PJ-Tertial Innere in Universitaetsklinikum Heidelberg (11/2024 bis 3/2025)

Station(en)
Kardio-Wach, CPU, von Dusch, Ackermann
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Station
Heimatuni
Jena
Kommentar
also ich probiere mal strukturiert durchzugehen, vorab ich bin kein Innere-Fan, deswegen stören mich manche Dinge vielleicht mehr als jemanden der das Fach total geil findet

Allgemeines:
Man macht mindestens 2 Rotationen. Davon muss die eine in der Kardio oder Gastro sein, die andere kann man sich aus Häma/Onko, Endokrino, NCT, Nephro oder Allgemeine Innere/Psychosomatik wünschen. Innerhalb der Fächer kann es dann sein, dass man noch auf verschiedene Stationen rotiert. Ich war in der Kardiologie zuerst auf der Kardiologie-Wache (IMC) und dann auf der Chest Pain Unit (CPU, kardiologische Notaufnahme). In der 2. Rotation war ich in der Häma zuerst auf von Dusch (IMC) und dann Ackermann (Normalstation). Insgesamt waren die Assistenten eigentlich überall sehr nett, aber eben auch stellenweise brutalst überarbeitet, mit dem Oberärzten habe ich gemischte Erfahrungen gemacht. Man hat keinen Studientag und kriegt 474€ pro Monat bzw. 600€ wenn man nachweislich nicht mehr bei den Eltern wohnt. Es werden einem 20€ für jeden Fehltag für den man keine Krankschreiben vorlegen kann abgezogen (was unglaublich frech ist). Man muss in den 16 Wochen insgesamt 4 Wochendienste (16:30-0:00) und 2 Wochenenddienste (9:00-17:00 oder 16:00-0:00) machen. Je nachdem wie viele PJs es gibt ist man dabei oft zu zweit oder zu dritt. In den Diensten ist man dann der Blutabnahme- und Viggosklave für alle Normalstationen und wird entsprechend angerufen, wenn irgendwer was von einem möchte. Für die Dienste kriegt man immerhin einen Tag kompensationsfrei. Montags bis Donnerstag ist immer um 15:30 PJ-Unterricht. Dieser geht Mo-Mi bis 16:30, DO bis 17:00, oft wird aber auch schon früher Schluss gemacht. Der Unterricht ist mal mehr mal weniger interessant und die Themen sind sehr unterschiedlich. Ich persönlich mochte die EKG-Kurse sehr. Man muss in den 16 Wochen insgesamt 35-mal teilgenommen haben, kann sich aber auch Feiertage oder ausgefallene Termine aufschreiben (es ist aushaltbar). Mittag gibt es mit dem PJ-Ausweis kostenlos. Dieses ist wirklich fernab von lecker und die Portionsgröße ist auch wirklich nicht sättigend (und wurde im Verlauf des Tertials "aus Kostengründen" noch weiter verkleinert), aber man kann sich so immerhin von Station entfernen. Mittag essen und pünktliche Teilnahme am PJ-Unterricht war eigentlich fast immer möglich. Hauptaufgaben sind (wer hätte es erwartet) Blutentnahmen, Viggo, EKGs und leider auch viel zu häufig Patiententransporte, da der innenklinische Transportdienst ein absolutes Desaster ist (auf einen tatsächlichen Notfalltransport wartet man bis zu 40 min).

Kardio-Wach
Hier waren wir 3 PJs, was dazu führte, dass immer 2 frühs von 7:15-15:30 und einer spät von 15:30-22:45 kommen sollte. Die Einteilung haben wir selbst gemacht. Die Station ist aufgeteilt in die akuten Patienten (Kardio-Wach, quasi alles zu krank für Normalstation aber nicht Beatmungspflichtig und somit zu gesund für ITS) und die chronischen Herzinsuffizenzpatienten, die dort meist zur Rekompensation oder Transplantatinsüberbrückung liegen (HI-Wach). Hauptsächlich hat man auf der Kardio-Wach-Seite zu tun, da hier auch die 3-7 TAVIs die am Tag über den Kathetertisch geschoben werden im Aufwachraum zwischengeparkt werden und zu einem enormen Anstieg des Stresspegels für die Assistenten führen. Diese sind hier wirklich oft am Ende ihrer Belastungsgrenze angekommen und deswegen ist selten Zeit für Teaching in welcher Form auch immer. Aufgabenfeld ist hier hauptsächlich EKGs schreiben, ab und zu Blutentnahme und Viggo und Sonos zum Perikardergussausschluss. Ab und zu hat man mal die Möglichkeit einen Arteriellen Zugang zu legen und ganz selten ich mal einen ZVK, das hängt aber meistens davon ab wie erfahren die Assistenten sind. Die jüngeren (welche die Mehrzahl sind) müssen das häufig selber noch üben. Patiententransporte gehören auch leider zu den täglichen Aufgaben. Eigentlich ist man hauptsächlich damit beschäftigt Patienten gesund genug zu bekommen, damit so woanders hin geturnt werden können. Es gab jeden Tag eine OA-Visite, in der man aber 0 beachtet oder eingebunden wurde. Zeit um ins Katheterlabor o.ä. zu gehen gab es nicht, da die Station dauerhaft gebrannt hat.

