PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Bomu Hospital (9/2024 bis 12/2024)

Station(en)
verschiedensten; "ITS", Normalstation, Ambulanz, Kinderstation,
Einsatzbereiche
Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Notaufnahme, OP, Station
Heimatuni
Duesseldorf
Kommentar
Ich war von September bis Dezember 24 mit ein paar Freunden dort, während meines chirurgischen Tertials.
Das Bomu Hospital ist ein relativ kleines, durch Spenden finanziertes, Privatkrankenhaus in einem Township von Mombasa, ganz in der Nähe des internationalen Flughafens.
Es wurde ursprünglich als maternity Hospital gegründet und fokussiert sich nach wie vor auf Frauen- bzw Müttergesundheit. Es hat eine relativ große Entbindungsstation und es finden auch regelmäßig Geburten dort stand. Auch Kaiserschnitte sind wohl keine Seltenheit, da geplante Kaiserschnitte dort jedoch die Ausnahme sind haben wir nur einmal auch bei ihnem dabei sein können.
Ein weitere Fokus liegt auf der Prävention und Therapie von HIV bzw. AIDS und Tbc. 2 Krankheiten die sehr sehr viele Menschen dort betreffen und die auch häufig in viel weiter fortgeschritteneren Stadien vorkommen, als wir es aus Europa gewönt sind.
Die Nurses, medical practitioners und doctors vor Ort tun ihr Bestes, um ihren Patienten bestmöglich zu helfen unter den möglichen Bedingungen.
Das kenianische Ausbildungssystem ist sehr anders aufgebaut als das deutsche, sodass die Leute vor Ort mit uns als "PJlern" leider nicht besonders viel anfangen konnten, da wir auf der einen Seite bereits mehr Ausbildung erhalten hatte als viele der medical practitioners, die dort selbstständig als Ärzte arbeiten, gleichzeitig ja aber auch noch keine License haben, sodass wir nicht selbstständig arbeiten durften. Das wäre auch ausgesprochen schwierig geworden, da Englisch zwar offizielle Amtssprache ist und auch in den Universitäten auf Englisch gelehrt und geprüft wird, sodass die angestellten alle fließend Englisch sprachen, der Kontakt mit den Patienten lief jedoch zu über 80% auf Swahili. Das war uns in dem Ausmaß vorher nicht bewusst und unser Swahili war leider dafür nicht ganz ausreichend.
Die allermeisten der Ärzte haben dann im Nachhinein oder parallel für uns auf Englisch übersetzt, eigene Patienten konnten wir entsprechend aber nicht wirklich untersuchen/behandeln.
Aus internistisch/infektiologischer Sicht war das Tertial eigentlich sehr spannend. Chirurgisch wurde ich leider sehr enttäuscht. Das Hospital hat keine eigenen Chirurgen, sondern nur Belegärzte, die zu theoretisch vorher vereinbarten Terminen in den OP-Sälen des Hospitals operieren, de facto, aber sehr random kommen und gehen, sodass wir häufig ganze Tage dort verbrachten, ohne dass eine einzige OP stattfand, auch wenn theoretisch welche hätten stattfinden sollen.
Uns wurde gesagt, dass viele Operateure wohl auch zwischen 6 und 8 operieren würden und danach in ihre eigenen Praxen fahren, wo sich das eigentliche Geld verdienen ließe, zu den Uhrzeiten im Hospital zu sein war für uns aber leider nicht möglich aufgrund der Entfernung unserer Unterkunft und der Sicherheitslage vor Ort. Es wird Europäern ausdrücklich davon abgeraten sich bei Dunkelheit in der Stadt zu bewegen und daran haben wir uns auch weitestgehend gehalten und sind recht gut damit gefahren.
In Mombasa selber haben wir uns in Nyali, wo unsere Unterkunft war, auch nach Sonnenuntergang noch in einigen 100m Umkreis entlang der Hauptstraße bewegt und uns immer sicher gefühlt, in Nairobi haben wir damit allerdings ausgesprochen schlechte Erfahrungen mit korrupten Polizisten gemacht.
Generell hat mich das Ausmaß der Korruption bei der Polizei etwas überrascht, es war schon beeindruckend...
Wie viel man lernt hängt hauptsächlich davon ab wie viel Eigenmotivation man mitbringt und ob man Ärzte findet die einem etwas beibringen wollen und einen auch mal in andere Krankenhäuser mitnimmt. In unserem Fall waren das Dr Hussein und Dr Anwar. Sie sind mit uns auch in verschiedene ländlichere Krankenhäuser gefahren, wo wir noch deutlich mehr sehen konnten und z.T. auch Dinge machen, z.B. eine Lumbalpunktion.
Würde ich das Tertial noch mal machen würde ich vermutlich versuchen im Krankenhaus "Port Reitz" unter zu kommen. Dort waren auch eine Reihe niederländischer Nursingvolunteers die meinten sie hätten im OP richtig mitoperieren dürfen.
Statt guter Lehre bekamen wir dafür sehr spannende Insights in die medizinische Versorgung in Kenia und die Anwesenheitspflicht wurde nicht zu genau genommen, sodass wir zwischendurch noch 3 Wochen Safari und mehrere Wochenendetrips einbauen konnten.
Kenia ist wirklich ein wunderschönes Land und die Leute sind sehr herzlich und gastfreundlich.
Die Kriminalität, allein schon aufgrund der hohen Armut und gerade auch die Korruption sollte man allerdings nicht unterschätzen.
Auch was Sexismus angeht, sollte man sich, insbesondere als Frau, darauf vorbereiten, dass die Gesellschaft dort noch etwas anders tickt.
Wir waren eine Gruppe aus 3 Frauen und einem Mann und von den Ärzten wurde z.T. explizit angeraten, dass wir bitte unseren "männlichen Begleiter" mitbringen sollten auf unseren Touren in die ländlicheren Krankenhäuser. In den Krankenhäusern war es dann nicht wirklich ein Problem, wenn er mal nicht mit dabei war, auf der Straße hingegen hat es schon häufiger einen Unterschied gemacht und uns vermutlich einmal vor Verhaftung durch einen korrupten Polizisten bewahrt, der der Meinung war Frauen hätten nicht mit ihm zu reden.
Alles in Allem war es eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, auch wenn ich medizinisch sehr andere Dinge mitgenommen habe, als die die ich vorher erwartet hatte.
Bewerbung
ca. 9-12 Monate im Voraus
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Fallbesprechung
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Gebühren in EUR
400

Noten

Team/Station
3
Kontakt zur Pflege
5
Ansehen des PJlers
3
Klinik insgesamt
4
Unterricht
3
Betreuung
3
Freizeit
1
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
3

Durchschnitt 3.2