Chirugie générale et digestive, chirurgie vasculaire
Einsatzbereiche
OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Aachen
Kommentar
Bewerbungsablauf
Die Bewerbung erfolgte etwas weniger als ein Jahr vor Beginn des Tertials, kurzfristiger wäre aber vermutlich ebenfalls möglich gewesen. Der Kontakt lief direkt über das Sekretariat der Allgemeinchirurgie. Ansprechpartnerin war Maryse Jamoulle, die sehr freundlich war und in der Regel schnell und zuverlässig auf E-Mails geantwortet hat. Der gesamte Bewerbungsprozess verlief unkompliziert und ohne größere Hürden.
Zu Beginn des Tertials wurde ich für einen Monat fest der Gefäßchirurgie (chirurgie vasculaire) zugeteilt. In der restlichen Zeit war ich überwiegend in der Allgemein- und Viszeralchirurgie (chirurgie générale/digestive) eingesetzt. Darüber hinaus bestand viel Flexibilität: Bei Bedarf in den jeweiligen Fachrichtungen oder bei persönlichem Interesse konnte ich auch in zahlreiche andere Fachrichtungen rotieren, darunter Pädiatrische Chirurgie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Gynäkologie, HNO (ORL auf französisch), Plastische Chirurgie, MKG u.a. Dadurch habe ich insgesamt sehr viele unterschiedliche operative Fächer kennenlernen können.
Als Maitre de stage fungierte Dr. Mehdi, der Chefarzt der Chirurgie. Die Anerkennung des Tertials verlief unkompliziert, da das Hôpital Iris Sud bereits auf der Liste des LPA NRW steht. Als Erasmus-Ansprechpartnerin an der ULB hat sich Frau Kristela Babić um Unterschrift und Stempel auf der Gleichstellunsgbescheiningung gekümmert ([email protected]).
Allgemeine Infos zum Hôpital Iris Sud
Das Hôpital Iris Sud mit dem Standort Etterbeek-Ixelles befindet sich in Ixelles und ist ein öffentliches Krankenhaus. Das Tertial ist unbezahlt, allerdings wurde ich vom Chefarzt und den Assistenzärzt*innen häufig zum Kaffee oder auch zum Essen eingeladen. Der OP-Trakt des Hauses ist sehr modern und gut ausgestattet, was die Arbeit dort besonders spannend und lehrreich gemacht hat. Gelegentlich durfte ich auch in einem der anderen Häuser der Trägerschaft HIS assistieren, dort waren die OP-Säle deutlich älter und etwas weniger gut ausgestattet. Dienste oder Wochenenddienste musste ich nicht übernehmen; es wurde mir aber angeboten, mit den Assistenzärzten, den "PGs", auf die Abenddienste in der Notaufnahme mitzugehen.
Die Klinik ist insgesamt recht „studentenfreundlich“, wenn auch nicht in Form von explizitem Unterricht. Das Lernen geschieht eher nebenbei, vor allem durch die Assistenzärzt*innen, die Aufgaben erklären, Anatomie und klinisches Wissen abfragen und praktische Tipps geben. Eigeninitiative wird belohnt, da man so schneller Fortschritte macht und noch mehr auf Augenhöhe eingebunden wird.
Sprache
Die Hauptsprache im Klinikalltag ist Französisch. Gerade zu Beginn sind solide Grundkenntnisse hilfreich, da viele medizinische Begriffe und Instrumentennamen häufig auf Französisch genutzt werden. Das Team war aber auch sehr geduldig und verständnisvoll bei meinem anfänglich eher dürftigen Schulfranzösisch. Ich persönlich habe durch das Tertial deutliche Fortschritte in der Sprache gemacht. Das Lehrbuch „Französisch für Mediziner“ war dabei nur bedingt hilfreich, lohnt sich aber trotzdem anzuschaffen, aber Vokabellisten zu Instrumenten aus dem Internet sind definitiv nützlicher.
Gelegentlich hatte ich es mit flämischsprachigen Patient*innen zu tun. Ich hatte Niederländisch in der Schule und konnte den Großteil gut verstehen. Das war aber keinesfalls notwendig, eher „nice to have“. Grundsätzlich sind Sprachkenntnisse in anderen Fremdsprachen, z. B. Arabisch, Türkisch oder Russisch, sehr hilfreich, da das Patientenclientel sehr divers und international ist. Englisch wurde mir vor allem zu Beginn ebenfalls angeboten, ich habe mich jedoch bewusst bemüht, alles auf Französisch zu machen, was vermutlich auch besser ankam.
