlich jeden Tag deutlich früher. Gerade so kurz vor dem Examen war das wirklich praktisch.
In den vier Wochen auf der Intensivstation bekam man gleichzeitig einen NEF-Pieper. Es gibt nicht viele Einsätze pro Woche, trotzdem war es sehr spannend. Ich bin hier immer mit Dr. Löffler gefahren, der einem immer die Möglichkeit gibt, sich auszuprobieren und auch gerne mal die Leitung überlässt. Seinen Umgang mit Patient*innen fand ich immer sehr inspirierend, hier konnte ich viel für mich persönlich mitnehmen.
Die beiden Oberärzte auf der Intensivstation waren absolut spitze. Jeden Tag fand Teaching statt. Es gab immer wieder kleine Fortbildungen wie Beatmungs-Basics, Reanimationstraining oder Pleurapunktion-/Thoraxdrainagentraining. ZVKs und Arterien legen war ebenfalls möglich (nicht ganz so häufig, da zu meiner Zeit gerade ein Assistenzarzt auf der ITS eingearbeitet wurde). Jeden Morgen fanden verschiedene Visiten mit den unterschiedlichen Fachabteilungen statt (chirurgisch/internistisch). Es handelt sich um eine kleine Intensivstation mit integrierter IMC. Briefe habe ich eigentlich nie geschrieben, da diese vom Nachtdienst aktualisiert wurden. Mit der Zeit habe ich ab und zu einen eigenen Patienten zugeteilt bekommen, den ich untersuchen sollte, dokumentieren und Therapievorschläge abgeben sollte. Zu spannenden Fällen oder Interventionen wurde ich immer aktiv hinzugeholt.
Die Atmosphäre war absolut kollegial und sehr wertschätzend. Man ist als zusätzlicher Teil des Teams dar und es gibt keine festen PJler-Aufgaben, die immer abzuarbeiten sind. Mit Krankheits-/Fehltagen wird sehr kulant umgegangen.
Das PJ-Gehalt betrug 550 Euro + über 200 Euro Fahrtgeld, zusätzlich gab es ein freies Mittagessen sowie einen kostenlosen Parkplatz. Mittagessen war jeden Tag möglich.
PJ-Fortbildungen gab es auch in den anderen Fächern mehrmals pro Woche, meist 1x Innere (BGAs, Röntgen, EKG-Besprechung, gastro-/onkologische Notfälle etc.), 1x ACH (Sono-Kurs, Vorträge über Krankheitsbilder) sowie mehrmals die Woche spontane UCH-Fortbildungen (meist praktische Kurse wie Gelenkuntersuchungen).
Ich kann ein Tertial in der Anästhesie in Duderstadt definitiv empfehlen.
Unterricht
4x / Woche
Inhalte
Fallbesprechung EKG Bildgebung Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Braunülen legen Punktionen Patienten untersuchen Eigene Patienten betreuen Blut abnehmen