CPU
Hier kommen alle Patienten hin die irgendwelche (angeblichen) kardiologischen Probleme haben (dazu gehören warum auch immer Patienten mit Pneumonie und Dyspnoe), aber die nicht in akuter Lebensgefahr sind (die werden auf der Wache/ITS im Behandlungszimmer versorgt), was dazu führt dass man viele Patienten bekommt, die eigentlich nicht wirklich etwas haben weshalb man in eine Notaufnahme müsste. Hier werden die EKGs, Viggo und BEs hauptsächlich von der Pflege gemacht. Als PJ ist man für Anamnese und KU zuständig, sowie EKG-Befundung. Auch die obligatorischen Patiententransporte dürfen hier nicht fehlen. Je nach Besetzung gibt es auch hier wie auf der Wache eine Früh- und Spätschicht. Da die meisten Patienten aber erst ab 9:00/9:30 nach dem Frühstück eintrudeln war es inoffizieller Konsens, dass wir PJs erst ab 9:15 da sein mussten. Da die Ambulanzen ab 16:30 dicht machen wird alles weitere danach direkt in der CPU gemacht, was dazu führt, dass ich häufig Patienten mit Vorhofflimmern selbst sezieren und kardiovertieren durfte, was so ziemlich das Highlight in dem Bereich war. Hier konnte ich auch mal zu TEEs mitgehen. Im Katheter war ich aber auch hier nicht. Je nach Bettensituation im Haus und Peripher gab es hier entspannte Tage und Tage an denen sämtliche Monitor-Liegen, Liegen auf dem Gang und der ganze Wartebereich über Stunden gefüllt waren, da kein Abfluss da war, was natürlich auch häufig zu schlecht gelaunten Patienten und dem obligatorischen "Wann bin ich dran" alle 5 min führt. Was man hier aber ganz gut lernt ist innerhalb von kurzer Zeit einen Eindruck zu gewinnen welcher Patient stabil ist und auf welchen man besonders achten sollte.

von Dusch
Diese Station hat mir persönlich am wenigsten gefallen, was traurig ist, da die Rotation vor mir wohl super viel machen durfte, weil viele erfahrende Assistenten da waren. Diese waren bei mir leider weg und es waren neue da, die teilweise auch erst seit einer Woche auf Station waren, prinzipiell waren die meisten aber echt lieb. Entsprechend groß war aber die Planlosigkeit. Dazu kommen dann noch zwei Funktionsoberärztinnen, die beide recht fordern sind. Die eine erklärt aber gerne Dinge wenn Zeit ist und antwortet nett auf Fragen, von der anderen wurde ich regelmäßig angeflaumt wie ich denn Sache xy nicht wissen könne, ich sei doch bereits 2 Monate in dieser Klinik und prinzipiell war hier jede Rückfrage zu viel und wurde meist patzig oder passiv-aggressiv beantwortet oder abgeschmettert. Jeder kann mal einen schlechten Tag haben, aber es war über 4 Wochen jeden Tag so. Hier startet der Tag um 8:00 mit einer Übergabe die sich teilweise über eine Stunde ziehen kann weil ständig irgendetwas dazwischen kommt. Hier hat man als PJ keine wirkliche feste Aufgabe und arbeitet eher auf Zuruf, was dazu führt, dass man hauptsächlich damit beschäftigt ist irgendwo herum zu telefonieren und Befunde über Patienten einholen soll über die man selbst keine Info hat, weil einem bei der Visite nichts erklärt wird, wenn man es überhaupt schafft dabei zu sein. Einem wird am Anfang gesagt man solle aktiv mitdenken und mitarbeiten und sich einbringen, nachdem ich das aber eine Woche lang probiert habe und nur angekackt wurde, wieso Sache xy noch nicht erledigt wurde, schwand meine Bereitschaft dazu. Wenn man Glück hat kann man hier aber halbwegs regelmäßig ZVKs legen oder Knochenmark-, Aszites-, Pleura- oder Lumbalpunktionen durchführen (ich hatte da wie gesagt aber sehr Pech in meinem Monat und hatte nur 1 Aszites und 1 KMP). Die meisten Patienten hier haben entweder eine GvHD, starke neurologische Einschränkungen wegen ZNS-Lymphomen oder harten Therapien oder sind (prä-)septisch. Von Procedere und Therapie habe ich aber wie gesagt nicht viel mitbekommen, da das meisten auf irgendwelchen Boards entschieden wird, zu denen immer gesagt wurde wir könnten mitgehen, aber dann gab es auf einmal doch noch eine super wichtige Natrium-Kontrolle.

