Kurzzusammenfassung: Ich hatte inner- und außerhalb der Klinik eine super Zeit und ich kann es jedem empfehlen!
Krankenhaus:
Im MTRH kann man extrem viel lernen, wenn man Eigeninitiative zeigt. Wer möglichst wenig Zeit im Krankenhaus verbringen will, ist hier eher fehl am Platz, da Eldoret nicht die beste Ausgangslage zum Reisen ist. Ich war in der Allgemeinchirurgie, der Notaufnahme und der Kinderchirurgie. Besonders die Notaufnahme ist hervorzuheben – ich wurde super integriert und konnte unter Rücksprache eigenständig Patient:innen betreuen. In der Allgemeinchirurgie sind die Visiten häufig lang und unübersichtlich. Wer an OPs interessiert ist, sollte sich auf schlechte Hygiene und viel Blut gefasst machen!
Die kenianischen Kolleg:innen sind fast immer bereit, Anamnesen zu übersetzen und Fragen zu beantworten, aber meist muss man sie aktiv darum bitten. Wer sich für eine bestimmte Abteilung interessiert, kann fast immer rotieren – man muss den Kontakt allerdings selbst herstellen.
Unterkunft:
Ich habe bei Familie Sang gewohnt (E-Mail: [email protected]) für ca. 2000 KES pro Nacht (ca. 15 €). Sehr empfehlenswert! Ein super nettes Ehepaar, ein sauberes Gästehaus mit eigenem Garten, Küche und Waschmaschine in einer gesicherten Wohnanlage. Hier wohnen oft auch andere Expats, die am MTRH arbeiten. Zu Fuß ist man in 10–15 Minuten am Krankenhaus.
Sicherheit:
Ich habe Eldoret als sehr sicher empfunden. Gewaltverbrechen sind selten und passieren meist nur spät abends oder nachts. Tagsüber kann man sich problemlos zu Fuß bewegen. Meine niederländische Mitbewohnerin war für 6 Monate vor Ort und hat sich auch als Frau alleine nie unwohl gefühlt. Das größte Risiko ist definitiv der Verkehr – vor allem die Boda Bodas (Motorradtaxis) sind als Beifahrer nicht ungefährlich.
Malaria ist in Eldoret kaum ein Thema, nur in der Regenzeit gibt es vereinzelt Fälle. Ich habe trotzdem täglich Malarone genommen und unter einem Moskitonetz geschlafen. Im Krankenhaus sind Infektionskrankheiten wie TBC, HIV, Hepatitis C und multiresistente Keime weit verbreitet. Die Fenster sind fast immer offen, was das TBC-Risiko senkt (eine FFP2-Maske mitzunehmen, schadet aber nicht). MTRH stellt PEP für HIV-Exposition bereit, und Desinfektionsmittel sowie Handschuhe sind in der Regel ausreichend vorhanden.
Freizeit:
Eldoret ist kein Touristen-Hotspot – das hat aber den Vorteil, dass man schnell mit Einheimischen ins Gespräch kommt. Ich war unter der Woche oft im Fitnessstudio (Rupas Fun and Fitness) und habe dort viele coole Leute kennengelernt. Alternativ gibt es auch ein paar nette Cafes (bpsw. Clarah's) oder man entspannt im schönen Garten der Unterkunft. Wer Bock auf mehr hat muss nach Nairobi! Essen gehen ist recht günstig, besonders indische Restaurants (bspw. Lax Taj) lohnen sich. Im Vergleich dazu sind die Lebensmittelpreise im Supermarkt recht hoch. Der Supermarkt in der Rupa Mall ist übrigens mindestens so gut ausgestattet wie ein guter Rewe back home.
Seit vielen Jahren gibt es eine enge Kooperation zwischen der University of Indiana und dem MTRH, weshalb regelmäßig amerikanische Medizinstudierende und Residents in Eldoret sind (https://globalhealthequity.iu.edu/impact-map/ampath.html). Ich hatte viel Kontakt zu ihnen und konnte teilweise an IU-Veranstaltungen und Vorträgen teilnehmen. Wer an formellem PJ Unterricht interessiert ist kann sich entweder an die amerikanischen oder kenianischen Studis im letzten Jahr dranhängen. An den Wochenenden habe ich oft Trips mit den Amerikanern oder meinen niederländischen Mitbewohnern gemacht – z. B. nach Naivasha, zum Mt. Elgon oder in die Masai Mara. Wanderschuhe mitzubringen ist definitiv keine schlechte Idee! Das Wetter war übrigens am Jahresanfang durchgehend perfekt: 25 Grad und Sonne.
Fazit:
Ein Tertial am MTRH ist eine großartige Erfahrung für alle, die Eigeninitiative zeigen wollen, sich für Global Health und Ressourcenknappheit interessieren und ihre Komfortzone erweitern möchten. Wer keine Lust hat, das PJ mit 20 anderen Deutschen zu verbringen (wie z. B. in Moshi oder Kapstadt), sondern lieber in den Alltag vor Ort eintauchen möchte, ist hier genau richtig.
Bewerbung
Die Bewerbung lief über die Sekretärin des CEOs, Everlyn Samoei (E-Mail: [email protected]). Ich habe mich etwa sechs Monate vorher beworben, jedoch geht es sicherlich auch später. Wichtig: Das PJ wird in Kenia als Clinical Rotation und nicht als Internship verstanden. Der E-Mail-Kontakt und die Organisation liefen reibungslos, nur der erste Tag vor Ort war etwas chaotisch. Die Unterschrift für die Tertial-Bescheinigung zu bekommen war am Ende kein Problem – allerdings gibt es nur tagesaktuelle Stempel, ein Vordatieren ist nicht möglich.
Fehltage sind kein Problem!
Die Registrierung kostet etwa 65 USD, aber sonst gibt es keine Studiengebühren. Du solltest dir Kasack, Kittel, OP-Schuhe und einen OP-Sichtschutz mitbringen – all das kann man aber auch problemlos vor Ort kaufen. Mittagessen wird nicht gestellt, aber rund um das Krankenhaus gibt es viele Cafeterias, wo man für 1–2 Euro gut essen kann