PJ-Bericht – Institut für Anästhesie und Schmerzmedizin
Mein Praktisches Jahr (PJ) im Herz- und Diabeteszentrum NRW im Institut für Anästhesie und Schmerzmedizin war eine großartige Erfahrung, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Die Lehre wird hier außerordentlich ernst genommen, und die Betreuung durch die Ärztinnen und Ärzte ist sehr gut.
Organisation & Ablauf
Am ersten Tag wurden wir durch die Sekretärin der Nuklearmedizin in Empfang genommen, da diese für die PJ-Organisation zuständig ist. Wir bekamen unsere Ausweise, Zugangskarten, Kleidung sowie ein Telefon und alle notwendigen Zugänge. Mein Spind befand sich direkt im Institut für Anästhesie. Danach wurden wir von der Sekretärin der Anästhesie in den OP gebracht und direkt von der Chefärztin, Frau Prof. von Dossow, im Empfang genommen.
Der Dienst beginnt um 6:45 Uhr und dauert regulär bis 15:30-16 Uhr. Je nach Situation kann man manchmal früher gehen, es lohnt sich jedoch vor allem bei interessanten Fällen länger zu bleiben. Der Dienstplan ist flexibel, sodass man beispielsweise auch mal in den Aufwachraum oder Spätdienst wechseln kann. Die Betreuung erfolgt engmaschig. Man wird im Zuge der Frühbesprechung immer in einen neuen OP-Saal eingeteilt. Nach ca. 1 Monat spätestens kennen einen aber eigentlich alle und man darf sukzessiv, teils auch schon frühzeitig, immer mehr an anästhesiologischen Aufgaben übernehmen.
Lernmöglichkeiten & Tätigkeiten
Die Anästhesie im HDZ ist auf Herz- und Thoraxchirurgie spezialisiert, was einerseits von den operativen Eingriffen her faszinierend ist, andererseits jedoch den möglichen Nachteil hat, dass andere operative Fachrichtungen wie Gynäkologie oder Unfallchirurgie fehlen. Ein geplanter Intensivstationseinsatz ist nicht vorgesehen, kann aber auf Wunsch organisiert werden.
Die Eingriffe an sich reichen von Bypass- und Klappenoperationen bis hin zu Herz- und Lungentransplantationen oder dem Einbau von Herzunterstützungssystemen (z.B. LVAD). Praktische Tätigkeiten sind zahlreich möglich:
• Einleitung der Narkose: Arterie legen, Intubation, ZVK, Schleuse
• Intraoperative Tätigkeiten: Überwachung der Vitalparameter und Hämodynamik, pot. TEE-Untersuchungen, Dokumentation
• Postoperative Versorgung: Magensonden legen, ggf. Extubieren nach kürzeren Narkosen, Transport auf Intensivstation + Übergabe
Natürlich hängt es immer von der Patientensituation und dem betreuenden Anästhesisten bzw. Anästhesistin ab, wie viel man machen darf. Mit Eigeninitiative und Interesse kann man jedoch sehr viel lernen und praktisch arbeiten.
Die Atmosphäre im OP ist entspannt, es gibt keinen Druck, etwas machen zu müssen. Die Ärztinnen und Ärzte sind nicht auf PJler angewiesen, sondern nehmen sich bewusst Zeit für die Ausbildung. Es gibt keine garantierte Anzahl an durchgeführten Prozeduren, aber wenn die Situation passt, wird einem viel ermöglicht.
Team & Betreuung
Das Anästhesieteam ist vergleichsweise klein, aber äußerst engagiert und freundlich. Die Pflegekräfte sind sehr erfahren, oft mit intensivmedizinischem Hintergrund, und geben wertvolle Tipps. Besonders lobenswert ist die Chefärztin, die sich aktiv darum bemüht, dass PJler viel lernen. Sie überlässt einem PJler bei ihren eigenen Einleitungen mitunter nahezu alles, wenn Sie der Meinung ist, dass das vom Kenntnisstand vertretbar ist.
PJ-Unterricht findet einmal pro Woche statt, meist mittwochs von 16:00 bis 17:00 Uhr. Die Qualität schwankt etwas, insgesamt sind die Seminare aber lehrreich und interaktiv.
Unterkunft & Verpflegung
Die Unterkunft liegt nur fünf bis zehn Minuten vom Krankenhaus entfernt. Entweder man ist im Klinikwohnheim oder einer Pension untergebracht. Ich war in einem Pensionszimmer, zu dem ein eigenes Bad und ein kleiner Kühlschrank gehörte. Die Zimmer im Wohnheim sollen angeblich ganz funktional sein mit eigenem Bad; Gemeinschaftsküchen soll es auf jeder zweiten Etage geben. Man kann mit einer extra Essenkarte jederzeit in der Mitarbeiterkantine essen. Das Essen ist hervorragend – ich habe selten so gut und viel in einem Krankenhaus gegessen.
Fazit
Das PJ im Institut für Anästhesie und Schmerzmedizin des HDZ war eine herausragende Erfahrung. Die Kombination aus engagierter Lehre, hochspannenden OPs, einer freundlichen Atmosphäre und guter begleitender Organisation & gestellter Unterkunft macht es zu einer erstklassigen Wahl für das PJ. Evtl. etwas nachteilig ist die Spezialisierung auf reine Kardioanästhesie (fehlende Vielfalt), aber die umfassende aktive Einbindung der PJler macht das wett. Wer also viel lernen möchte und sich umfassende praktische Fähigkeiten aneignen möchte, ist in der Kardioanästhesie des HDZ Bad Oeynhausen genau richtig!