PJ-Tertial Unfallchirurgie in All India Institute of Medical Sciences (12/2025 bis 2/2026)

Station(en)
Station, OP, Notaufnahme
Einsatzbereiche
OP, Station, Notaufnahme, Diagnostik, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Vorab: Das PJ in Delhi war ein absolutes Highlight und kann uneingeschränkt empfohlen werden!

Das AIIMS:
Das All India Institute of Medical Sciences in Neu Delhi gilt als das beste Krankenhaus Indiens und ist für Medizin die absolute Top-Uni. Bewerber*innen aus Indien müssen in den nationalen entrance exams zu den Top 0,01% gehören, um dort überhaupt angenommen zu werden. Die Ärzt*innen sind dementsprechend insbesondere theoretisch top ausgebildet und erklären viel und gerne. Diagnostik und Therapie entspricht weitestgehdend den internationalen Leitlinien und auch die Ausstattung ist für ein indisches Krankenhaus ausgesprochen gut. Das AIIMS ist ein öffentliche Einrichtung, daher werden dort alle Patient*innen kostenlos behandelt. Ein Großteil der Patient*innen ist sehr arm; viele reisen tausende Kilometer, um dort behandelt zu werden. Rund um das Krankenhaus schlafen tausende Menschen auf der Straße (meist Angehörige, die kranke Familienmitglieder begleiten oder Menschen, die auf Therapie warten).

Die Unfallchirurgie:
Ich hatte mich dort explizit für die Unfallchirurgie beworben, da diese in älteren Berichten ausdrücklich empfohlen wurde. Ich wurde darauf hin für die gesamte Zeit in der Unfallchirurgie im „JPN Apex Trauma Centre“ (einem riesigen Unfallkrankenhaus) eingeteilt, womit ich viel Glück hatte. In der „red area“ (vergleichbar mit unserem Schockraum) werden dort laut eigener Angabe pro Woche ca. 400 Schwerstverletzte behandelt. Die Patient*innen werden aus einem Radius von über 1000km dorthin gebracht, weil es eines der wenigen öffentlichen Krankenhäuser ist, in denen nach internationalen Standards und komplett kostenlos behandelt wird. Die Verletzungen sind wirklich heftig: Kinder, die vom ungesicherten Balkon aus dem 3. Stock gefallen sind; Menschen, die vom Bus überfahren wurden; Menschen, die beim Versuch des Kletterns auf ein Zugdach zwischen Zug und Bahnsteigkante eingeklemmt wurden; schwere Verkehrsunfälle, aber auch Messerstich- und Schussverletzungen. Die Unfallchirurgie ist dort explizit nicht für Knochenbrüchte zuständig, das machen die Orthopäden in einer separaten Abteilung. Die Unfallchirurgie ist für die Erstversorgung der Unfallopfer zuständig und kümmert sich um jegliche Form von Organ- und Weichteilverletzungen.

Ich habe dort nach meiner Ankunft direkt eine Führung durchs Haus und einen Rotationsplan erhalten. Ich war zu Beginn auf Station, später im OP und in der Notaufnahme eingeteilt. Auf Station bin ich morgens bei der Visite mitgelaufen (die immer recht lang ging), habe mir ein paar Akten durchgelesen und beim Verbandswechsel geholfen. Im OP durfte ich mich immer mit einwaschen und je nachdem manchmal zugucken, manchmal Haken halten oder absaugen, einige Male aber auch nähen oder beim Débridement helfen.
Die meisten OPs waren aber auch so sehr spannend, sodass es sich auch dann gelohnt hat, wenn man nicht viel machen konnte. In der Notaufnahme war es meine feste Aufgabe, allen Patient*innen Blasenkatheter zu legen und nachdem ich nachgefragt hatte, durfte ich auch Zugänge legen, arteriell Blut abnehmen, eFAST machen und Wunden nähen. Dabei wurde ich immer von irgendjemandem supervidiert und konnte insbesondere beim Nähen handwerklich einiges dazulernen - es war allerdings sehr von Vorteil, dass ich vorher einen mehrtägigen Nahtkurs in Deutschland gemacht hatte und auch schonmal im OP genäht hatte; wenn ich überhaupt keine Vorerfahrungen gehabt hätte, hätten sie mich vielleicht nicht nähen lassen. Ansonsten gab es ständig Unterricht (Präsentationen, Kleingruppen, Bed-Side), an dem man immer teilnehmen konnte, aber nicht musste. Grundsätzlich behandeln sie einen sehr schnell wie einen ihrer eigenen „Juniors“ - man wird abgefragt, manchmal bloßgestellt, bekommt aber auch vieles erklärt und handwerklich gezeigt.

