Ich habe mein zweites PJ-Tertial in der Dermatologie am Universitätsspital Zürich von September bis Anfang Dezember gemacht. Das zweite Tertial hat mir sehr gut gefallen. Das USZ ist eines der größten dermatologischen Forschungszentren Europas und die größte Dermatologie der Schweiz, mit insgesamt ca. 47 Assistenzärzt:innen verteilt über vier Standorte. Als Unterassistent:in ist man eine:r von bis zu etwa 20 UAs (meistens eher um die 14; häufig sind mehr als die Hälfte deutsch, dazu 1–2 Österreicher:innen und der Rest Schweizer:innen) und wird typischerweise an zwei Standorten eingesetzt: entweder am Hauptcampus in der Innenstadt oder am „Circle“ (Business-Zentrum am Zürcher Flughafen). Vom Wohnheim in der Vogelsangstrasse sind das grob um die 40 Minuten Fahrzeit von Tür zu Tür.
Zum Start bekommt man seinen Dienstplan, der meist ungefähr einen Monat vorher verteilt wird.
Die harten Fakten zuerst: Arbeitszeit ist in der Regel von 08:00 bis 17:00 Uhr, mit Mittagspause von 12:00 bis 13:00 Uhr. Du wirst in verschiedene Rotationen eingeteilt, die in der Praxis sehr unterschiedlich „fühlen“. Es gibt zum Beispiel die Notfallspur 1 (NF), wo man mit einem Assistenten/einer Assistentin unterwegs ist und vor allem zuhört, gelegentlich Biopsien oder Probenentnahmen macht. Dann gibt es die UA-Sprechstunde (SS) auf der Hausarztspur: Wenn diese offen ist, machst du Anamnese und Status oft alleine und besprichst danach mit einem/einer AÄ im Hintergrund, der/die nochmal drüberschaut; wenn die Spur geschlossen ist, läuft es eher wie Notfallspur 2. Am Circle gibt es OP-/Biopsie-nahe Einsätze, wobei man je nach Team und Tagesbetrieb häufig auch switchen kann. Am Campus-OP ist man eher in einer Assistenzrolle. Im Verbandszimmer (VZ) legt man Berichte an und schaut Patient:innen kurz an; das Praktische übernimmt meist die Pflege. In der onkologischen Tagesklinik (TAK) kommen Patient:innen zur Infusion, man fragt nach Verträglichkeit, dokumentiert und schreibt Berichte. Auf Station (ST) macht man Aufnahmeberichte, Status, Austritts- und Verlaufsberichte; bei der Visite schreibt man mit. In der Wochenklinik (WK) am Campus werden u. a. Patient:innen für extrakorporale Photophorese betreut (bei mir waren es häufig um die vier pro Tag), dazu kommen Notfallpatient:innen und Konsile, die vorbeikommen. In der Lichttherapie (LT) ist es eher praktisch-organisatorisch (z. B. Wannen reinigen); gleichzeitig gibt es dort eine Ärztin, zu der man sich – wenn Zeit ist – dazusetzen kann, um klinisch etwas mitzunehmen. Je nach Plan tauchen außerdem Poliklinik-Räume als „5/9/…“ (irgendeine Nummer) auf: Das ist vom Gefühl her oft ähnlich wie NF, man ist bei einer AÄ dabei und macht Anamnese/Untersuchung gemeinsam.
Jeder hat 1-3 Wochenende dienste pro 16 Wochen, von 8-17 Uhr, dafür bekommt man ein ausgleichstag den man sich auch aufsparen kann.
Am besten fand ich die Rotationen, in denen man wirklich viel direkten Patientenkontakt hat und aktiv arbeiten darf. Besonders hilfreich ist die UA-Spur, wo du in einer Sprechstunde vieles selbstständig machst und dann mit den AÄ besprichst, wie es weitergeht. Da lernst du viel, siehst viel und bist den Tag über sinnvoll beschäftigt. Dazu war der OP toll, dort habe ich relativ viel operiert und auch geschnitten!! Alles, was sehr Berichts lastig ist (z. B. TAK, teils VZ), wird dagegen schneller monoton.
