PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Krankenhaus Brixen (1/2024 bis 3/2024)

Station(en)
Chirurgie
Einsatzbereiche
Diagnostik, Station, Notaufnahme, OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Nachdem ich erst in der Plastischen Chirurgie war, bin ich anschließend in die Allgemein- und Gefäßchirurgie rotiert. Dort war das Klima insgesamt etwas bedrückend und angespannt (zumindest unter den Chirurg:innen untereinander). Gott sei Dank hat aber wenige Tage zuvor ein neuer Chefarzt (nennt sich in Südtirol Primar) aus Deutschland angefangen. Er hat sowohl von der Stimmung als auch fachlich neuen Input eingebracht. Er hat uns Nahtmaterial zum Üben inkl. Videos gestellt, hat uns bei Visiten etwas erklärt, uns Tipps gegeben, wie wir mehr im Alltag lernen können, im Verlauf mit uns angefangen Lehrveranstaltungen durchzuführen (PJ-Unterricht), Hinweise fürs Stex gegeben und uns mit in den OP genommen, uns an den Tisch geholt und uns entsprechend unserer Kenntnisse mithelfen lassen. Das war wirklich Gold wert. Ansonsten bin ich v. a. bei zwei Chirurg:innen mitgegangen. Die anderen waren auch freundlich, aber es war manchmal einfach unangenehm diese Stimmungen, die sich gegeneinander richteten, live mitzuerleben. Außerdem waren leider wenige mit Lehre vertraut. Wenn man Dinge gefragt hat, war es mehr, als ob etwas anzweifeln würde. Und wenn man etwas mit übernehmen wollte, hatte ich das Gefühl, dass sie Aufgaben ungern aus der Hand gaben. Sie wussten nicht so richtig, was unsere Rolle war. In Italien gibt es kein PJ. Das war bei den Chirurginnen anders, aber sicherlich auch dadurch, dass sie mich privat kannten und die praktische Lehre aus der Uni nicht allzu lang entfernt lag. Was wirklich bemerkenswert war, war nämlich, dass wir jungen Menschen (egal ob aus Südtirol, Deutschland, Italien; egal ob Famulant:in, PJler:innen, Assistenzärzt:innen, Fachärzt:innen) sofort einen Draht zueinander gefunden, uns privat viel verabredet haben und ein wirklich gutes Team waren. Ferner war das Verhältnis zur Pflege ausgesprochen gut, sehr zugewandt und herzlich.

Insgesamt war ich auf der Station, im OP, in der Ambulanz, der Endoskopie (wird in Südtirol u. a. von der Chirurgie mitbetreut) und bei der Tumorkonferenz (Videokonferenz mit allen Kliniken in Südtirol). Es gibt keine festen Stationsärzt:innen, sodass man morgens und nachmittags nur zur Visite auf Station geht. Man schaut eher, wo an diesem Tag etwas Interessantes stattfinden wird, geht dann dorthin und zieht ggf. auch weiter. Es war tatsächlich eher eine Hospitation als ein PJ. Ich habe immer wieder versucht mich mehr einzubringen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt aber auch einfach viele Studierende/Ärzt:innen im Basisjahr (Österreichisches Modell), sodass es schwierig war. Ich bin dann besser gefahren mich direkt an die zwei genannten Chirurginnen zu hängen. Sie haben mich z. B. schallen lassen, aber mich dann auch unterstützt, wenn ich nicht weiterkam, haben mich korrigiert und erklärt. Das war hilfreich, denn ohne das Feedback kann man viel machen, entwickelt sich aber nicht weiter. Wir haben auch zwischen den Patient:innen in der Sprechstunde die Fragen zu den Fällen kurz besprochen und dann erst die:den Nächste:n reingerufen. Der Primar hatte uns zudem ein Buch mit den wichtigsten Eingriffen empfohlen. Das habe ich mir im Sekretariat ausdrucken lassen, durchgearbeitet und den Chirurginnen dann Fragen gestellt. Das hat ich mich wenigstens etwas vorangebracht. Aufnahmen auf Station gab es so wie in Deutschland nicht – das wurde alles schon in der Ambulanz Wochen zuvor geregelt. Deshalb war es zwar möglich nochmal mit den Patient:innen zu sprechen, aber auch etwas zäh, weil anschließend keine Fallvorstellung oder ein gemeinsamer Austausch stattfand. Ich habe mich dann an die jungen Ärzt:innen in Rotation (v. a. ein Arzt aus Bruneck und ein anderer aus Verona) angeschlossen, um alle Fälle der Station regelmäßig durchzusprechen. Zugänge und Blutabnahmen werden prinzipiell von der Pflege durchgeführt.

Im OP habe ich v. a. viel zu geschaut und wenn Haken gehalten. Beim Primar und den Chirurginnen durfte ich aber auch mehr machen. Besonders dankbar war ich für die Möglichkeit in Sterzing an einer OP teilnehmen zu dürfen.

Ich habe auch mehrmals versucht eine Rotation auf die Intensiv und Onko zu starten, aber das gestaltete sich organisatorisch sehr schwierig. Warum das immer wieder verschoben wurde, war auch dem Primar unklar. In der Notaufnahme war es ehrlich gesagt auch etwas seltsam. Ich war durchaus von der Qualität der Patientenbetreuung und der Befunde geschockt. In der Notaufnahme sind hauptsächlich Ärzt:innen in Zeitarbeit beschäftigt. Die hatten leider gar kein Interesse an Lehre, Hospitationen waren okay, aber schienen etwas unverständlich. Selbst Patient:innen betreuen war dort nicht mal im Ansatz möglich. Das fand ich sehr schade.

Die Arzt-Patienten-Beziehung war zudem noch wie im letzten Jahrhundert. Shared Decision Making, wie überbringt man schlechte Nachrichten etc. schien dort noch nicht etabliert zu sein. Das hat mich sehr verwundert, da in meinem Studium die Kommunikation so einen wichtigen Stellenwert hatte.

Gefäßchirurgie:
Die Gefäßchirurgie ist eigentlich eine Phlebologie. Ich durfte mit in die Sprechstunde, in den OP, auf Station. Die Gefäßchirurgen sind die lässigsten und entspanntesten überhaupt, sie haben mir gerade zu DOAKs einiges erklärt und bei den Sono-Untersuchungen auch immer direkt verdeutlicht, was sich wie und warum darstellt. Ich war insgesamt nur wenige Tage bei ihnen, weil das Spektrum einfach sehr begrenzt war, es hat mir aber gut gefallen.

PJ-Unterricht:
Anfang März begann tatsächlich für alle Famulant:innen und PJler:innen Unterricht. Der war gut, aber ich davon nicht mehr viel mitgenommen. Unser Primar hat im März ebenso begonnen PJ-Unterricht anzubieten. Er weiß durch seine jahrelange Erfahrung in Deutschland natürlich einfach, was für uns relevant ist, was wir auch fürs Examen benötigen und wie er die praktischen Fälle mit unserem theoretischen Wissen verbinden kann.
Zu den Themen Unterkunft, Organisation, Mensa und Gehalt siehe mein Bericht in der Plastischen Chirurgie (11/2023 bis 01/2024).
Bewerbung
ca. 1 Jahr vorher (besser noch früher)
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Prüfungsvorbereitung
Fallbesprechung
Nahtkurs
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Notaufnahme
Briefe schreiben
Chirurgische Wundversorgung
Poliklinik
Mitoperieren
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Unterkunft gestellt
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich

Noten

Team/Station
3
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
3
Unterricht
4
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
2

Durchschnitt 2.33