Organisation:
Vor Beginn des Tertials wurde ich rechtzeitig von der Personalabteilung kontaktiert, um die notwendigen Unterlagen auszufüllen. Den genauen Zeitpunkt meines ersten Arbeitstags habe ich selbstständig mit der Kinderklinik vereinbart. Besonders positiv war, dass Schlüssel und Zugangsdaten für das Computersystem am ersten Tag bereits vorbereitet waren, sodass ich direkt starten konnte.
Teilweise war anfangs jedoch noch nicht vollständig klar, welche Regelungen für PJ-Studierende gelten. Nach Rückfragen konnte die in der Stellenausschreibung erwähnte kostenlose Parkkarte bereitgestellt werden, und auch ein kostenloses Mittagessen wurde mir noch für den letzten Monat des Tertials gewährt. Ansonsten kosten die Mahlzeiten 4,50–6 Euro pro Portion.
Allgemeines:
Die Kinderklinik verfügt über zwei Stationen (Allgemeinpädiatrie und Neo/Überwachungsstaion) und eine Notfallambulanz, alle Bereiche befinden sich auf einer Ebene.
Auf der allgemeinpädiatrischen Station waren die Krankheitsbilder sehr vielfältig: In der Wintersaison standen natürlich die typischen Infektionskrankheiten wie RSV oder Influenza sowie zahlreiche Gastroenteritiden im Vordergrund. Viele Patient*innen wurden mit unklaren Bauchschmerzen aufgenommen, bei denen die ganze Kaskade an Differentialdiagnostik durchgeführt werden konnte (Appendizitis, Gastritis, Pankreatitis, Periodenschmerzen usw….). Außerdem hatten wir häufig Patient*innen mit Synkopen oder Bluthochdruck zur Abklärung. Schädelprellungen bei Säuglingen oder den Zustand nach Traumata/Unfällen, die eine Überwachung erforderlich machten, gehörten ebenfalls zum Tagesprogramm. Hin und wieder gab auch kompliziertere Krankheitsbilder wie beispielweise chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Abklärung bei Untergewicht, Migräne oder Kawasaki-Syndrom. Ebenfalls wurden hier viele Diabetes-Patienten zur Blutzuckereinstellung und Pumpenschulung betreut. Man bekommt auf der Station einen wirklich breiten und vielfältigen Einblick in die Pädiatrie von ganz klassischen Krankheitsbildern zu seltenen und komplizierteren Erkrankungen.
Die Überwachungsstation beziehungsweise Neugeborenenstation beherbergt, wie der Name schon sagt, hauptsächlich Früh- und Neugeborene. Am Standort Gifhorn werden Kinder ab der 32+0 SSW betreut, wodurch man auch die Möglichkeit hat, kleine Frühgeborene zu sehen. Klassische Krankheitsbilder sind Neugeboreneninfektionen, Anpassungsstörungen, Folgen von Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft oder Entzugssyndrome. Auch größere Kinder, die eine engmaschige Monitoringüberwachung benötigen, beispielsweise nach Drogen- oder Alkoholintoxikationen, Krampfanfällen, ketoazidotischen Entgleisungen, EK-Transfusionen oder schweren Atemwegsinfektionen, werden hier betreut. Es handelt sich nicht um eine Intensivstation, da alle invasiven Maßnahmen wie endotracheale Intubationen verlegt werden. Dennoch können viele Patienten mit nicht-invasiven Verfahren, beispielsweise CPAP-Beatmung, versorgt werden.
Die Notfallambulanz ist eher klein, bietet jedoch einen guten Überblick über die Bandbreite der Kinder- und Jugendmedizin. Hier kommen die Einweisungen der ambulanten Fachärzte an, die dann aufgenommen werden aber auch Kinder zur Notfallvorstellung, über die dann zwischen stationärer Aufnahme und ambulanter Behandlung entschieden werden muss.
Tagesablauf:
Ich begann mein PJ-Tertial auf der allgemeinpädiatrischen Station, wechselte im Verlauf zu der Neugeborenenstation. Die Ambulanz konnte theoretisch jederzeit besucht werden, sobald Kinder vorstellig wurden, da sie nicht fest besetzt ist, sondern derjenige Arzt hingeht, der gerade Kapazität hat.
Der Arbeitstag begann täglich um 07:30 Uhr mit der Morgenbesprechung, in der der diensthabende Arzt über die Nachtdienste und die neuen Aufnahmen berichtete. Anschließend teilten sich die Assistenzärzte auf die beiden Stationen auf, in der Regel ein bis zwei Assistenzärzte, sowie ein Oberarzt pro Station.
