PJ-Tertial Orthopädie in Krankenhaus Buchholz (12/2024 bis 2/2025)

Station(en)
G
Einsatzbereiche
Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station, Notaufnahme, OP
Heimatuni
Hannover
Kommentar
Wer sich für ein Chirurgie-Tertial in Buchholz entscheidet, darf sich auch auf insgesamt sechs Wochen in der orthopädischen Abteilung freuen. Auch ich hatte die Ehre, dort als chirurgische Jungfer meine ersten Erfahrungen in der Orthopädie zu machen.

Allgemeiner Tagesablauf:
Der Tag startet eigentlich um Punkt 7 Uhr mit der Visite, zumindest offiziell. Inoffiziell kann es durchaus auch mal ein paar Minuten später sein, je nach Besetzung und Tagesform der Orthopäden. Eigentlich so weit kein Problem, es sei denn, man ist so ein verrückter Pünktlichkeitsfanatiker wie ich, dann ist es absolut unzumutbar. Aber was soll's, das ist dann eben mein Problem. Bei der Visite, bei der zumeist auch
Oberärzte mitwirken, könnt Ihr einiges sehen und von hochqualifiziertem und erfahrenem Fachpersonal lernen und Fragen stellen, sofern Ihr das möchtet. Da es sich nicht immer bei jedem der Orthopäden herumgesprochen hat, dass man gelegentlich zum Entfernen eines Verbandes auch eine Schere benötigen könnte, kann man als Student im allgemeinen Ansehen unter den Ärzten massiv steigen, wenn man eine solche immer mitführt und den verzweifelten Orthopäden so aus ihrer scheinbar ausweglosen Notsituation heraus hilft. Ein ganz besonderes Highlight der Woche ereignet sich dann immer mittwochs, wenn die spektakuläre Chefarztvisite ansteht. Denn dann könnt Ihr hautnah miterleben, wie ein gigantischer Tross aus medizinischem Fachpersonal, zahlenmäßig gefühlt dreimal so groß wie das gesamte Patientenaufkommen, vom Haupt der Abteilung angeführt die Patientenzimmer flutet. Ihr seid in dieser besonderen Situation immer ganz vorn mit dabei, denn Euch kommt die wichtige und ehrenvolle Aufgabe zu, dem Chefarzt persönlich die Röntgenbilder der jeweiligen Patienten zur Hand zu reichen. Selten zuvor habe ich mich in meinem Leben so wichtig gefühlt wie in diesen Momenten.
Mit etwas Glück ist man bis 7.45 Uhr mit der Visite fertig, denn dann steht die allmorgendliche Röntgenbesprechung an, bei der die Übergabe durch den Nachtdienst erfolgt und man viele verschiedene Schwarzweißbilder zu sehen bekommt. Klingt spannend, ist es nicht, außer man ist bereits etwas fortgeschritten und erkennt darin mehr als einen funkelnden Sternenhimmel bei Nacht.
Wer das Ganze gern bis zum Ende miterleben möchte, hat Pech, denn meistens seid Ihr frühmorgens ab 8.15 Uhr direkt im OP-Plan eingeteilt und müsst daher bereits früher abtreten, wenn einer der mit Euch eingeteilten Chirurgen aufsteht und Euch nonverbal mit einem unmissverständlichen Blick oder Kopfzucken zum Mitkommen auffordert. Dann geht es zum Umziehen und mit grünem Gewand und pinker Haube in den OP-Bereich.
Der OP ist ein ganz eigener spezieller Bereich, abgeschottet vom sonstigen Krankenhausbetrieb, in dem ganz eigene Gesetze gelten. Wer nach vorherigen Erfahrungen aus anderen Häusern mit dem Schlimmsten rechnet, wird allerdings in Buchholz positiv überrascht werden. Denn das Team aus OP-Pflegerinnen (der Herrenanteil ist in dieser Spezies vernachlässigbar klein) ist für seine zuvorkommende und rücksichtsvolle Teamstrukturen und Umgangsformen bekannt und geschätzt, insbesondere im Hinblick auf unerfahrene OP-Dilettanten wie mich. So wurde ich bei meiner allerersten OP liebevoll von den Pflegerinnen und den beiden jungen charmanten Oberärzten an die Hand genommen, aus Sterilitätsgründen allerdings nur bis zum Einwaschen. Danach durfte ich mich nur noch selbst an die Hand nehmen, wurde aber von außen mit ermutigenden Ansagen liebevoll geleitet. Die Grundregel ist ganz einfach: Fass nix an, berühre nix und laufe den Anderen hinterher, die wissen in der Regel, was zu tun ist. Ansonsten die Hände so halten, als würde man seine Plauze massieren. Klingt wie ein bildlicher Vergleich, habe ich gelegentlich auch gemacht, tat gut. Und immer lächeln, was in der Besetzung zumeist nicht schwer fällt.
