Zu Beginn bekommt man direkt ein eigenes Telefon. Man ist entweder auf einer der Stationen eingeteilt oder in der Notaufnahme.
Auf Station war ich immer mit einer Assistenzärztin zusammen und habe mir die Arbeit mit ihr geteilt: Visite, Verlaufseinträge schreiben, Austrittsberichte verfassen, viel herumtelefonieren und alles, was sonst noch so anfiel. Das war nicht besonders aufregend, aber man hat eben genau die Aufgaben gemacht, die die Ärztinnen auch selbst gemacht haben und wurde nicht mit irgendwelchem Quatsch beauftragt.
Die Tage auf der Notaufnahme waren sehr lehrreich. Nach kurzer Eingewöhnungszeit durfte man bei den meisten Kolleginnen selbst die Anamnese und Erstuntersuchung der Patient:innen machen. Je nach Kollegin und Fall hat die Assistentin sich den/die Patient:in dann noch einmal selbst angeschaut oder man durfte die Person direkt dem/der Oberärzt:in vorstellen und Therapievorschläge machen. Zusätzlich hat man dann meist schon einmal den Bericht angelegt.
Dadurch, dass Zofingen ein B-Spital ist, war es in der Notaufnahme eher entspannt; es war zwar meistens viel zu tun, aber selten waren lebensbedrohliche Fälle dabei. Das Patient:innen-Spektrum war eher hausärztlich geprägt, aber dadurch recht vielfältig. Neben den klassischen internistischen Fällen gab es auch einige neurologische und dermatologische Fragestellungen. Man hatte oft Zeit, auch mal etwas nachzulesen.
In Zofingen habe ich Routine bekommen in:
- Anamnese
- körperlicher Untersuchung
- neurologischer Untersuchung
- kurzer Patientenvorstellung
- EKG-Befundung
- in Bildgebung mehr Dinge selbst erkennen
Atmosphäre
Die Stimmung ist wirklich sehr gut. Die Assistenzärztinnen waren alle so wie wir Mitte/Ende 20 und seeehr lieb. Am Ende haben wir uns so gut verstanden, dass wir sogar privat mal etwas unternommen haben. Die Hierarchien sind flach, man duzt sich, Fehler werden offen angesprochen, es wird niemand runtergemacht. Der Umgang mit der Pflege ist ebenfalls sehr professionell und freundlich. Das Pflegepersonal in der Schweiz ist extrem gut ausgebildet und hat viel mehr Kompetenzen als in DE (dazu gehört auch das Blutabnehmen, weswegen ich in der Schweiz in den 4 Monaten kein einziges Mal Blut abgenommen habe).
Ich habe mich immer sehr ernst genommen und wertgeschätzt gefühlt. Generell hatte ich den Eindruck, dass man in der Schweiz als Unterassistentin einen wesentlich besseren Stand auch bei den Patient:innen hat als in Deutschland als PJ-Studentin.
Arbeitszeiten
Man arbeitet regulär 10 Stunden täglich. Entweder von 7:30-17 Uhr oder von 15-23:30 Uhr. Ungefähr ein Wochenende pro Monat arbeitet man und kriegt dafür unter der Woche 2 Kompensationstage frei. Ich habe fast jeden Tag eine Mittagspause gehabt, darauf wurde seitens der Ärzt:innen auch sehr geachtet. Oft hat man mit AÄs, anderen UAs und OAs zusammen draußen am Mittagstisch gesessen, das fand ich sehr schön und hat sicherlich auch zum Teamgeist beigetragen. In den 4 Monaten hat man 7-8 Urlaubstage, der liebe PA Mirco ist für die Einteilung zuständig und man kriegt die Tage auf jeden Fall so gelegt, dass man auch mal einen längeren Trip machen kann.
Wohnheim
Direkt gegenüber vom Spital, Fußweg 1 Minute. Man hat ein eigenes Zimmer mit Bett, Schreibtisch, Schrank und Waschbecken. Badezimmer, Küche und Terrasse sind geteilt. Es gibt eine Waschmaschine, Trockner und Wäscheständer. Nach meinem Auszug sollte sich dort einiges ändern, es sollte z.B. keine gemeinsamen Küchenutensilien mehr geben, sondern jeweils eigene Kisten mit Geschirr und Werkzeugen, das klang ziemlich nervig. Die Hausregeln werden teils rigoros umgesetzt, Dinge werden einfach weggeschmissen, was echt störend war, aber insgesamt würde ich trotzdem auf jeden Fall empfehlen, in das Personalhaus zu ziehen. Die Kosten für das Wohnheim werden direkt vom Lohn abgezogen (für UAs ungefähr 450 CHF).
Bürokratie
- Aufenthaltsbewilligung: hat das Spital Zofingen für mich beantragt.
- Wohnsitzanmeldung: musste ich wegen des kurzen Aufenthalts nicht machen.
- AHV-Nummer: ist die schweizerische Soialversicherungsnummer. Hat mir der Arbeitgeber zugesendet.
- Krankenversicherung: wenn man sich länger als drei Monate in der Schweiz aufhält, muss man eine KV vorweisen können, die den schweizerischen Mindestanforderungen entspricht. Wenn man privat versichert ist, muss die eigene PKV ein bestimmtes Formular ausfüllen, das bestätigt, dass die schweizerischen Anforderungen abgedeckt sind. Damit gab es Probleme, da die deutschen und schweizerischen KVs strukturelle Unterschiede haben. Sollte ein Abschluss einer schweizerischen KV notwendig werden, gibt es für Studierende online Abschlussmöglichkeiten bei Swisscare. Danach muss man mit der Bescheinigung ein „Gesuch um Befreiung von der Krankenversicherungspflicht“ stellen.
- Rentenversicherung: es kümmert sich der Arbeitgeber. Für alle Rückkehrende interessant: wenn man insgesamt 12 Monate in seinem Leben in der Schweiz gearbeitet hat, hat man einen Rentenanspruch in der Schweiz. Wenn es weniger Monate sind, kann man die angesammelte schweizerische Zeit auf die deutsche Rentenversicherung umlegen. Auf jeden Fall mal alle Nachweise aufbewahren.
- Konto: ich kann „yuh“ empfehlen. Unkomplizierte Kontoeröffnung schon aus DE online und ohne gemeldeten schweizerischen Wohnsitz möglich.
Spaß
- Zofingen ist ein kleiner Ort, es gibt ein paar schöne Dinge zu tun, z.B. ein Spaziergang zum Heiternplatz, Freitags ein Besuch der Caipibar oder Stöbern in der Brocki
- das Städtchen ist zwar gut angebunden, aber unter der Woche schafft man nach der Arbeit keine Ausflüge mehr
- wenn es irgendwie möglich ist, reist mit dem Auto an
- in die Städte Basel, Bern, Zürich, Luzern kommt man gut mit der sehr zuverlässigen Bahn (unbedingt Halbtax holen!), aber wenn man in die Natur wandern möchte, ist ein Auto wirklich zu empfehlen.
- Zofingen ist recht flach, bis zu wirklich hohen Bergen braucht man mindestens eine Stunde mit dem Auto.
- Ich war im Frühjahr und Sommer da, da konnte man nach der Arbeit noch gut Radausflüge machen, Joggen gehen oder den Sonnenuntergang auf der Terrasse schauen. Im Winter stelle ich es mir ein wenig trist vor.
Insgesamt ein super Tertial, das Spaß gemacht hat und in dem ich wirklich viel gelernt habe!