Das PJ am GLG Werner Forßmann Klinikum ist formal sehr gut organisiert. Am ersten Tag wird man von den PJ-Verantwortlichen aus der Personalabteilung durch die Klinik geführt (Wäscheausgabe, Schlüsseldienst, EDV-Raum etc.). Man erhält direkt einen Zeiterfassungschip und diverse Unterlagen (eine Erläuterung zu einem Zeitmanagementsprogramm "OC:my Plan", einen Laufzettel und einen Bogen zur Dokumentation von Fehlzeiten). Auch eine Hygieneschulung gibt es direkt und der Arbeitsvertrag wird vor Ort unterschrieben. Und am zweiten Tag gibt es eine Schulung zur Einführung in das Krankenhaussystem Orbis. Durch die zentrale Organisation lernt man direkt alle PJler kennen, was die Kommunikation wirklich vereinfacht.
Nach dieser gemeinsamen Runde werden die PJler auf die Stationen verteilt, welche man sich 5 Wochen im Voraus per Email wünschen konnte. Für mich ging es die ersten zwei Monate in die Med. Klinik II (Klinik für Nephrologie, Endokrinologie und Rheumatologie... wobei man anmerken muss, dass das Patientenklientel überwiegend geriatrisch-nephrologisch ist.), danach ging es für zwei Monate ins Notfallzentrum. Ich evaluiere beides getrennt.
In der Nephrologie angekommen, war die Sekretärin überrascht vom Erscheinen von mir und meinem Mit-PJler. Der Schlüsselantrag war noch nicht ausgefüllt, wofür wir als Postboten den Zettel zum Schlüsseldienst brachten (andere hat das amüsiert, weil es wohl üblich sei, den Zettel zu faxen). Wenig dramatisch, aber vielleicht erwähnenswert. Der erste Tag ging also ziemlich für die Organisation drauf, das war allerdings auch für die Station kein Problem, da waren alle ganz entspannt. Im Laufe des Tages konnte dann der Schlüssel abgeholt werden, was auch auf dem Laufzettel steht. Weiterhin schickt einen dieser in die Wäscheausgabe, wo man zwei weiße Kasack/Hosen Sets, sowie sein Namensschild bekommt. Ein wenig umständlich ist, dass man neue Kleidung nur im Austausch gegen die alte bekommt, also muss man immer mit der dreckigen Wäsche durch das ganze Haus laufen.
Nach dem Laufzettel ging es zurück ins Sekretariat, wo wir auch einen Schlüssel für einen Spind bekamen. Die Umkleide ist ein recht kleiner Raum ohne Bänke mit allen Spinden, dort ziehen sich wirklich alle Ärzte und alle von der Pflege um, eine Geschlechtertrennung gibt es nicht.
Zur Arbeit in der Nephrologie:
Am Anfang war es recht schwer, die Arbeitsstrukturen zu Durchblicken, nach der Organisation von Tag 1 wird man in die Visite geschickt und begleitet dann den Alltag. Man muss die Strukturen selbst erfassen und bekommt keine richtige Einarbeitung, was den Einstieg durchaus erschweren kann.
Ich hätte mir gewünscht, dass mir jemand erklärt:
"Wir machen um 7:30 im unteren Stockwerk eine Übergabe und klären, welche Aufnahmen es für den Tag gibt. Wir haben auch Außenlieger (i.d.R. 3-10), das heißt das sind Patienten, die auf anderen Stationen liegen, aber von uns betreut werden. Wir teilen uns dann morgens immer die Aufgabenfelder [es wäre ganz toll wenn PJler zu dem Zeitpunkt schon die Aufnahmen zugeteilt bekämen] und dann starten wir auf Station. Wir versuchen um 8:30 immer eine Übergabe von der Pflege zu bekommen um Neuerungen aus der Nacht oder Entlasspläne sowie ggf das Nüchternbleiben vor Eingriffen zu besprechen. Dann machen wir Visite und sobald die aufzunehmenden Patienten da sind und Betten frei, sind die zu untersuchen und Blut abzunehmen. Wenn es zu lange dauert bis Betten frei sind, dann ist zumindest das Blut schon vor 12:00 abzunehmen, damit man Laborergebnisse hat und ggf am selben Tag noch eine Nierenpunktion (wenn angedacht) stattfinden kann. Mittag essen wir gemeinsam so um 13:30, danach ist um 14:00 Besprechung. Manchmal ist die Visite dann noch nicht beendet, ansonsten werden Briefe geschrieben und (wirklich oft) die Sozialsituation, Reha- oder Geriatrische Reha- Weiterbehandlungen geplant. Studentische Aufgabe ist die Blutabnahme morgens (Mo, Mi, Fr auch gerne mal 20) und das Flexülenlegen, aber dabei unterstützen wir auch, wenn was nicht klappt einfach fragen, das ist gar kein Problem. Wichtig ist für die Studenten auch bei der Visite teilzunehmen, nicht unbedingt von der ganzen Station, so viel kann man ja nicht aufnehmen, aber für einen Flur (~ 15-20 Pat.), Aufnahmen (Anamnese, Untersuchung, BE) sollen gerne eigenständig gemacht und dokumentiert werden. Es kann immer geschallt werden, je nach Assistenzarzt wird vorgeschallt und dann kann man selber nachschallen oder umgekehrt. In der Visite und auch beim Schallen wird sehr gerne und viel erklärt, Nachfragen ist erwünscht. Alle Assistenzärzte haben auch schon einen anderen FA (zB Internist...) und sind in der Weiterbildung zum Nephrologen, das ist richtig toll, weil alle eine gewisse Routine mitbringen und viel erklären können. Bei Nierenpunktionen können die Studenten gerne zuschauen und unterstützen und Pleurapunktionen werden auch gemacht, wenn man davon einige gesehen hat, darf man auch selber punktieren. Je nach Wunsch kann man auch mal zur Dialyse gehen. An Fortbildungsangeboten haben wir die PJ-Fortbildung Mittwochs 13:00-14:30, dafür sind Studenten auch grundsätzlich freigestellt und dann haben wir auch etwa zweiwöchentlich ärztliche Fortbildungen, da sind Studenten auch gern gesehen."
