Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie, Allgemeinchirurgie, ZNA
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Station, OP
Heimatuni
Goettingen
Kommentar
Ich war für ein halbes Tertial im St. Vinzenz in Paderborn. Durch das halbe Tertial war in den Abteilungen nicht bekannt, dass ich komme, welches meine Erfahrung sicherlich beeinflusst hat. Da ich in alle Bereiche rotieren sollte, verbrachte ich 3 Wochen in der Unfallchirurgie, 2 in der Gefäßchirurgie und 3 in der Allgemeinchirurgie. Insgesamt ist der Großteil des Personals sehr nett und es ist einem frei, ob man eher viel im OP oder eher in der ZNA/Station sein möchte. Insbesondere ist die OP-Pflege extremst nett und war ein riesiger Unterschied zu dem, was man aus anderen Häusern kennt.
Zur UC: vorneweg, insbesondere die Assistenzärzte sind daran interessiert, dass man so viel sieht und macht wie man möchte. Es war allerdings von Tag 1 auf Station aus klar, dass man sich aktiv einfordern muss, eingebunden zu werden. Ich habe vor allem in der ZNA einiges lernen können, da ich dort eigene Patienten voruntersuchen konnte, Patientenvorstellung geübt habe und das weitere Vorgehen diskutiert habe. Auch hier kann man die ein oder andere Wunde nähen, Gipsanbringung lernen etc. Alle zwei Wochen kommt im OP zusätzlich ein Kinderorthopäde, bei dem man als PJler fest eingeplant ist und am Tisch assistieren darf. Meine positive Erfahrung dort war allerdings überschattet von den negativen Erfahrungen bezüglich der Kommunikation und Planung. Möglicherweise dem geschuldet, dass die Abteilung nicht auf meine Anwesenheit vorbereitet war, hatte ich in der ersten Woche trotz mehrerer Nachfragen nicht das Gefühl, dass man mich im OP am Tisch sehen wollte. Insgesamt war ich in meinen drei Wochen kein Mal mit den Unfallchirurgen am Tisch. Aus diesem Grund versuchte ich, möglichst nicht den ganzen Tag nur auf Station rumzusitzen sondern in die Ambulanz zu gehen, NEF-Mitfahrten zu organisieren und die Endoprothetik zu sehen. In Paderborn hatten bis 2024 zwei mal die Woche externe Orthopäden Knie- und Hüft-TEPs gemacht, die jedoch seit 2025 nach Salzkotten (ca. 1,5-2 Stunden mit Bus und Bahn von Paderborn entfernt) ausgelagert wurden. Da ich in der ersten Woche nicht darüber informiert war, wer mein Ansprechpartner für solche Dinge war, hatte ich dies nach bestem Gewissen mit einem der Oberärzte aus der UC für Salzkotten besprochen. Nach meinem Tag in Salzkotten, wo ich mit dem dortigen Chef im Saal stand und assistieren durfte und nicht mit dem externen Orthopäden aus Paderborn, gab es am nächsten Morgen in der Frühbesprechung von dem leitenden Oberarzt in Paderborn eine sehr unfreundliche und unangebrachte Ansage an mich, dass alles mit ihm abzusprechen sei und es nicht in Ordnung ist, nach Salzkotten zu fahren und dort mit dem Chef zu laufen sondern wenn, dann nur mit dem externen Orthopäden. Obwohl beide Krankenhäuser einen Träger haben, werden die UC-Abteilungen streng getrennt geführt und als PJler in Paderborn wurde erwartet, dass man in Salzkotten den Orthopäden hilft. Insgesamt lief dieser gesamte Monolog voller falscher Anschuldigungen in einem derart unangebrachten und inakzeptablen Ton ab, dass ich mich anschließend in der Abteilung äußerst unwohl gefühlt habe. Dieses Verhalten hat die restliche Zeit in der UC geprägt und mein Interesse, dort eingebunden zu werden lag danach eher bei 0. Wenn man also Lust auf OPs in der Unfallchirurgie hat, bekommt man hier leider keine Chance am Tisch zu assistieren. Bei den Orthopäden in Salzkotten ist man dann zum Hakenhalten auch eher abgestellt als involviert. Dadurch, dass dieses Erlebnis mir vermittelt hat, ich sei nicht dort zum lernen sondern habe zu tun, was man mir sagt und sei Kontingent der UC, war ich heilfroh, als meine Zeit in der UC vorbei war. Solltet ihr also in der UC sein, erkundigt euch früh an wen ihr euch wenden sollt für Wünsche, damit hoffentlich so etwas nicht erneut passiert (vermutlich der leitende Oberarzt). Da ich die erste PJlerin mit der neuen Situation in Salzkotten war, weiß ich nicht, ob es ab jetzt für jeden PJler Pflicht ist, 2 mal die Woche dort hinzufahren, jedoch war dies ein großer Minuspunkt und hätte meine Entscheidung bezüglich der Dauer in der UC definitiv beeinflusst. Meines Wissens nach führen sie aktuell beide Häuser zusammen, jedoch weiß ich nicht was das für uns als PJs bedeutet.