Alltag im OP
Den Großteil meines Tertials habe ich im OP verbracht. Ein typischer Tag begann kurz vor 8 Uhr und endete meist gegen 17 Uhr, manchmal kürzer, oft auch länger. Besonders angenehm war, dass ich regelmäßig „journées de congés“, also freie Tage, angeboten bekam, sodass ich manche Wochen die Stadt und den Sommer noch mehr genießen konnte. Gelegentlich wurde ich dann aber doch kontaktiert, ob ich bei ungeplanten OPs assistieren könne. An Tagen ohne OPs der jeweiligen Fachrichtung, in die ich gerade eingeteilt war, durfte ich die Chef- bzw Oberärztin*innen die Sprechstunde begleiten, was auch interessant war. In der Gefäßchirurgie konnte ich Sonos beobachten, in der Viszeralchirurgie wurde ich in die Wundversorgung, körperliche Untersuchung, Fäden ziehen, Anamnese und Dokumentation miteingebunden.
Die Arbeit wurde mit der Zeit immer selbstständiger. Ich durfte häufig nähen, als erste Assistenz mitarbeiten, am OP-Tisch stehen, sterile Tische vorbereiten und Patienten abdecken. Grundsätzlich war viel „learning by doing“ angesagt, wenngleich eine Oberärztin anfangs sehr klare Erwartungen hatte, besonders in Bezug auf Instrumentennamen. Mit der Zeit konnte ich die Abläufe antizipieren und reagieren, sodass ich selbst einen deutlichen Lernfortschritt merkte.
Neben meiner Hauptrotation war es jederzeit möglich, in andere Fachrichtungen hineinzuschauen, darunter Pädiatrische Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie, HNO, Plastische Chirurgie und MKG. So konnte ich sehr viele unterschiedliche operative Verfahren beobachten und teilweise selbst mitmachen.
Praktische Tätigkeiten / Skills
Ich konnte in vielfältiger Weise praktische Erfahrung sammeln: Assistenz im OP, eigenes Nähen und teilweise erste Assistenz bei Eingriffen, Vorbereitung des OP-Tisches und Sterilabdeckung der Patienten. Besonders in der Laparoskopie war das Hakenhalten etwas reduziert, dafür konnte ich in der Viszeralchirurgie umfangreich Nähen üben. In der Gefäßchirurgie wurden mir auch komplexere Verfahren gezeigt und teilweise selbst durchführen lassen, z. B. Stent-Setzen, mikrochirurgische Gefäßnähte oder Varizenentfernungen. In der Sprechstunde durfte ich Fäden ziehen und bei Wundversorgung und Dokumentation helfen.
Zugänge und Katheter wurden meist von der Pflege gelegt, aber es war möglich, bei der Anästhesie zuzuschauen und mit etwas Anleitung auch bei der Einleitung mitzumachen, oder Larynxmasken oder Tuben zu legen. Eigeninitiative war hier stark erwünscht: Wer aktiv nachfragt, kann sehr viel lernen und sich schneller in den OP-Alltag integrieren.
Team & Arbeitsatmosphäre
Das Team war quasi ausschließlich sehr freundlich und herzlich. Chirurg*innen und Assistenzärzt*innen („PGs“) behandeln Studierende respektvoll und auf Augenhöhe. Auch das Pflege- und OP-Personal war dankbar für jede Hilfe, was ein sehr angenehmes Klima schuf – deutlich entspannter als ich es aus deutschen OPs kenne.
Es waren mit mir ein paar andere Studierende vor Ort, die kamen alle aus Genf in der Schweiz, waren im 4. Jahr und jeweils 2 Monate am Stück da. Das Team war sehr international, was die Arbeitsatmosphäre offen und angenehm machte. Nach einer anfänglichen Phase, in der ich eher mitgelaufen bin, konnte ich mich gut integrieren und aktiv in den OP-Alltag einbringen.
