Ich habe von August 2024 bis März 2025 mein PJ-Pflichttertial Chirurgie in 50 % -Teilzeit im Kreiskrankenhaus (KKKH) Weilburg verbracht. Die Klinik ist seit 2024 akademisches Lehrkrankenhaus der Justus-Liebig-Universität Gießen und begrüßte im Mai 2024 die ersten PJler:innen.
VORBEREITUNG UND ORGANISATION
Als PJler:in bekommt man bei Tertialbeginn ein eigenes Telefon, Namensschild, einen eigenen Spind in einer der Personalumkleiden, einen eigenen Zugang zur klinikinternen Software, eine Klinik-E-Mail-Adresse, eine kostenlose Dauerparkkarte und einen Chip für das kostenlose Essen. Die Dienstkleidung wird von der Klinik kostenfrei zur Verfügung gestellt. Jede/r PJler/-in darf 1 Studientag pro Woche nehmen. Die chirurgischen PJler:innen erhalten zu Tertialbeginn eine "OP-Einweisung" mit Verhaltensregeln und Üben von Einwaschen und sterilem Einkleiden.
OP-SPEKTRUM
Die Klinik ist ein öffentlich getragener Grundversorger und liegt im idyllischen Lahntal im hessischen Landkreis Limburg-Weilburg.
Klinikgröße: 181 Betten, 4 Fachabteilungen (Anästhesie/Intensivmedizin, Chirurgie: allgemein- sowie unfallchirurgisch/orthopädisch, Innere Medizin, Geriatrie), ~ 650 Mitarbeiter:innen.
Die Klinik ist verschiedentlich zertifiziert und ist u.a. Endoprothetik- sowie Kompetenzzentrum für chirurgische Koloproktologie. Das konkrete OP-Spektrum findet ihr auf der Klinikhomepage. In der AC (2 OP-Säle) wurden während meines Tertials u.a. Appendektomien, Cholezystektomien, Hemikolektomien, viel Hernienchirurgie, Stomaversorgung, thoraxchirurgische Eingriffe sowie proktologische Eingriffe bspw. bei Hämorrhoidalleiden durchgeführt. Aber auch eine subtotale Gastrektomie und eine subkutane Mastektomie habe ich während meiner Rotation in der AC gesehen.
In der UC/Ortho (ebf. 2 OP-Säle) werden viele prothetische Eingriffe an Hüfte und Knie, glgtl. an der Schulter vorgenommen (inkl. Revisionen), aber auch verschiedentliche unfallchirurgische und glgtl. kleinere handchirurgische Eingriffe. Auch bei einer Oberschenkelamputation durfte ich während meines Tertials assistieren (Amputationen seien aber eher selten).
KLINIKALLTAG UND AUFGABEN ALS PJ:LERIN
Die Hauptaufgabe von PJler:innen am KKKH Weilburg ist es, etwas zu lernen, und das wird auch von allen Ärzten der Klinik so vertreten. Man kann sich aussuchen, wo man eingesetzt sein und was man sehen möchte. Ich konnte jedem Fragen stellen und wurde aktiv ins ärztliche Team eingebunden. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten wegen Teilzeittätigkeit fühlte ich mich schnell ins Team integriert. Alle waren sehr motiviert uns PJler:innen Dinge beizubringen, sowohl praktisch als auch theoretisch. Ich wurde als PJlerin nie für unliebsame Aufgaben „zweckentfremdet“.
