PJ-Tertial Plastische Chirurgie in Krankenhaus Brixen (11/2023 bis 3/2024)
Station(en)
Chirurgie
Einsatzbereiche
Diagnostik, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, OP, Station
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Die Hälfte meines ersten Tertials habe ich am Krankenhaus Brixen in der Plastischen Chirurgie verbracht. Kurz gesagt bei Dr. Pino, denn er ist der einzige Plastische Chirurg in Südtirol. ;) Am Anfang dachte ich, es würde komisch sein alles nur zu zweit zu machen. Doch es hat mir sehr gut gefallen und ich konnte viel lernen, auch wenn kein Unterricht stattfand.
Dr. Pino wirkt zunächst etwas grummelig, aber er ist herzlich und man merkt, dass er seine Arbeit gerne macht, ihm die Patient:innen etwas bedeuten und er sich einsetzt. Außerdem war ihm wichtig, dass ich etwas lerne und meinen Weg finde. Auf den Wegen im Krankenhaus hat er mir viel fachlich erklärt, wir haben uns aber auch viel über die verschiedenen Gesundheitssysteme, Möglichkeiten und organisatorische Rahmenbedingungen unterhalten. Das hat meine interkulturelle Kompetenz definitiv erweitert.
Wir haben uns zwischen 7:45 Uhr bis 8 Uhr vor den Büros getroffen. Dann sind wir zunächst auf die chirurgische und die Gyn-Station und haben die Patient:innen visitiert. Ich durfte klinisch mit untersuchen, habe Wundsekret mit beurteilt, Drainagen gezogen, die Kurve (tatsächlich noch aus Pappe und Papier) mitgeschrieben und wir haben zusammen auf Italienisch und Deutsch Entlassbriefe verfasst. Die sind allerdings viel kürzer als in Deutschland üblich. Generell ist das Krankenhaus zweisprachig, man switcht immer hin und her und mixt die Sprachen auch. Dazu kam dann noch der Dialekt, der für mich die größte Herausforderung war.
Danach sind wir dann in den OP. Dort durfte ich direkt als 1. Assistenz assistieren und Dr. Pino und auch die OP-Pflege hat mir viel gezeigt, erklärt und dann durfte ich Schritt für Schritt mitmachen (Nähte, Drainagen, Blutstillung, Verbände…). Ich empfand die Atmosphäre als sehr angenehm und habe mich nie ausgeschlossen gefühlt, obwohl ich ja erst neu war. Anschließend sind wir dann in die Mensa, bevor in der Ambulanz die Sprechstunde begann. Ich war wirklich sehr gerne in der Ambulanz. Die Schwestern dort sind so lieb, zugewandt, geduldig und wissen zudem sehr viel. Das hat mir den Einstieg wirklich sehr leicht gemacht. Ich konnte auch die blödesten Fragen stellen, wurde immer ernst und wahrgenommen und wurde immer mit einbezogen. Wir haben es uns auch zwischendurch mal in der Küche gemütlich gemacht. Das kenne ich aus Deutschland tatsächlich in dieser herzlichen Form gar nicht. Es war ein ganz anderes Verhältnis zwischen Ärzt:innen und Pflege, auf Augenhöhe und mit sehr viel Wertschätzung füreinander. In der Sprechstunde haben wir dann zu operativen Fragestellungen beraten, Aufklärungen gemacht, chronische Wunden mit VAC versorgt, generell Wundversorgung und erstaunlich viel auch dermatologisch mitbetreut. Für jede:n hatte man 15 min Zeit, was ich als sehr angenehm empfand. Mittwochs waren wir im ambulanten OP, in dem wir kleinere Eingriffe, meist Dermatochirurgie gemacht haben. Das hat mir ganz besonders gefallen und dort habe ich noch mehr als im großen OP machen dürfen, fast unter Aufsicht alles alleine machen können (von Platzierung des/der Pat. über Durchführung des Eingriffs bis Ausstellung des Briefes, Anweisungen zur weiteren Wundversorgung etc.).
Außerdem haben wir generell viel mit der Gyn und der Derma zusammengearbeitet. Mir hat das sehr gefallen in all den verschiedenen Abteilungen unterwegs zu sein und so interdisziplinär zu einer Lösung zu kommen. Außerdem kannte ich dadurch relativ schnell einige Mitarbeitende, die mich auf den Gängen und in der Mensa grüßten, wir uns in der Mensa zusammensetzen oder im Café aufeinander zugingen.
Besonders Freude hat mir zudem das Vorbereiten einer Lehrveranstaltung in Bozen gemacht. Ich hatte dafür ein Skript und eine PowerPoint erstellt. Außerdem haben wir einen praktischen Teil geplant. Mich hat es sehr gefreut, dass es den Studierenden Spaß gemacht hat und sie uns so positives Feedback gegeben haben. In Bozen waren wir übrigens auch so noch einmal, da Dr. Pino gelegentlich dort die Sprechstunde durchführt. Ich fand es toll auch diesen Standort kennenlernen zu dürfen und erstaunlich, wie freundlich die Menschen überall waren.