Wenn Ihr dann am Tisch steht und alles in blau betatschen dürft, werdet Ihr in der Regel Knie-TEPs, Hüft-TEPs und Duokopfprothesen- Operationen hautnah miterleben dürfen. Und nicht nur das: Euch wird das besondere Amt des "Haken-Bosses" (und Boss*_/in) zuteil. Was zunächst wie ein billiger Euphemismus für eine stumpfsinnige Tätigkeit klingen mag, habe ich persönlich so negativ gar nicht erlebt. Immerhin ist man mittendrin statt nur dabei, wenn hocherfahrene Top-Chirurgen hämmern, fräsen, hebeln und bohren, was das Zeug hält, ohne dass man sich selbst dabei die sterilen Hände schmutzig machen muss. Gelegentlich dem Operateur mal etwas Strom geben oder volle Pulle Spüllösung in eine Wunde spritzen, das kann schon fetzen, ohne den Patienten selbst zerfetzen zu müssen. Nebenbei geben sich die Operateure aber auch Mühe und erklären einem die eine oder andere Struktur, gern auch in Form eines kleinen Ratespiels, bei dem bei einer Frage des Chefarztes nach einem bestimmten Zahlenwert die richtige Antwort nicht 42, sondern immer 7,5 ist. Merkt Euch einfach diesen Wert, dann könnt Ihr glänzen. Und man spült immer dreimal wegen der Ostfriesen Recht und noch irgendwas mit Schießfeuer der Österreicher auf die Türken (oder doch umgekehrt?), die dann irgendwie nichts mehr sehen konnten. So oder so ähnlich. Die wichtigste goldene Regel gab der Chefarzt gleich zu Beginn: Niemals -ich wiederhole:Niemals- setzen Studenten die Haken selbst! Wenn Ihr das beherzigt, ist alles okay. Es kann zwar mitunter körperlich etwas anstrengend sein, wenn man am Knie mit zwei verschiedenen Haken auf zwei Seiten in verschiedenen Gelenken unterschiedlich stark beugen oder strecken muss, aber kein Grund zu jammern. Ich hab's ja auch hingekriegt.
Wenn Ihr besonders motiviert und dazu fähig seid, dürft Ihr Euch am Ende unter Umständen auch beim Knoten und Nähen austoben; wenn Ihr stattdessen lieber Witze erzählen wollt, ist das aber auch okay.
Wenn Ihr mit den OP-Assistenzen an dem Tag durch seid, dürft Ihr Euch frei nach Euren persönlichen Präferenzen als "Touristen der Orthopädie, nur ohne Kamera" im Hause bewegen. Ob Station, ZNA, andere Operationen oder Sprechstunde - hier ist wirklich für jeden was dabei! Besonders zu empfehlen ist die Gelenksprechstunde am Mittwoch, in der Euch ein sympathischer Orthopäde mit Salsa im Blut einiges über Untersuchungen, Anamnese und Bildgebung beibringt.
Am Nachmittag habt Ihr zudem immer auch die Möglichkeit, den Studentenunterricht des Hauses in den unterschiedlichen Fachdisziplinen zu besuchen. Sofern sich dann auch jemand findet, der ihn hält, ist er zumeist auch gar nicht schlecht. Und wer schon immer mal wissen wollte, ob der Kommilitone auch tatsächlich (noch) eine Leber hat, kann das beim Sono-Kurs am Mittwochnachmittag in Erfahrung bringen.
Offizielles Ende ist immer um 14.45 Uhr mit der abschließenden Röntgenbesprechung und der anschließendenden teaminternen Vorbereitung des Folgetages, die um 15.30 Uhr offiziell endet. Vorsichtig formuliert: Wenn Ihr da, sagen wir mal, nicht so ganz regelmäßig zugegen seid und bis zur letzten Minute ausharrt, werdet Ihr im Nachgang nicht zwangsläufig kritisch darauf angesprochen werden. Wie gesagt, sehr vorsichtig formuliert.