Für die ungeliebten Blutentnahmen, die in vielen Kliniken Hauptaufgabe der PJler:innen sind, gibt es im KKKH Weilburg auf jeder Station dafür zuständiges Personal. Schwierige Blutentnahmen, Blutentnahmen an ZVKs sowie das Legen von Viggos wurden wir PJler:innen schon manchmal gebeten zu machen, aber falls wir dabei Schwierigkeiten hatten konnten wir uns jederzeit eine/n Arzt/Ärztin dazu holen. Wenn wir eine OP sehen wollen, die sich zeitlich damit überschnitt, wurden wir immer in den OP geschickt und jemand anders hat sich der Aufgabe angenommen bzw. wir PJler:innen haben uns untereinander abgesprochen. In beiden chirurgischen Abteilungen hielten sich aber sowohl die Anzahl an Blutentnahmen als auch die Häufigkeit des Viggolegens im Rahmen und wir haben uns gegenseitig unterstützt und die Aufgaben aufgeteilt. Die Stimmung unter uns PJler:innen war während der Dauer meines Tertials sehr gut und freundschaftlich. In der Klinik gibt es ein eigenes PJ-Zimmer mit 2 Computerarbeitsplätzen und einer Druckmöglichkeit, einer Kaffeemaschine, Kühlschrank, Bluetooth-Radio und einer Couch.
PJ-Seminare finden überwiegend donnerstagnachmittags in wechselnder Reihenfolge der vier Fachrichtungen in der Klinik statt und sind immer sehr lehrreich und gut vorbereitet. Während meines Tertials ist kein Seminartermin ausgefallen (selten wurden Termine verschoben).
Arbeitsalltag:
AC: Ein Arbeitstag in der AC beginnt um 7:00 Uhr morgens mit einer Kurzvisite durch die Assistenzärzt:innen auf Station. Anschließend geht es (je nachdem, wo man eingeteilt ist – Absprache flexibel möglich) in den OP/ auf Station/ in die Ambulanz/Präambulanz, in die Sprechstunde oder ins MVZ im Nebengebäude, wo z.B. poststationär Patient:innen weiterbetreut werden. Die Einteilung erfolgte nach persönlichem Interesse. Ich durfte auf eigenen Wunsch viel Zeit in der Ambulanz verbringen und war im weiteren Tertialverlauf dann wechselnd im OP/auf Station/in der (proktologischen) Sprechstunde. Bei den OPs war man oft als 1. Assistenz eingeteilt und durfte auch mal mitoperieren, z.B. die Kameraführung bei Laparoskopien übernehmen, Trokare einbringen oder nähen. Am spannendsten fand ich Laparotomien, weil es dabei viel zu sehen und „Anatomie am Lebenden“ zu erleben gab. Gerade wenn man Bereitschaftsdienste mitmacht bieten sich gute Gelegenheiten bei Laparotomien zu assistieren, weil die Notfall-OPs meist offen operiert werden. Arbeitsende bei Vollzeittätigkeit ist nach der Nachmittagsbesprechung (beginnt um 15:00 Uhr).
Während meiner Rotation in die AC wurde es mir ermöglicht, im Klinikum Wetzlar bei zwei Sektionen dabei zu sein, was sehr spannend und lehrreich war.
Im Rahmen einer Aktion zur „Woche der Wiederbelebung“ an einer örtlichen Schule durfte ich „fachfremd“ die Intensivmedizin/Anästhesie begleiten und helfen, ein Reanimationstraining mit den Schüler:innen durchzuführen.