Lehre
Es gab keine regelmäßigen Seminare oder Unterricht für Studierende. Gelegentlich wurden jedoch gezielt Fragen gestellt, sodass man sich mit den Grundlagen auseinandersetzen musste. Dadurch konnte ich am Ende sowohl medizinisches als auch anatomisches Wissen auffrischen und vertiefen. Insgesamt würde ich die theoretische Lehre als eher mäßig beschreiben, sie wurde aber durch die praktische Arbeit im OP sehr gut ergänzt.
Anrechnung & Orga am Ende
Die Anerkennung des Tertials verlief problemlos. Viele Unterschriften mussten nicht gesammelt werden, da das Hôpital Iris Sud bereits auf der Liste des LPA NRW steht. Für Erasmus-Anträge muss man beachten, dass die Förderung die Kosten des Aufenthalts nicht unbedingt deckt und Zusatzförderungen ggf. separat beantragt werden müssen. Stolpersteine gab es sonst keine, alles ließ sich unkompliziert organisieren.
Leben in Brüssel
Ich habe in Ixelles gewohnt, in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus. Die Miete war hoch, dafür hatte ich eine Top-Lage in einer netten Hausgemeinschaft mit eigenem Bad. Der Arbeitsweg war unkompliziert mit dem Fahrrad, das ich über Swapfiets gemietet hatte, allerdings sollte man vorsichtig sein und unbedingt einen Helm mitnehmen, da der Verkehr in Brüssel nicht ganz ungefährlich ist.
Brüssel selbst habe ich als sehr lebendig und weltoffen erlebt. Besonders im Sommer bietet die Stadt ein breites Kultur- und Freizeitangebot. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, die offen für Begegnungen waren. Die Lebenshaltungskosten sind jedoch hoch und Einkaufen ist teuer. Insgesamt würde ich sowohl das Krankenhaus und Brüssel als Stadt absolut weiterempfehlen.
Freizeit
Dank der freien Tage konnte ich die Freizeit in Brüssel sehr gut nutzen und habe viel von der Stadt gesehen. Besonders gefallen hat mir der Süden Brüssels (Stadtteile Ixelles, St. Gilles, Uccle, Forest) der sehr grün ist und zahlreiche Parks bietet, wie den Parc Tenbosch, Bois de la Cambre, Etangs d’Ixelles oder Parc Cinquantenaire – ideal zum Joggen, Lesen oder zum Treffen mit Freund*innen zum Boulespielen. Außerdem gibt es viele süße Cafés und Boulangerien (z. B. Belga&Co, Café Aa, Mauvais Élève, Boulangerie Mains, Boulangerie Khobz), eine lebhafte Barszene (am Place Flagey, Kiosk Radio im Parc Royal, am Place du Châtelain) sowie tolle Museen wie Bozar, Wiels oder die Villa Empain. Kinos (im Bozar) und Schwimmbäder wie die Piscine d’Ixelles ergänzen das Freizeitangebot. Auch Ausflüge ins Brüsseler Umland mit dem Fahrrad oder mit dem Zug nach Gent, Antwerpen oder an die Küste sind gut machbar. Die Work-Life-Balance empfand ich insgesamt als gut, wobei manche Wochen durch OP-Tage etwas anstrengender sein konnten.
Fazit
Ich würde das Tertial eher Chirurgie-Interessierten empfehlen, wer selbst viel praktisch mitarbeiten möchten und gleichzeitig Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legt, ist hier genau richtig. Wer außerdem kleinere Krankenhäuser mit familiärer Atmosphäre schätzt, wird hier sehr zufrieden sein.
Die größten Pluspunkte des Tertials waren für mich die hohe Wertschätzung durch das Team, die Möglichkeit, praktisch sehr viel mitzunehmen, die relativ eigenverantwortliche Wochenplanung und die große Bandbreite an chirurgischen Fachbereichen, in die man reinschnuppern kann. Nachteile sind vor allem finanzieller Natur: Ohne Gehalt des Krankenhauses und nur mit Erasmus+ Gehalt, kann es, aufgrund der hohen Mieten und Lebenshaltungskosten knapp werden.
Insgesamt würde ich das Tertial auf jeden Fall noch einmal machen und habe es sowohl fachlich als auch persönlich sehr bereichernd empfunden.
Bewerbung
einige Monate vorher sicher ausreichend über Maryse Jamoulle ([email protected]) mit Lebenslauf, Motivationsschreiben, ggf Sprachnachweis und Immatrikulationsbescheinigung