grob gesagt wechselt man alle paar Wochen und sieht dadurch ziemlich unterschiedliche Settings. Unter den Unterassistent:innen merkt man gelegentlich eine gewisse Konkurrenz, weil die Dermatologie am USZ sehr beliebt ist. Man hört auch, dass für Bewerbungen auf bestimmte Stellen 2 Jahre internistische Erfahrung verlangt werden (und diese Zeit nicht unbedingt auf die dermatologische Facharztausbildung in der Schweiz angerechnet wird). Mein Tipp ist deshalb: Versuch aktiv, eine gute Harmonie in der UA-Gruppe zu halten. Das macht den Alltag deutlich schöner, und man hat am Ende einfach mehr davon – bei uns gab es z. B. mehrere gemeinsame Fondue-Abende, und genau diese Dinge tragen extrem zur Lebensqualität im Tertial bei.
Klinisch war es insgesamt eine super spannende Zeit. Ich habe sogar zwei TEN-/Stevens-Johnson-Patient:innen gesehen, was ich so schnell nicht vergessen werde.
Ein Punkt, der immer wieder auftaucht, ist Kommunikation: Ich habe öfter mitbekommen, dass deutsche/österreichische PJler:innen mit Schweizer Kommunikation anfangs nicht sofort warm werden, weil vieles impliziter läuft, als man es gewohnt ist. Wenn du offen bist, nachfragst, wenn etwas unklar ist, und ein bisschen Interesse an Sprache/Kultur zeigst, wird das in der Regel schnell entspannt. Viele Schweizer Kolleg:innen sprechen dir zuliebe Hochdeutsch – das ist nicht selbstverständlich. Nicht vergessen: DU bist hier AUSLÄNDER, eigentlich hast du dich anzupassen und nicht umgekehrt. Hör dir mal ein paar Schweizer Podcasts an, schau mal die Schweizer Serie „Tschugger“, hör mal ein paar Schweizer Lieder von Jule X an, wird schon.
Klinisch muss ich kurz zusammenfassen, dass ich eine deutlich bessere Zeit hatte als viele PJler, die gleichzeitig dort waren. Viele mochten die Rotationen nicht und/oder wie mit ihnen umgegangen wurde. Damit will ich sagen: Ich glaube, viele werden hier nichts posten, weil sie eher eine enttäuschende Zeit hatten. Wenn ich die Durchschnittsnote schätzen müsste, läge sie wahrscheinlich irgendwo zwischen 2,4 und 2,9.
Zum Leben in Zürich: Das USZ bietet Personalwohnheime (z. B. Vogelsangstrasse, bei mir war’s etwa 700 CHF/Monat) an; die Lage ist stark, weil man schnell am HB ist und viel zu Fuß machen kann, was den Alltag deutlich angenehmer macht als weiter draußen. Ich war selbst auch mal Famulant im Triemli und habe im Vergleich gemerkt, dass ich am USZ-Wohnheim deutlich mehr von der Stadt hatte: Vom Triemli(-Wohnheim) ist man eher 30–35 Minuten bis in die Innenstadt unterwegs, während man vom USZ aus vieles einfach zu Fuß macht und „ausgehen“ deutlich spontaner wird. Preislich ist das USZ-Wohnheim eher teurer: Im Triemli lagen Unterkünfte bei mir eher um die 350 CHF (bei ca. 1400 CHF Lohn), in Luzern z. B. um die 400 CHF (bei ca. 1900 CHF Lohn) – dafür ist die USZ-Lage wirklich eine der besten, wenn du auch tatsächlich Zürich erleben willst. Dazu trifft man im USZ-Wohnheim super viele coole PJler und andere, die am USZ arbeiten und forschen.