Arbeitszeiten
Grundsätzlich sind sie mit der Anwesenheit sehr strikt und die indischen Ärzt*innen arbeiten locker 70 Std/Woche. Die Arbeitszeiten für Praktikant*innen sind von Montag bis Samstag von 9-17 Uhr, in der Notaufnahme wurde ich auch in Spät- und Nachtdiensten eingeteilt. Ich hatte aber darum gebeten, nur von Montag bis Freitag arbeiten zu müssen, damit ich mir am Wochenende ein bisschen das Umland ansehen konnte. Das wurde mir dann auch genehmigt, allerdings musste ich für jedes Wochenende einen Urlaubsantrag ausfüllen und von zwei Leuten unterschreiben lassen, das war ein bisschen nervig. Auch 10 Tage Urlaub wurden mir genehmigt, aber auch dieser musste erst beantragt und genehmigt werden.

Sprache:
Vorab: In den ersten zwei Wochen habe ich gefühlt überhaupt nichts verstanden, aber es wurde sehr schnell sehr viel besser. Grundsätzlich kommt man mit Englisch gut durch. Alle Ärzt*innen sprechen sehr gut Englisch; auch die gesamte medizinische Ausbildung sowie Dokumentation findet auf Englisch statt. Der indische Akzent ist am Anfang nicht ganz so leicht zu verstehen, zumal oft sehr schnell geredet wird, aber man gewöhnt sich schnell daran. Darüber hinaus werden sehr viele Abkürzungen benutzt, die ich nicht kannte, aber nach einigen Malen Nachfragen hat man das Standardvokabular auch drauf. Die Patient*innen sprechen in der Regel nur Hindi (+ teilweise weitere lokale Sprachen). Eigenständige Anamnesegespräche waren daher leider nicht möglich, aber man konnte immer irgendjemanden bitten, die Patientin etwas zu fragen und das dann zu übersetzen. Was mir eigentlich am meisten Schwierigkeiten bereitet hat war, dass insbesondere in den Diskussionen während der Visite (Diskussionen über die Patient*innen und Teaching findet gleichzeitig statt) ständig (im selben Satz!) zwischen Englisch und Hindi hin- und hergewechselt wurde. Man hätte vermutlich auch darum bitten können, das während der Visite nur Englisch gesprochen wird, aber das war mir persönlich zu unangenehm. Ich hatte im Vorfeld ein bisschen Hindi mit Duolingo gelernt und ein paar Sätze schnappt man nach ein paar Wochen auch so auf, aber im
Nachhinein hätte ich es eigentlich cool gefunden, vor Ort einen richtigen Kurs zu besuchen (ist sehr günstig); dann hätte man am Schluss wahrscheinlich nochmal etwas mehr mitgenommen. Ist aber definitiv kein Muss.

Wohnen:
Wer es auf die entspannte Tour machen will, kann sich einfach zwei Monate in einem AirBnB einbuchen. Günstiger ist aber, eine richtige Wohnung anzumieten. Ich habe z.B. über „NoBroker“ (eine App, in der keine Markler dazwischen geschaltet sind) eine Wohnung gefunden, man kann auch Kolleg*innen im Krankenhaus bitten, einen bei der Wohnungssuche zu unterstützen, sie haben immer Tipps. Wenn man nicht zu hohe Ansprüche hat; bekommt man eine 1-Zimmerwohnung für ca. 150€-200€ pro Monat.

