PJ-Tertial Anästhesiologie in Hospital Interzonal General de Agudos Dr. Oscar E. Alende (11/2025 bis 3/2026)

Station(en)
OP
Einsatzbereiche
OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Ich hab mein Tertial in der Anästhesie in der Higa absolviert und war dort tatsächlich der erste internationale und auch nationale Student, da die argentinischen Studenten nicht in die Anästhesie rotieren. Ich hab in diesem Beitrag mal versucht noch fehlende Details beizufügen zur Orga, die mir selber geholfen hätten zu wissen.

Bewerbung:

Die Bewerbung läuft einfach per E-Mail an [email protected]. Es reicht 3-6 Monate vorher eine E-Mail zu schreiben mit dem gewünschten Aufenthaltsort und Dauer. Es wird einem sehr schnell geantwortet und sind sehr hilfreich. Allerdings muss alles in Spanisch kommuniziert sowie alle Dokumente in Spanisch eingereicht werden. Die Bescheinigungen werden auch auf Englisch unterschrieben, wenn eine spanische Übersetzung beiliegt. (Diese kann auch selber angefertigt sein) Man bekommt dann eine E-Mail mit den nötigen Informationen. Es wird ein Hep-B Titer, sowie die Standardimpfungen verlangt. Ich habe einfach meinen Impfpass hingeschickt. Zusätzlich wird noch eine Immatrikulationsbescheinigung und eine Argentinische Unfallversicherung verlangt. Diese habe ich bei Cooperacion Seguros in Mar del Plata vor Ort abgeschlossen, da dies online nicht möglich ist. ([email protected]) Ich durfte am ersten Tag etwas später kommen, um diese vorher abzuschließen, da man ohne diese nicht arbeiten darf. Es gilt auch nur eine Argentinische, also keine von deutschen Unis etc. Kosten: 15€/Monat

Visa/Einreise:

In Argentinien darf man 90 Tage Visafrei sich aufhalten für touristische Zwecke. Ich bin einfach zwischendurch mal nach Chile und Brasilien ausgereist. Dies war überhaupt kein Problem. Nach Mar del Plata kommt man einfach mit dem Bus aus Buenos Aires (Retiro). Dauert ca 5h und fährt mehrmals die Stunde ein Bus. Ich hab das Ticket einfach direkt vor Ort am Terminal gekauft, da gibt es meistens noch einen Rabatt. Ansonsten sind die Abfahrtszeiten über Plataforma 10 einsehbar.


Unterkunft:

Mar del Plata ist das Urlaubsziel für Argentinier im Sommer (Januar & Februar), dadurch gibt es kaum monatliche Mieten und alles wird nur noch Tages oder Wochenweise vermietet, wodurch die Preise sehr nach oben gehen. Ich empfehle daher sich schon vorher eine Unterkunft zu besorgen. Ich hab es nicht getan, bin dadurch mehrmals umgezogen und hab teilweise deutlich mehr gezahlt als in Deutschland. Man kann aber auch etwas für 300 - 350€ finden. Wohnungssuche geht entweder über AirBnB oder über Facebook Gruppen (Alquileres Mar del Plata - Estudiantes). Die sind meistens auch gut, allerdings gibt es da hin und wieder Betrüger. Aber insgesamt sind die Preise bei Facebook deutlich besser.
Mein einer Vermieter hat mir gesagt, dass ich seine Nummer weitergeben kann, also einfach bei WhatsApp anschreiben, falls ihr was sucht: Theo: +5492236686942

Die Gegend ums Krankenhaus ist recht gefährlich und kann ich nicht empfehlen. Von der Lage her ist eigentlich alles im Zentrum gut, besonders gut fand ich die Zone um Shopping Andrey und Plaza Colon. Auch sehr gut ist La Perla, allerdings bisschen weiter weg vom Zentrum und dem Krankenhaus, aber noch sehr gut machbar und auch etwas günstiger als das Krankenhaus.

Arbeit und Tätigkeiten:

Ich war in der Anästhesie und hab dort sehr viel machen dürfen und war zufrieden. Der Aufbau ist recht ähnlich zu Deutschland. Es gibt für jeden OP-Saal (6 Stück) einen Assistenzarzt und dann Oberärzte die zur Ein- und Ausleitung dazu kommen. Dienst beginnt um 07:30 und man wird dann einem Assistenzarzt zugeordnet oder fragt jemanden und läuft dann dort mit. In der ersten Woche schaut man sich primär die Abläufe an und ab der zweiten Woche durfte ich dann schon intubierten. Die Ärzte sind sehr gut ausgebildet und sowohl praktisch als auch theoretisch sehr fit. Wenn man Eigenengamnet zeigt, dann kann man sehr viel machen. Dafür ist ein gutes Spanischniveau allerdings auch unerlässlich. Insgesamt hab ich täglich intubiert, viele Spinalanästhesien gelegt, Patientenanamnesen erhoben, Beatmungsmaschine bedient, Arterien gelegt etc. Also die volle Palette der Anästhesie. Manchmal war ich sogar alleine für einen OP eingeteilt, ich hatte aber immer einen Oberarzt zugeteilt, mit dem ich jederzeit Rücksprache halten konnte. OP-Plan Ende war meistens gegen 14:00 Uhr und man durfte nach Hause gehen.