Operationskatalog (stationäres Setting):
• Rektusdiastase und Nabelhernie – Rektusstraffung und Hernioplastik
• Verbrennung III° – Débridement, Spalthaut
• Kapselkontraktur der Brust – Entfernung der Kapsel
• Mammarekonstruktion bei Z. n. Mamma-CA mithilfe eines Expanders
• Mammarekonstruktion bei Z. n. Mamma-CA mithilfe eines Expanders sowie Angleichung der kontralateralen Brust durch Mammareduktionsplastik
• Hauttransplantation bei chronischer Wunde am Bein
• Verbrennung III° – zweizeitig: Débridement, Hauttransplantationen
• Brustkorrektur bei tuberöser Brust und Asymmetrie
• Brustprothesenruptur – Entfernung der Prothese und der Kapsel inkl. Lymphknoten
• Acne inversa – zweizeitig Exzision der befallenen Haut + Anlage einer VAC-Pumpe, Hauttransplantation
• Mammareduktionsplastik bei Asymmetrie bei Z. n. Mamma-CA und Bestrahlung
• Narbenkorrektur bei Narbendehiszenz
• Mamma-CA – Mastektomie, Einsatz von Implantaten, Sentinel-Lymphknotenentfernung
• Prothesenwechsel bei Mammahypertrophie
• Mamma-CA – Mastektomie, Einsatz von Implantaten, Sentinel-Lymphknotenentfernung
• Mamma-CA – Mastektomie, Einsatz von Expandern, Sentinel-Lymphknotenentfernung
• Narbenkorrektur bei Z. n. Otoplastik
• Prothesenwechsel von Mammaimplantaten
• Mammareduktion bei Hypertrophie der Brust
• Mammareduktion unilateral und Angleichung der kontralateralen Brust bei Hypotrophie
• Entfernung Brustimplantat und Einlage Expander bei Wunddehiszenz
Operationskatalog (ambulantes Setting):
• Basaliome
• aktinische Keratosen
• Plattenepithelkarzinome
• Melanome
• Nachresektionen maligner Hauttumore
• Lipome
• Zysten
• Atherome
• Talgzysten
• Neubildungen der Haut zur histologischen Abklärung
• Narbenkorrektur nach Trauma
• operative Korrektur von Keloiden
• Deckungsplastik und Deckung mithilfe von Z-Plastiken
• Keloid
• Lipofilling an der Hand
• Resektion suspekter Lymphknoten
Unterkunft:
Über das Krankenhaus habe ich am Priesterseminar (zu Fuß 20 min zum Krankenhaus) zusammen mit meinem Freund (hat dort im Homeoffice gearbeitet) ein Doppelzimmer für 600 Euro/Monat bekommen. Das Zimmer wurde wöchentlich gereinigt, Bettwäsche und Handtücher getauscht. Es gab eine Gemeinschaftsküche mit Geschirrspüler, abschließbarem Kühlschrank, Waschmaschine, Trockner und zusätzlich einen Arbeitsbereich mit Tischen und Stühlen. Das Personal war sehr gastfreundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Die Ausstattung war sehr schön, mit Holz, qualitativ hochwertig und alles war wirklich extremst sauber. Wir wollen unbedingt wiederkommen! Eine bessere und preiswertere Unterkunft hätte ich mir nicht vorstellen können.
Organisation am Krankenhaus:
Wer glaubt Bürokratie sei nur in Deutschland umfassend irrt. Ich habe am Anfang so viele Zettel unterschreiben müssen, das war Wahnsinn. Ich brauchte auch eine Steuernummer. Die konnte man aber unkompliziert und schnell am Markt bekommen. Die Sekretärin in der Chirurgie hat mir aber alle Wege etc. gut erklärt, mir direkt einen großen Spint gegeben und bei Fragen konnte ich mich immer an sie wenden. Sie war ein Schatz. Wenn man etwas brauchte, hat sie sich immer schnell und umfassend gekümmert.
Mensa:
Die beste Mensa ever! Ich konnte jeden Tag kostenlos essen und es war wirklich lecker. Man hatte immer einen ersten (Pasta/Reis/Knödel) und zweiten Gang (Protein: Fisch/Fleisch/Mozzarella/Hülsenfrüchte). Dazu gab es so viel Brot, Jogurt, Obst wie man wollte, ein Dessert, Wasser am Spender und alle möglichen Softgetränke. Am Anfang war ich erstaunt, wie viele Teller jede:n auf seinem Tablett hatte, aber man gewöhnt sich schnell daran. 😉
Kleidung: wurde gestellt
Sprache:
Deutsch und Italienisch (ich habe B1, man hätte aber auch mit geringeren Sprachkenntnissen kommen können, das meiste findet auf Deutsch statt – allerdings finde ich es wichtig überhaupt ein bisschen Italienisch zu können, um alle Patient:innen und Kolleg:innen zumindest ansatzweise verstehen zu können)
Gehalt:
0 Euro, aber Erasmus Plus über meine Heimatuni
Bewerbung
In Bozen habe ich ca. 1 Jahr vorher keinen Platz mehr bekommen. Das klappte dann aber noch in Brixen. Letztendlich bin ich sehr froh, dass ich in Brixen gelandet bin. Es ist sehr viel schöner dort als in Bozen, die Freizeit kann man sehr gut ausgestalten und da alles etwas kleiner war, war man auch sehr schnell integriert.