Essen:
Indisches Essen ist grandios - und ich habe einfach alles gegessen, was lecker aussah, auch an Straßenständen. In Delhi hatte ich damit überhaupt keine Probleme, außerhalb Delhis habe ich mir zwei kleine Lebensmittelvergiftungen eingefangen, aber auch die gehen vorüber (Ciprofloxazin mitnehmen, das schafft schnell Abhilfe wenn es nach 24 Std nicht besser ist). Beim Wasser würde ich besser aufpassen, am besten immer nur abgepacktes Wasser trinken. Im Krankenhaus gibt es eine Mensa, die 24x7 offen hat und gutes Essen für sehr kleines Geld anbietet.

Reisen in Indien
Wenn man schon in Indien ist, sollte man unbedingt auch ein bisschen das Land erkunden. An einem Wochenendausflug von Delhi erreichbar sind zB. Agra (Taj Mahal), Varanasi (Ganges), Rishikesh (Berge) und Shimla (auch Berge). Am besten reist man in Indien eigentlich im (Nacht)-zug: Dazu muss man sich bei IRCTC über die deutsche Handynummer (wichtig!!) einen Account für Foreigner erstellen und kann dann mit internationaler Kreditkarte bezahlen. Es gibt in indischen Zügen X verschiedene Klassen, meiner Meinung nach hat „3AC“ das beste Preis/Leistungsverhältnis. „Unreseved“ bzw. im Sleeper- oder Sitting Car zu fahren ist wirklich für die sehr hart gesottenen und als Frau habe ich mich da nicht besonders wohl gefühlt. Ansonsten kann man z.B. über die App RedBus auch entspannt (Nacht-)busse für kleines Geld buchen. Ich bin in meinem (genehmigten) Urlaub dann auch noch nach Südindien gefahren und das lohnt sich wirklich sehr: Weil es in Südindien einfach sehr schön und deutlich entspannter ist und weil man einen tollen Eindruck von der kulturellen Diversität Indiens bekommt.

Unterschriften:
Ich brauchte sowohl die zweisprachige PJ-Bescheinigung als auch ein Formular, das die studentische Gleichwertigkeit bescheinigte. Ich habe mich ca. 10 Tage vor Ende des PJs darum gekümmert und das war auch gut so, da die Uni sehr formalistisch ist und alle Papiere durch X Hände wandern mussten. Nachdem ich ein paar Mal bei verschiedenen Leuten Druck gemacht hatte, habe ich aber alles rechtzeitig unterschrieben bekommen.
Bewerbung
Ich hatte mich ca. ein halbes Jahr vorher auf eigenes Faust dort beworben. Dafür habe ich das Formular auf der Website (https://www.aiims.edu/images/pdf/Academic_Section/Elective%20training%20Foreign%20medical%20UGs.pdf) ausgefüllt und es zusammen mit einem Anschreiben und einem letter of recommendation an [email protected] geschickt. Das Empfehlungsschreiben wäre aber wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen; sie scheinen sich ausschließlich für die Angaben in ihrem Formular zu interessieren. Es hat dann ungefähr drei Monate gedauert, bis meine Bewerbung bearbeitet wurde; ich würde daher empfehlen, sich im Zweifelsfall etwas früher zu bewerben. Im interntional office haben sie mir gesagt, dass ca. 80% aller internationalen Bewerbungen akzeptiert werden, die Chancen stehen also gut.
Eine Sache muss man allerdings beachten: Sie bieten dieses „elective training“ (unter dem Titel läuft das dort) nur für max. 3 Monate an; daher kann man dort nur das halbe Tertial absolvieren und muss splitten.
Man bekommt dann einen Brief, dass man akzeptiert wurde, in dem eine Menge Konditionen stehen. Mich hat eigentlich am meisten verunsichert, dass dort steht, dass man ausschließlich „Observer“ ist und weder direkt noch indirekt an der Patientenversorgung teilnehmen darf. Allerdings war das im Krankenhaus allen vollkommen egal und man durfte vieles machen (s.o.). Im Krankenhaus waren noch ein paar andere Observer und bei denen war es genauso.
Unterricht
Häufiger als 5x / Woche
Tätigkeiten
Blut abnehmen
Patienten untersuchen
Röntgenbesprechung
Chirurgische Wundversorgung
Notaufnahme
Poliklinik
Braunülen legen
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Gebühren in EUR
125

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
2
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.07