Kurzfassung:
Als "elective student" hat man in Australien eher eine beobachtende Rolle. Die Stellen sind zwischen zwei und acht Wochen lang. Man muss keine nervigen Tätigkeiten übernehmen (Berichte, Admin, Telefonate) und hat die absolute Freiheit zu machen was man will. Im OP kann man sich jeden Tag dort einnisten, wo man Lust hat und kann dann je nach Verfügbarkeit anderer Residents/Registrars mehr oder weniger assistieren. Alle sind mega nett und bringen einem gerne Sachen im OP bei. Melbourne ist eine super Stadt und man kann sich auch gerne frei nehmen, wenn man Ausflüge geplant hat. Ich würde diese Stelle nur im Australischen Sommer empfehlen (Dez/Jan/Feb). Die Bewerbung ist sehr aufwendig und kostet insgesamt 200 EUR.
Tagesablauf:
Um 6:30 sollte man ready sein, weil dann die Visite beginnt. Diese ist ziemlich chaotisch und eigentlich muss man als Student gar nichts machen ausser mitlaufen und vielleicht mal irgendwelches Verbandsmaterial reichen. Eigene Patient*innen hat man nicht. Danach gibt es Kaffeepause und man kann sich das OP Programm anschauen. Anschliessend kann man sich frei bewegen und entweder den ganzen Tag im OP zwischen den Sälen hin und her laufen oder man geht zu den "clinics". Das sind Ambulatorien, wo Patient*innen zum Beispiel zur Nachkontrolle oder zur OP-Besprechung kommen. Oft werden dort Wunden versorgt.
OP:
Im OP muss man vor allem Eigeninitiative zeigen. Oft schaut man zu (weil gerade kein Platz am Tisch ist) aber man kann ungeniert einfach fragen ob man sich einwaschen und helfen kann. Im schlimmsten Fall steht man dann einfach lange am Tisch und macht nichts. Im besten Fall hat man gerade einen guten Registrar und ist alleine und darf dann ziemlich viel alleine machen (nähen, Skin grafts, Haken halten).
An dieser Klinik werden viele Head/Neck-Cases (Cancer) operiert. Diese Operationen gehen den ganzen Tag, teils bis in die Nacht. Zuerst sind die MKGler an der Reihe, um Tumoren zu entfernen und dann kommen die Plastics um zu rekonstruieren. Dabei werden immer Flaps (Fibula, Oberschenkel) transplantiert. Ausserdem gibt es viel Trauma Cases. Da sieht man alles vom abgerissenen Finger oder Gesichtsfrakturen bis zu Macheten Attacken. Im Trauma Saal kann man viel nähen. Breast-Cases habe ich in vier Wochen nur einen gesehen. Generell werden an öffentlichen Spitälern in Australien keine ästhetischen Eingriffe gemacht! Dieses Spektrum sieht man also überhaupt nicht. Gender Operationen habe ich auch keine gesehen.
Freizeit:
Von den elective students wird nichts erwartet, man hat nicht einmal Zugriff zu den Krankenakten. Wenn man mal einen Tag fehlt, interessiert das niemanden wirklich. Dann kann man einfach einem Resident schreiben, dass man heute nicht kommt. Am Mittwoch ist jedoch die Chefvisite mit anschliessender Besprechung der Woche. Da sollte man schon immer dabei sein. Der Chef ist super nett und kennt seine elective students auch beim Namen. Feierabend kann man auch machen, wenn man will. Wenn man jedoch am Tisch steht und bei einer OP hilft, kann man natürlich nicht einfach weg. Dann sollte man schon bis zum Ende bleiben oder bis ein neuer Abschnitt der OP beginnt (z.b. Mikrochirurgie, wo man nicht assistieren kann).
Fazit:
Ich fand meine vier Wochen in Melbourne grossartig. Wenn man sich für so eine PJ/UA Stelle entscheidet, geht es weniger um die berufliche Tätigkeit sondern mehr um alles rundherum. Sommer geniessen, ein neues Gesundheitssystem kennenlernen, seine Englischkenntnisse auffrischen, Urlaub machen. Die Placements beginnen oft in der Mitte des Monats. Am besten hält man sich also zwei Monate frei, geht vier Wochen arbeiten und verbringt den Rest der Zeit mit Reisen in Australien.
Bewerbung
Man muss sich im Vorjahr auf der Website des Royal Melbourne Hospitals für ein "Medical Elective Program" anmelden. Dafür gibt es einen bestimmten Zeitraum. Bei mir waren das ein paar Wochen im April und Mai. Die Bewerbung kostet 200 AUD, wenn man akzeptiert wird zahlt man für das Placement nochmals 200 AUD für vier Wochen. Man kann drei Spezialgebiete mit Prioritäten und drei Zeiträume mit Prioritäten angeben. Wenn man akzeptiert wird hat man dann einige Monate Zeit, um alle benötigten Dokumente zu schicken. Dazu gehören "police checks" (Strafregisterauszüge), Impfbestätigungen, Bestätigung der Krankenversicherung, und "Proof of Professional Medical Indemnity". Letztere kann man als Student kostenlos bei MIPS in Australien abschliessen.