Da uns aber niemand einen Überblick zu Beginn gegeben hat, sind daraus ein paar Probleme entstanden. Beispielsweise ein Aufstauen von Flexülen auf den späten Nachmittag (eigentlich weiß die Pflege ja nach der Mittagsrunde, dass irgendwo eine Flexüle nicht läuft, aber häufig wurden wir dann erst um 15:30 oder danach benachrichtigt (wer Venen von nephrologischen Patienten kennt, wird verstehen, dass zwischen 2 min für einen Zugang bis (eher häufig) 30 min wirklich alles dabei ist) und eigentlich sollen nach 16:00 keine Flexülen mehr liegen wenn die PJler weg sind, damit der Hausdienst (bis Januar war das einfach ein einziger Assistenzarzt für das ganze internistische Haus über die Nacht!!!) das nicht machen muss. Auch Aufnahmen wurden teilweise noch um 15:30 an die Studenten abgegeben, obwohl die Patienten schon am Vormittag kommen. Das hat die Selbstbestimmtheit des Arbeitens stark eingeschränkt, denn meist wäre das zeitlich durchaus vorher für mich möglich gewesen, dann hätte man auch effizienter Arbeiten können. So ist man immer eher länger geblieben, meist habe ich den Zug um 16:54 oder 17:18 nach Berlin genommen, das tut schon weh wenn man pendelt und "nur" Student ist. Erst als ich mir die Arbeitsabläufe erschlossen habe und Aufnahmen dann schon Vormittags gemacht habe, weil ich sie mir gesucht habe (damit ich sie nicht am Nachmittag bekomme), konnte ich meinen Tag so gestalten, dass ich um Punkt 16:00 auch gehen kann. Ich hätte mir gewünscht, diese Struktur vorgelebt zu bekommen, dass man mir zu Beginn wenigstens schon vormittags sagt "wenn die Aufnahme da ist, kannst du die schon machen". Arbeitsabläufe waren allgemein schon weniger effizient als ich sie aus dem Uniklinikum kenne, die Ärzte haben alle ziemlich Überstunden gesammelt.
Also an Kommunikation gibt es einiges zu Optimieren, das würde Anfängern den Beginn leichter machen.
Alles in allem ist das Team aber total nett. Alle gehen immer gemeinsam Mittagessen und die Atmosphäre ist angenehm. Wenn die Hütte brennt, arbeitet der Chef sogar auf Station mit und unterstützt wo er kann. Es sind super niedrige Hierarchien und man kann immer Fragen stellen und bekommt gute Antworten, man wird zum Lernen ermutigt, besonders der eine Oberarzt nimmt einen gerne mit und erklärt bei Nierenpunktionen oder macht Pleurapunktionen, traut einem viel zu und lässt einen machen!
Ich habe letztlich in den zwei Monaten super viel gelernt, Flexülen und Blutabnahmen gehören halt dazu und ich wollte ganz bewusst auf eine Station mit schwierigen Venenverhältnissen, damit ich es am Ende wirklich kann und das kann ich schon sagen.
Für ein Innere Tertial fand ich es echt ganz gut, wie gesagt, ein bisschen mehr Struktur hätte ich mir gewünscht, aber all in all konnte ich einfach super viel lernen.
Zum Pendeln:
Es pendeln fast alle Ärzte aus Berlin. Die meisten nehmen einen Zug um 6:39 von S Gesundbrunnen, der ist um 7:07 in Eberswalde. Der ist auch sehr oft pünktlich (manchmal so 3 min Verspätung), ansonsten habe ich im Dezember über 2 Wochen einen Gleisbruch erlebt, das kommt aber wohl sehr selten vor. Der SEV war da super nervig, da konnte man schon gerne 1,5h statt 30 min unterwegs. Vom Bahnhof kann man ein Fahrrad nehmen (entweder das eigene oder ein GLG-Leihrad). Das GLG Bike sollte man frühzeitig organisieren (5 Wochen Wartezeit ist realistisch). Ich persönlich bin ohne ausgekommen, würde mir aber eins organisieren wenn ich es nochmal machen würde. Wenn man kein Fahrrad hat, kann man in 22 min laufen, morgens fährt um 7:17 auch ein Bus, der ist um 7:26 da, das war immer ganz entspannt.
Da alle pendeln, ist es auch kein Problem, wenn man mal zu spät kommt weil der Zug Verspätung haben sollte.
Essen:
Kosten ~3€, je nach Beilagen mehr, keine Vergünstigungen für Studenten
Zur Vereinfachung wird hier das generische Maskulinum verwendet, grundsätzlich werden alle Gender inkludiert.