Ich war die erste PJ-Studentin in der Inneren Medizin in Wasserburg und kann jedem sehr empfehlen, sein Tertial dort zu absolvieren. (Daher hier eine ausführliche Bewertung)
Organisation und Einarbeitung
Die Organisation des Tertials war sehr gut. Es gibt einen PJ-Beauftragten, der jederzeit für Fragen ansprechbar ist. Vor Beginn erhielt ich alle notwendigen Informationen und wurde am ersten Tag sehr freundlich empfangen.
Gemeinsam haben wir eine mögliche Rotation geplant. Bei mir sah diese folgendermaßen aus:
Zunächst war ich in der ZNA, anschließend auf der Normalstation und schließlich auf der ITS. Diese Rotation würde ich jedem weiterempfehlen. Man erhält alle notwendigen KIS-Zugänge und kann dann, wenn man es möchte, relativ schnell selbstständig arbeiten.
Lehre und Betreuung
Die Betreuung war insgesamt sehr gut. Besonders die Assistenzärzt:innen waren alle supernett und engagiert, einen einzuarbeiten. Wenn man Eigeninitiative zeigte, konnte man auch eigene Patient:innen betreuen.
Anfangs hatte ich das Gefühl, dass PJ-Studierenden nicht allzu viel zugetraut wird – beispielsweise beim Legen von Vigos. Das hat sich mit der Zeit aber natürlich geändert.
Für die PJ-Studierenden wurde extra ein wöchentliches Teaching organisiert, das immer sehr gut war. Zusätzlich gibt es zweimal wöchentlich Fortbildungen, an denen man teilnehmen kann, sowie M&M-Konferenzen, die oft lehrreich sind.
Tätigkeiten und praktisches Lernen
Ich konnte viel selbstständig arbeiten.
Die klassische PJ-Tätigkeit – Blut abnehmen und Zugänge legen – belief sich auf ca. 5–6 Blutentnahmen/Vigos pro Tag, da es auf einer Station eine MFA gibt, die Blutentnahmen übernimmt. Montags war es gelegentlich etwas mehr. An Tagen mit extrem vielen Blutentnahmen haben mir die Assistenzärzt:innen geholfen.
Ansonsten konnte man eigentlich immer eigene Patient:innen betreuen und in Rücksprache auch die Therapie planen sowie Untersuchungen anmelden.
Sonografien und Punktionen finden in der Funktionsabteilung statt. Mit etwas Eigeninitiative kann man dort immer mitgehen und gegebenenfalls auch selbst punktieren.
In der ZNA kann man sehr gut strukturierte Anamnesen und körperliche Untersuchungen üben sowie Laborbefunde, BGAs, Röntgenbilder und EKGs befunden.
Auf der ITS kann man ebenfalls viel lernen – beispielsweise Arterien legen oder auch eigene Patient:innen mitbetreuen.
Wenn man möchte kann man auch mal „fachfremd“ mit in den OP gehen oder in der ZNA bei den Chirurg:innen nähen.
Arbeitszeiten und Stimmung
Die Arbeitszeiten waren fair und meistens gut einzuhalten. Gelegentlich fielen Überstunden an, wurden aber nicht erwartet. Auf Station und ITS durfte man oft etwas früher gehen. Besonders gut fand ich die Möglichkeit, Dienste mitzumachen und dafür dann beispielsweise an einem Freitag freizubekommen, um die Nähe zu den Alpen auszunutzen.
Die Stimmung im gesamten Krankenhaus ist wirklich außergewöhnlich gut – besonders auch das Verhältnis zur Pflege.
Teilweise habe ich manche Scherze eines Oberarztes als grenzwertig empfunden. Er macht aber wirklich sehr gutes Teaching, und man bekommt von ihm auch mal ein Endoskop oder einen Schallkopf in die Hand gedrückt, was ich sehr geschätzt habe.
Wohnen und Umgebung
Wasserburg ist eine wirklich schöne Stadt, etwa 20 Minuten von Rosenheim entfernt. Ich habe nicht direkt im Wohnheim des Krankenhauses gewohnt, das etwa 20 Minuten zu Fuß vom Klinikum entfernt ist, sodass ich nicht beurteilen kann, wie es dort ist.
Da in Wasserburg selbst eher wenige PJler sind, empfehle ich, ein Auto mitzunehmen und Kontakt zu den Rosenheimer PJ-Studierenden zu suchen.
Durch die Nähe zu den Alpen, dem Chiemsee, München und Rosenheim gibt es nahezu unbegrenzte Freizeitmöglichkeiten.
Fazit
Insgesamt war das Tertial sehr lehrreich. Trotz der Größe des Krankenhauses bekommt man einen guten Überblick über die häufigen internistischen Krankheitsbilder und deren Therapie. Ich sehe es sogar als Vorteil, dass es eine „Gesamt-Innere“-Station gibt und man sich nicht für einen Fachbereich entscheiden muss.
Wer Interesse an Innerer Medizin hat, kann hier viel lernen und praktische Erfahrung sammeln. Besonders positiv fand ich die lange Rotation in die Notaufnahme sowie die Möglichkeit, bei Notarzt-Einsätzen mitfahren zu können.
Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass ich am Ende wirklich traurig darüber sein würde, dass das Innere-Tertial jetzt schon vorbei ist.
Pro:
- wenig PJ-Studis bzw. Konkurrenz um spannende Tätigkeiten
- sehr gute Betreuung/ eigene Patienten/ lange ZNA Rotation möglich
- Blutentnahmen durch MFA
- fast immer gute Stimmung