Ackermann
Diese Station war an sich ganz ok. Der Tag startet um 8:00 mit den obligatorischen BEs bei eigentlich fast jedem Patienten. Diese haben aber zumeist Ports oder andere zentrale Wege, über die man oft relativ einfach arbeiten kann. Je nach PJ-Besetzung ist man dann meistens zwischen 9 und 10 damit fertig. Die Visiten fand ich persönlich nicht super interessant, aber die 3 Assistenten auf Station waren super cool und auch die Oberärztin war nett und man konnte alles fragen. I.d.R. war man dann zwischen 12 und 13 Uhr mit der Visite fertig und konnte Mittag essen gehen. Den Rest des Tages wurden dann Portnadeln gewechselt, Viggo gelegt weil Patienten Stamm- oder CART-Zellen bekommen sollten und da natürlich alle Immunsupprimierten sich schnell einen Infekt einfangen wurden auch reglmäßig Blutkulturen gemacht. Die Patienten hatten hauptsächlich eine AML oder Multiples Myelom, ab und zu war aber auch mal eine ALL, ein Lymphom oder andere hämatologische Erkrankungen wie Agranulozytosen oder ITPs dabei. Da hier insgesamt weniger los war konnte man auch mehr Fragen stellen und sich insgesamt besser in die Patienten eindenken. Dienstags war meistens Chefvisite, wo man auch einen Patienten vorstellen konnte, wenn man wollte. Der Chef war super nett, was einem viel Stress genommen hat. Nachmittags hat man dann meistens noch auf die über den Tag angekündigten Aufnahmen gewartet, die dann eine Anamnese, KU, EKG und je nachdem Viggo, Portnadel o.ä. bekommen haben und natürlich eine BE. Da wir zwischenzeitlich 3 PJs waren konnte man auch ab und zu mal früher gehen wenn am Nachmittag keine Aufnahmen anstanden.

Dienste
Das war der wahrscheinlich schlimmste Teil des Tertials. Man muss an 4 Wochentagen und an 2 Wochenendetagen Dienst machen. In der Zeit ist man für die gesamte Innere zuständig für jede Viggo, BE oder EKG. Ab und zu kommen dann noch Highlightaufgaben dazu wie 30 min auf eine nachblutende Leiste nach Katheter zu drücken, um dann einen neuen Druckverband drum zu wickeln. Häufig hatte man hier wirklich das Gefühl gerade von pflegerischer Seite schikaniert zu werden, da ich häufig zu Patienten gerufen wurde, angeblich eine neue Viggo bräuchten, obwohl die alte noch perfekt lief und nicht entzündet war. Auch kam es mehrfach vor, dass dann nachdem man bei einem Patienten nichts bekommen einfach gesagt wurde "ach naja egal dann macht das halt morgen früh jemand" oder "ach jetzt seh ich gerade wir können Medikament xy auch einfach oral geben". An dieser Stelle fragt man sich dann wirklich was man dort eigentlich tut. Die Dienste sind schlicht und ergreifend Ausbeutung von billiger Arbeitskraft. Der einzig Lichtblick war, dass man einen Tag kompensatorisch frei bekommen hat für den einem nicht 20€ abgezogen wurden.

Ich könnte mich an dieser Stelle jetzt noch weiter Auslassen über diverse weitere Dinge die einfach wirklich unspaßig waren (z.B. dass andere PJs wegen Mangelbesetzung auf einmal 2 Stationen gleichzeitig schmeißen mussten), aber ich glaube das sollte an dieser Stelle genügen. Ich fürchte leider, dass das was ich beschrieben habe aber die Realität an den meisten großen Häusern und Unikliniken sein wird. Wenn man da Bock drauf hat Feuer frei, für mich hat die Erfahrung in diesem Fach an diesem Haus gereicht.
Bewerbung
PJ-Portal, am Ende waren auch noch Plätze frei
Unterricht
4x / Woche
Inhalte
EKG
Fallbesprechung
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Patienten aufnehmen
Untersuchungen anmelden
EKGs
Blut abnehmen
Punktionen
Notaufnahme
Botengänge (Nichtärztl.)
Braunülen legen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
600€ wenn man nicht bei den Eltern wohnt (sonst 474€) minus 20€ für jeden nicht krank geschriebenen Fehltag

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
4
Klinik insgesamt
4
Unterricht
3
Betreuung
3
Freizeit
4
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
3

Durchschnitt 3.27