Zürich ist teuer – Espresso um die 5 CHF, Bier häufig 8–10 CHF, Cocktails gerne 18–25 CHF, Restaurant-Hauptgerichte oft 25–35 CHF (mit allem schnell mehr). Mein ehrlich-frecher Rat: Akzeptieren und genießen, statt jeden Preis mit „zu Hause kostet das weniger“ zu kommentieren – sonst ruinierst du dir selbst das Tertial. Finanziell bleibt netto oft weniger „Luxus“, als man erwartet: Der PJ-Lohn liegt grob um 1070 CHF brutto (netto bei vielen knapp unter 1000 CHF); mit Nacht-/Notfalldiensten kann es je nach Dienstmix deutlich höher ausfallen (ca. 1600 CHF). Mit einer Miete um 700 CHF, Essen um 400 CHF (Discounter, kochen – und ich esse sehr viel) und Freizeitbudget 400–600 CHF kann man trotzdem eine richtig gute Zeit haben, wenn man’s halbwegs plant. Beim Thema Krankenversicherung/Anmeldung: Man muss sich nur eine Zusatzversicherung (ca. 35 CHF) von Swisscare holen, wenn man zwei Tertiale in der Schweiz plant; sonst kann es passieren, dass die Stadt dir automatisch eine Schweizer Versicherung (ca. 350 CHF/Monat) zuteilt.
Insgesamt war es für mich ein sehr runder Einstieg ins PJ: gute Planbarkeit, viel Überblick über die Innere, fachlich starke Momente (vor allem Notfall und Infektiologie) und genug Luft, um nebenbei noch ein Leben zu haben. Wenn du viel sehen willst, ohne dauerhaft im Dauerstress zu landen, ist die Innere am USZ aus meiner Sicht eine sehr solide Option.
Wenn du in Zürich bist, lohnt es sich sehr, eine KulturLegi zu holen. Du kannst sie einfach online beantragen (dauert oft ca. zwei Wochen) oder sie – je nach Stelle/Regelung – vor Ort in der Nähe vom HB direkt abholen (bei mir ging das mit dem USZ-Arbeitsvertrag). Damit bekommst du bis zu 50% Rabatt auf viele Kulturangebote.
Für den ÖV ist der Halbtax-Schnupper richtig praktisch: Das ist ein Gutschein, den du bei der SBB einlösen kannst und der dir ein Halbtax (BahnCard 50) für ca. 33 CHF für zwei Monate ermöglicht. Der kleine Haken: Man findet ihn nicht immer superleicht online, weil er oft nicht direkt von der SBB selbst, sondern über Kooperationspartner angeboten wird. Häufig kannst du ihn außerdem erneuern und so insgesamt auf bis zu vier Monate kommen (quasi zweimal nutzen).
Zusätzlich gibt es mehrmals pro Jahr Aktionen fürs GA (Generalabonnement, also „Bahnkarte 100“): Normal kostet es ungefähr 450 CHF pro Monat, in Aktionen teils eher 350 CHF für einen Monat (oft rund um Sommer/Winter – je nach Jahr unterschiedlich). Das GA gilt für Bus/Tram/Zug in der ganzen Schweiz und oft auch für viele Bergbahnen (je nach Strecke/Regelung). Ob sich das lohnt, hängt an deinen Plänen: Wenn du z. B. ein paar Mal wandern gehst und mehrere Stadttrips machst, bist du rechnerisch schnell über dem Betrag, den dich das GA kostet. Mit Halbtax liegen Rückfahrten ab Zürich (ohne City-Ticket vor Ort) grob bei Bern ~45 CHF, Basel ~40 CHF, Zermatt ~95 CHF, Lausanne ~90 CHF, Genf ~90 CHF und Lugano ~60 CHF – damit merkst du schnell, dass ein GA je nach „Reise-Laune“ sehr rasch Sinn machen kann. Kleiner Extra-Hack: Den Halbtax-Schnupper kannst du oft auch für Gäste am Schalter holen (deine Adresse angeben und sagen, sie wohnen in der Schweiz) – lohnen kann sich das schon ab einer einzigen Fahrt, z. B. nach Bern.
Wenn du im Sommer dort bist: Bring alles mit, was du für „Strandurlaub“ einpacken würdest (Badesachen etc.), weil man in Zürich im Sommer ständig am Wasser hängt – in den Badis (öffentliche Schwimmbäder) sowieso. Wenn du das viel nutzt, hol dir im Sommer ein Sport-/Badi-Abo; mit der KulturLegi gibt’s je nach Angebot nochmal bessere Konditionen.
Und zum Schluss meine drei Lieblings-Ausflüge: Biel (klein, aber wird richtig schön, sobald man aus dem HB-Viertel raus ist), Zermatt und Bern.
Bewerbung
Bei mir hats 3 Monate davor geklappt. aber steht auf der website., in der Regel 2 järchen.