Zusätzlich sollte man noch 1 Guardia pro Woche machen in der man dann die ganze Nacht bleibt und dann auch den Plan ganz normal weiter macht. Also 32h insgesamt. Es gibt Betten und meistens schläft man auch durch, wenn nicht irgdwas passiert. Das war dann meistens aber schon sehr spannend, da das Krankenhaus die ganzen Notfälle der Region versorgt und gerade in der Guardia man besonders nah dabei ist. Mache Ärzte lassen einen dann aber auch schon am frühen Nachmittag heim gehen. Ich fand sie sehr spannend, auch wenn sie teilweise Schin auch hart waren.
Man arbeitet also insgesamt schon viel hier, wahrscheinlich mehr als in Deutschland, aber dafür ist es auch ne sehr intensive Zeit und man kann sein Spanisch auf ein neues Level heben.

Zusätzlich gab es zweimal die Woche Unterricht am Abend in Form von Vorträgen. Ich habe dort anfangs noch teilgenommen, es aber dann irgendwann sein lassen und da hat sich auch keiner Beschwert.

Zustand des Krankenhauses:

Grundsätzlich läuft in der Anästhesie alles noch weitgehend analog und da es ein öffentliches Krankenhaus ist und diese vom Staat abhängig sind fehlt es an vielen Stellen und das Gebäude ist ein wenig heruntergekommen. Einmal hatten wir kein Adrenalin mehr und an einem anderen Tag mussten alle OPs abgesagt werden, weil es kein Sauerstoff mehr gab. Oft hat auch fließend Wasser gefehlt und einmal ist sogar ein Stück Decke in den Patienten gefallen. Insgesamt werden die Patienten aber dennoch gut versorgt und dir Ärzte sind wahr Meister der Improvisation um fehlendes Material auszugleichen.

Freizeit und Urlaub:

Mar del Plata ist eine sehr lebendige Stadt im Sommer. Es gibt diverse Beachclubs und andere Möglichkeiten feiern zu gehen. Von Techno bis Kizomba oder Chaquenge ist alles dabei. An den diversen Stränden der Stadt wird überall gesurft und gekitet. Wenn man den Massen entkommen will, dann kann man auch einfach mit dem Uber ein wenig in den Süden fahren. Dort gibt es wundervolle Strände in der Natur. Ansonsten hab ich auch problemlos frei bekommen und bin mehrmals durchs Land gereist. Argentinien ist unglaublich groß und vielfältig und hat wirklich sehr viel zu bieten, nur die Wege sind unglaublich lang. Es lohnt sich aber auf jeden Fall.

Sozial ist Argentinien eine echte Goldgrube. Die Menschen sind unglaublich nett und integrieren einen super schnell. Man wird schnell in die täglichen Mate-Runden oder zu einem Asado(BBQ), der Nationalsport der Argentinier, eingeladen. Ich fand es wirklich sehr einfach mich dort zu integrierem und neue Freunde zu finden. Ich glaube allein zu Weihnachten hatte ich 5 verschiedene Einladungen. Also auch wirklich sehr zu empfehlen.

Leben und Kosten:

Die Lebenshaltungskosten sind definitiv günstiger als in Deutschland, aber vergleichsweise zu anderen Südamerikanischen Ländern recht teuer. Dafür ist es insgesamt schon sicherer und auch alles ein wenig geordneter. Ich habe nicht genau ausgerechnet was ich gezahlt hab, aber ich konnte auf jeden Fall gut Leben dort und hab weniger gezahlt als in Deutschland.
Mittagessen gab es immer im Krankenhaus und war umsonst. Es gab sogar extra ein vegetarische oder glutenfreie Option.

Öffentlicher Nahverkehr kostet ca. 1€ pro Fahrt und ist sicher. Ich hab immer den Bus zum KH genommen. Die Abfahrtszeiten auf GoogleMaps stimmen nicht, aber man kann es über die App oder Website Cuando Llega? gut einsehen. Ansonsten ist Uber auch recht kostengünstig verfügbar.

Zusammenfassung:

Insgesamt war mein Eindruck sehr positiv. Die Organisation war recht einfach und es gab immer zuverlässig Rückmeldung. Ich hab viel vor Ort gelernt und insgesamt einen tiefen Einblick in das Argentinische Gesundheitssystem und Kultur bekommen. Das Krankenhaus selber ist allerdings in einem recht heruntergekommenen Zustand und es fehlt häufig an Equipment. Zusätzlich hab ich auch wirklich viel gearbeitet und es war sicher kein entspanntes Auslandstertial. Ich fand aber dennoch, dass ich genügend Freizeit hatte und mir auch problemlos Urlaub nehmen konnte. Das einzig wirklich negative fand ich die Unterkunftssituation, da es wirklich schwer und auch teuer war sich vor Ort eine zu besorgen. Ich würde aber auf jeden Fall wieder nach Mar del Plata gehen. Nur 5 min vom Strand entfernt zu Leben ist einfach ein schönes Lebensgefühl.
Bewerbung
3-6 Monate per Mail: [email protected]
Nur auf Spanisch und alle Dokumente müssen ins spanische Übersetzt werden
keine Studiengebühren oder sonstige Kosten
Unterricht
2x / Woche
Inhalte
Repetitorien
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Eigene Patienten betreuen
Braunülen legen
Punktionen
Briefe schreiben
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1