Noch ein paar ergänzende Informationen zum Inhaltlichen und den Rahmenbedingungen:

- Die Stimmung unter den Orthopäden ist in aller Regel ausgesprochen entspannt und humorvoll, was Ihr insbesondere im OP das eine oder andere Mal erleben dürftet. Eine kleine Ausnahme bilden da die Operationen unter chefärztlicher Beteiligung am Dienstag und Donnerstag, da geht es doch etwas ernster zu, ohne dass es jedoch unfreundlich wird. Er stellt auch mehrere Fragen (denkt an die 7,5) und ist um studentischen Wissenszuwachs bemüht. Vergesst nicht die oben erwähnte goldene Regel und schneidet die Fäden nach dem fertigen Knoten einfach in der richtigen Länge ab, dann ist alles okay. Und auch wenn die Versuchung groß sein mag, sollte man besser auf irgendwelche Anspielungen oder Namenswitze verzichten. Verbrennt man sich sonst dran.

- Euch erwarten am Tag durchschnittlich 2 Operationen, bei denen Ihr als Assistenten fest eingeplant seid. Diese solltet Ihr am besten bereits am Vortag zur Kenntnis nehmen und Euch daran halten. Zwischen oder nach den Operationen dürft Ihr Euch am reichhaltigen Frühstück/Mittagessen im OP-Bereich erlaben, welches extra separat vom Haus uneigennützig zur Verfügung gestellt wird.  
Sollte sich spontan noch eine OP ergeben, bei der Eure Anwesenheit erbeten wird, wird Euch dies über Euer ganz persönliches Telefon mit ausreichend Vorlauf liebevoll kommuniziert.

- Freitags findet nach der Röntgenbesprechung regelmäßig noch ein Teammeeting im Chefarztsekretariat statt, wo es u.a. um Prothesen, Komplikationen, Tumore usw. geht. Hat jetzt für Studenten, die dort nach ein paar Wochen ohnehin keiner mehr sieht, zwar nicht zwingend immer den allergrößten langfristigen Mehrwert, aber immerhin gibt es Süßigkeiten und Kaffee.

- Apropos Essen: Ihr bekommt jeden Tag kostenloses Essen, das für Krankenhausverhältnisse erstaunlich schmackhaft und vielfältig ist. In der Regel findet Ihr bis 13.45 Uhr auch ausreichend Zeit, um Euch daran zu erfreuen.

- Das Krankenhaus Buchholz hat eigens dafür angestellte Fachkräfte, die sich um den ganzen Venenpunktionskram kümmern. Falls da nicht zufällig ein akutes Cito-Labor fällig wird oder Ihr zur falschen Zeit am falschen Ort seid, werdet Ihr in der Orthopädie in aller Regel damit nicht behelligt.

- Alle vier Wochen findet am UKE regelmäßig ein Studientag statt, an dem Anwesenheitspflicht für alle Studierenden besteht, die an einem Lehrkrankenhaus der Universität arbeiten. Ihr müsst an diesem Tag nicht ins Krankenhaus, sondern dürft euch insgesamt drei Stunden im Hörsaal der Universität zu einzelnen möglicherweise prüfungsrelevanten Themen berieseln lassen. Die insgesamt zwei Vorlesungen zu je anderthalb Stunden haben zwischendrin eine Pause, in der die erste Unterschriftsliste zur Teilnahmeerfassung ausgelegt wird. Nach der zweiten Vorlesung folgt dann die zweite Liste, bei der man sich auch eintragen muss. Nur wenn man sich auf beiden Listen mit seiner Unterschrift verewigt hat, wird der Tag als Arbeitstag anerkannt. Sonst wird es als Fehltag gewertet. Die Vorlesungen an sich sind gar nicht immer so schlecht, zumal man um 13.30 Uhr auch mit allem durch ist. Kann eine willkommene Abwechslung zum Klinikalltag darstellen...
- Wer von weiter weg kommt und sich frühzeitig darum bemüht, kann auch kostenlos in einer Wohnung im direkt auf dem Gelände befindlichen Schwesternwohnheim unterkommen. Diese ist für Studentenverhältnisse schon fast im Stile eines Luxushotels, mit Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad und Abstellkammer inkl. Balkon. Bei Bedarf bekommt Ihr jede Woche frische Wäsche und es gibt Waschmarken am Kiosk für Waschmaschinen im Keller. Geschirr, Besteck, Wasserkocher und Töpfe/Pfannen sowie ein Staubsauger sind ebenfalls im Komfortpaket enthalten. Einfach frühzeitig bei Janine Boelter melden, wenn Ihr dieses kostenfreie Wohnangebot direkt vor Ort in Anspruch nehmen möchtet.

- Ihr bekommt während des Tertials eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 400€. Das macht umgerechnet einen Stundenlohn von 2,50€, das reicht für eine Kugel Himbeereis. Sind immerhin 2,50€ mehr als in der doch so renommierten "Charité", zumal es ja auch, wie oben beschrieben, einige zusätzliche Annehmlichkeiten kostenlos dazu gibt.

Fazit:
Zusammenfassend kann ich das Chirurgie-Tertial in Buchholz im Hinblick auf die orthopädische Zeit nur empfehlen, vor allem, wenn man für das Fach Feuer und Flamme ist. Aber auch sonst kann man in der Zeit eine ganze Menge lernen und machen, je nachdem, was man selbst aus der Zeit machen möchte. Meine persönlichen intrinsischen Ambitionen waren jetzt zwar zugegebenermaßen nicht unbedingt die allergrößten, doch selbst ich hatte auf jeden Fall eine lehrreiche und besonders amüsante Zeit. Und das ist für orthopädische Verhältnisse schon eine ganze Menge wert...
Bewerbung
Über das PJ-Portal
Unterricht
3 x / Woche
Inhalte
EKG
Bildgebung
Prüfungsvorbereitung
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Poliklinik
Röntgenbesprechung
Mitoperieren
Braunülen legen
Blut abnehmen
Notaufnahme
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Unterkunft gestellt
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
400

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
2
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.13