UC/Ortho: Ein Arbeitstag in der UC/Ortho beginnt um 6:45 Uhr morgens mit einer Stationsvisite bzw. um 7:30 Uhr mit einer Morgenbesprechung. Anschließend ging es in den OP/auf Station/in eine der Sprechstunden (Hüfte/Knie, Schulter, BG-Sprechstunde) oder ins benachbarte und der Klinik angegliederte MVZ, in dem Patienten poststationär weiterbetreut werden und sich ambulante Patienten vorstellen können. Hier durfte ich viel mituntersuchen und lernte die Indikationsstellung für operative Eingriffe. Die Möglichkeit im OP zu assistieren wurde ausgiebig von uns PJler:innen genutzt und wir konnten so viele verschiedene orthopädische und unfallchirurgische Eingriffe sehen und waren hier fast immer als 1. Assistenz in die OPs eingebunden. Sowohl in der AC als auch in der UC/Ortho waren die Tätigkeiten von uns PJler:innen ähnlich denen der Assistenzärzte/-innen. So halfen wir bspw. bei den Visiten beim Verbandswechsel, lernten Wundbeurteilung und –versorgung und durften Drainagen ziehen. In der Ambulanz durften wir sobald wir uns fit genug dafür fühlten eigenständig arbeiten, Patient:innen untersuchen, Untersuchungen anmelden, Patienten stationär aufnehmen und Wunden nähen. Dabei war immer ein/e Assistenzarzt/-ärztin als Ansprechpartner:innen in der Nähe und besprach mit uns anschließend „unsere“ Patient:innen. Arbeitsende bei Vollzeittätigkeit ist in der UC/Ortho nach der Nachmittagsbesprechung (beginnt um 15:00 Uhr).
In der Klinik finden regelmäßig von der ZNA organisierte Notfall-Simulationstrainings statt, zu der auch die PJler:innen eingeladen sind und an denen wir teilgenommen haben. Die Trainings kann ich sehr empfehlen.
Als PJler:in der Klinik darf man bei Interesse NEF mitfahren (Zeit wird als Arbeitszeit berechnet). Hierfür gibt es einen eigenen Kalender, in den man sich eintragen kann (Organisation ist unkompliziert).
Neben dem PJ-Beauftragten Herrn Brade auf ärztlicher Seite gibt es auch einen assistenzärztlichen PJ-Mentor. Beide standen jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.
In beiden chirurgischen Abteilungen bzw. in der ganzen Klinik war der Umgang mit uns PJler:innen immer sehr wertschätzend. Wir bekamen alle Fragen geduldig beantwortet und wurden nach eigenen Interessen gefördert. Nicht wenige von uns hatten vor Beginn des Chirurgietertials Bauchschmerzen und fürchteten, fies ausgefragt und bloßgestellt zu werden (wie man es immer wieder von anderen PJler:innen im chirurgischen Tertial hört). Diese Angst wurde uns sehr schnell genommen. Eine derartige Situation ist keiner von uns widerfahren. Die Hierarchie würde ich als eher flach bezeichnen. Es kam nicht selten vor, dass die Chefärzte gemeinsam mit uns PJler:innen zu Mittag gegessen haben. Ich kann die Klinik für das Chirurgietertial wärmstens empfehlen!
VERDIENST
PJ-Aufwandsentschädigung bei Vollzeittätigkeit: 400 €/Monat
Hinzuverdienstmöglichkeiten:
Bereitschaftsdienst (freiwillig): 60 €/Dienst. Der chirurgische Bereitschaftsdienst wird von AC & UC/Ortho gemeinsam versehen, d.h. man betreut währenddessen Patient:innen beider Fachrichtungen. Am Tag nach dem Bereitschaftsdienst hat man dienstfrei.
Freiwilliger Blutentnahmedienst: 100 €/Dienst. Dauer ~ 4 Stunden. Tage, an dem der Dienst besetzt wird: Wochenends/feiertags (jeweils von 8 - 12 Uhr). Für den Blutentnahmedienst können sich das Pflegepersonal der Klinik und die PJler:innen auf freiwilliger Basis in einen Kalender eintragen und selbstständig den Einsatztag wählen.
VERPFLEGUNG & UNTERKUNFT
Im KKKH Weilburg genießt man als PJler:in luxuriöses All You Can Eat und kostenlose Verpflegung! :-)
Morgens kann man zwischen Brötchen/Backwaren und verschiedenen Aufstrichen (inkl. Nutella ;) ) wählen. Man kann sich wohl auch in der Küche ein Frühstück nach Wunsch zusammenstellen und auf Station liefern lassen, das habe ich aber erst zu spät erfahren. Mittags gibt es immer ein Suppe, ein Salatbuffet, 3 verschiedene Hauptgerichte inkl. einem vegetarischen und Nachtisch. Man kann sich in der Küche Abendessen nach eigenem Wunsch zusammenstellen und es abends in der Küche abholen.