Zur GC: die gesamte (insgesamt eher kleine) Abteilung inklusive Chef ist super nett (4 Assis, 4 Oberärzte), sehr freundlich und lässt einen selbst entscheiden, was man in der Zeit dort mitnehmen möchte. Für Chirurgie-Interessierte besteht jederzeit die Möglichkeit, die OPs zu begleiten und am Tisch zu assistieren. Auch ohne Einwaschen sind sie sehr bemüht, einem die OPs zu erklären und Dinge zu zeigen. Die Ambulanz insbesondere montags und mittwochs ist für Doppler-Sono super und dort kann man die Patienten eigentlich immer vorschallen. Hier habe ich viel TVT-Ausschluss und pAVK-Diagnostik gesehen und aktiv machen dürfen. Wenn man nicht groß an der Chirurgie interessiert ist, kann man allerdings auch früher gehen und wird dort zu nichts gezwungen.
Zur AC: auch hier ist das Team sehr nett, aber auch sehr klein. Man wird hier fest eingebunden in die OPs und kann sich schon am Tag vorher über die anstehenden OPs informieren, in denen man eingeteilt ist. Oftmals sind es Hernien, Gallenblasen oder aber auch Darmops wie Hemikolektomien etc. Mittwochs und freitags operieren zusätzlich noch die Kinderchirurgen, bei denen man eigentlich immer als Assistenz eingetragen wird. Hier wird alles von Hernien über Hodenhochstand und Zirkumzision operiert, wobei man oft auch zunähen darf. Morgens ist die Visite oft mit Oberarzt und z.T. mit dem Chefarzt, sodass man durch das Visitendokumentieren eine große Hilfe ist. Auf Station ist sonst dafür wenig los und Arbeiten wie Blutentnahmen, Viggos legen oder Briefe schreiben sind schnell erledigt, sodass man nach Rücksprache mit den Oberärzten auch hier durchaus früher gehen kann.
Zusätzliche Möglichkeit ist für Chirurgie-Interessierte die Übernahme von Op-Rufdienste. Hierfür kann man sich an die Sekretärin der Allgemeinchirurgie und die Personalabteilung melden. Je nach Tag ist man entweder kaum im Op oder steht den gesamten Abend am Tisch, jedoch sind hierbei die Chirurgen meist nett und erklären das ein oder andere. Hierfür wird man extra vergütet (100Euro Pauschale und in Abhängigkeit von der Einsatzdauer Zusatz).
Insgesamt ist das St. Vincenz für Erfahrungen in einem mittelgroßen Haus gut geeignet, da hier der Unterschied zu einer Uniklinik sehr schnell deutlich wird. Durch die Größe ist man sehr familiär in den Teams und auch als PJler kennen einen die Leute sehr schnell. Insbesondere die OP-Pflege ist sehr nett, aber auch die Assistenten geben sich alle viel Mühe einem Dinge zu zeigen. Da die Oberärzte viel im OP stehen, erfolgt auf Station nicht wirklich Teaching, im OP dafür jedoch schon. Es erfordert jedoch überall aktives Nachfragen und Eigeninitiative. Abgesehen von meiner negativen Erfahrung in der UC würde ich das Haus jedem weiterempfehlen. Da sich aktuell aber mit Salzkotten und Paderborn viel ändert kann es durchaus sein, dass die Umstände nach meinem Tertial anders sind. Salzkotten als Außenstelle der UC mit den Orthopäden ist jedoch leider eine massive Zumutung und hätte definitiv die Wunschdauer in der UC verkürzt. Wenn meine Bewertung den einzelnen Abteilungen gelten würde, wären die GC und AC definitiv weitaus besser bewertet bezüglich des Ansehens der PJs (GC und AC eher 1, UC allerdings aufgrund des Umgangs eher 5-6). Es besteht die Möglichkeit, NEF-Dienste mitzufahren, was ich jedem ans Herz legen würde. Hierfür am Besten Kontakt zu unserem PJ-Beauftragten Felix Brandt aus der Anästhesie aufnehmen oder sich über die Vincenz Owncloud im Kalender direkt erkundigen, wer NEF-Dienst hat und darüber Sicherheitsschuhe und Hose ausleihen.
Riesiger Pluspunkt ist das Mittagessen, welches eigentlich echt immer sehr lecker und ausgiebig war. Zusätzlich findet montags immer PJ-Unterricht statt (10-16Uhr), welcher im Wechsel jeweils im Brüderkrankenhaus oder im St. Vincenz stattfindet. Hier entfällt ab und an auch mal der Unterricht, jedoch ist er größtenteils ganz gut gemacht. Insbesondere der Chef der inneren Dr. Greeve macht immer 10-11:30Uhr Patientenvorstellung und ist sehr daran interessiert, den Unterricht zu gestalten und viel zu erklären. Hier kann man seine Unterschriften für das Logbuch gut sammeln. Im Unterricht wird keine Anwesenheitskontrolle durchgeführt, sodass man auch gut montags mal ein verlängertes Wochenende genießen kann.
Personell ist hervorzuheben, dass sich der PJ-Beauftragte Felix Brandt wirklich sehr gut um die PJler kümmert. Egal ob bezüglich Problemen wie bei mir in Hinblick auf Salzkotten oder PJ-Unterrichtswünsche kann man sich immer auf Augenhöhe mit ihm unterhalten. Kommunikativ nutzt er gerne die Vincenz-App bzw. Talk Funktion, welches in unserer Kohorte etwas untergegangen ist. Es lohnt sich aber, dort regelmäßig reinzuschauen.
Freizeittechnisch bietet Paderborn begrenz Möglichkeiten, jedoch soll insbesondere die Sommerzeit dort sehr schön sein. Da ich im Winter dort war, haben wir unsere meiste Zeit gemeinsam im Wohnheim verbracht oder haben mal einen Ausflug in die Umgebung gemacht (Bielefeld, Münster, Köln, Düsseldorf).