Alle Mahlzeiten sind kostenlos und man kann sich so viel nehmen, wie man möchte (z.B. eine 2. Portion/ 2 Nachtische ;) ). Sollte man während der Mittagessenzeit im OP stehen, kann man sich Essen von den anderen PJler:innen ins PJ-Zimmer stellen lassen oder die Küche bitten, dass sie ein Wunschessen zurückstellt.
PJler:innen der Klinik können wählen, ob sie pro Monat zusätzlich zur PJ-Entschädigung 75 € Fahrtgeld erhalten oder ob sie ein Zimmer in der PJ-WG kostenfrei beziehen möchten. Die Klinik hat Ende 2024 die ehemalige Hausmeister-Wohnung komplett renoviert und zu einer WG für uns PJler:innen umgestaltet. Die Wohnung ist sehr groß, es gibt 3 Zimmer für PJler:innen, eine moderne Küche, ein neues Bad mit Dusche/Waschbecken, eine Toilette inkl. Waschbecken, ein großes Wohnzimmer mit Esstisch, 2 Sofas und Fernseher (alles neu) und eine große Terrasse. Im Nebengebäude gibt es eine Waschmaschine und einen Trockner. Parken kann man als PJler:in kostenfrei auf dem Klinikparkplatz.
FREIZEIT
Die sich durch die pittoreske Barockstadt Weilburg schlängelnde Lahn gilt als eines der schönsten deutschen Gewässer für Kanutouren. Auch Stand-Up-Paddling, angeln, joggen oder Inlineskaten am Flussufer bieten sich an. In der Region kann man außerdem gut wandern (z.B. auf dem Lahnhöhenweg) und Fahrrad fahren (Rennrad, Trekking, Mountainbike). In fußläufiger Entfernung von der Klinik (2 km) in Weilburg-Odersbach gibt es ein kleines Freibad auf dem örtlichen Campingplatz und in Weilburg selbst gibt es das Oberlahnbad, ein Hallenbad mit Sauna (Entfernung von der Klinik 1,6 km), in dem man als Klinikmitarbeiter:in vergünstigten Eintritt erhält. Weitere corporate benefits für Klinikmitarbeiter:innen findet ihr hier aufgelistet: https://www.krankenhaus-weilburg.de/Karriere_und_Beruf/leistungen-fuer-mitarbeiter.html .
Vom 1,8 km entfernten Bahnhof erreicht man Wetzlar mit dem Regionalexpress in 15 min. Innerhalb Weilburgs besteht Busverkehr.
Kunst & Kultur: Rosenhang Museum, das Weilburger Barockschloss, Theaterveranstaltungen, seit 1972 jährlich im Sommer die „Weilburger Schlosskonzerte“.
FAZIT: Ein sehr spannendes und lehrreiches Tertial für mich! Ich wäre gern länger geblieben und werde den OP sicher vermissen und das, obwohl ich eigentlich eher internistisch interessiert bin :-)
Solltet ihr Fragen zum PJ in Weilburg haben wendet euch gern an Frau Fröhlich oder Herrn Brade. Sie können eure Anfragen dann den aktuellen PJler:innen in der Klinik weiterleiten.
Bewerbung
Für die Vollzeit-PJ-Plätze Eintragung übers PJ Portal. Da die Teilzeit-PJ-Plätze nicht über das PJ-Portal vergeben werden, hatte ich im Vorfeld Kontakt zum PJ-Sekretariat der Uni Gießen und zum PJ-Beauftragten der Klinik (CA Hr. Brade) bzw. zu deren PJ-Koordinatorin, Frau Fröhlich, aufgenommen.
Infos & Kontakt: https://www.krankenhaus-weilburg.de/karriere/praktisches-jahr.html .