Etwa gegen 08:00 Uhr begann auf den Stationen die Kurvenvisite gemeinsam mit den Schwestern, bei der die wichtigsten Punkte für jeden Patienten besprochen wurden. Auf der allgemeinpädiatrischen Station startete danach die Zimmervisite gegen 09:00 Uhr. Die Assistenzärzte/Assistenzärztinnen teilten sich die Patient*innen auf und gingen die Zimmer einzeln durch. Bei Kindern am ersten Tag oder komplizierten Fällen war der zuständige Oberarzt/Oberärztin dabei, bei unkomplizierten Fällen führten die Assistenzärzte/Ärztinnen die Visite alleine durch. Ich habe mich in der Regel einem AA/AÄ angeschlossen und durfte zum Ende des PJ, abhängig vom anwesenden OA/OÄ, auch eigene Patient*innen unter Rücksprache betreuen. Anschließend erfolgten Dokumentation der Visiten und das Schreiben von Arztbriefen. Um 11:30 Uhr fand die Mittagsbesprechung mit allen Ärzten/Ärztinnen statt, bei der alle Patient*innen vorgestellt und besprochen wurden. Danach folgte meist das gemeinsame Mittagessen. Nachmittags wurden dann die noch offenen Aufgaben abgearbeitet, wie Sonografien. Außerdem war meist ab Mittags die Notfallambulanz gut besucht, weshalb ich dann hier oft war, um eigene Kinder zu untersuchen und aufzunehmen.
Auf der Neugeborenenstation begann der Tag ebenfalls nach der Morgenbesprechung gegen 08:00 Uhr mit der Schwesternvisite. Anschließend wurden die Kinder untersucht, Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) sowie Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Ein Arzt/Ärztin ging meist auf die Wöchnerinnenstation, um dort die Kinder während des Rooming-in oder zur U2 zu untersuchen. Je nach anwesendem Arzt/Ärztin konnte ich unter Supervision selbstständig eigene U-Untersuchungen durchführen. Zudem wurden die Kinderärzte/Kinderärztinnen bei sekundären Kaiserschnitten aufgrund pathologischer CTGs oder anderer Auffälligkeiten sowie bei Neugeborenen mit Anpassungsstörungen vom Kreißsaal hinzugezogen. Dabei konnte ich jederzeit unter Anleitung an der Erstversorgung teilnehmen.
Um 15:30 Uhr trafen sich alle Ärzte/Ärztinnen zur Übergabe an den diensthabenden Arzt/Ärztin. Der Tag endete somit meistens pünktlich um 16:00 Uhr.
Ich war die dritte PJ-Studentin in der Kinderklinik, sodass sich einige Strukturen für PJ-Studierende derzeit noch im Aufbau befinden. Die Chefärztin ist super nett und jederzeit offen für Fragen, organisatorische Anliegen oder Wünsche. Die Qualität der Lehre war, wie überall sonst auch, von den jeweils anwesenden Ärztinnen und Ärzten abhängig. Bei einigen durfte ich, so gut wie es ging, eigene Patient*innen betreuen, bei anderen bin ich eher passiv mitgelaufen, durfte aber jederzeit mit untersuchen und Fragen stellen.
Insgesamt ist das Team ausgesprochen herzlich, und ich wurde von Beginn an super freundlich aufgenommen. Das Schreiben von Arztbriefen und sonstigen organisatorischen Tätigkeiten gehörte hier auch zu meinen täglich Aufgaben, wobei ich immer das Gefühl hatte, dass meine Unterstützung sehr wertgeschätzt wurde. Bei interessanten oder seltenen Fällen durfte ich fast immer dabei sein. Blutentnahmen fielen vergleichsweise selten an, da es keine Routineblutabnahmen gab. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich Zugänge legen durfte.
Eine feste Ansprechperson oder Mentorin auf Station ist aktuell noch nicht etabliert, dies ist jedoch für die Zukunft geplant. Ein besonderes fachliches Profil der Kinderklinik in Gifhorn ergibt sich durch die diabetologische Expertise der Chefärztin. Entsprechend werden viele Kinder mit Diabetes-Erstmanifestation, Ketoazidose oder zur Einstellung betreut. Wer sich für dieses Gebiet interessiert, kann hier wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. Darüber hinaus fanden regelmäßig interne Fortbildungen statt, an denen ich aktiv teilnehmen konnte.
PJ-Seminare:
Da zeitweise vier PJ-Studierende gleichzeitig im Haus waren, haben wir die Gelegenheit genutzt, uns aktiv für die Einführung von PJ-Seminaren einzusetzen. Ursprünglich war das Format als eine Art M3-Training konzipiert: Im zweiwöchigen Wechsel sollte jeweils ein PJ-Studierender einen klinischen Fall aus der eigenen Abteilung vorstellen, gefolgt von vertiefenden Fragen durch den betreuenden Mentor.
Auch wenn sich das Format organisatorisch etwas anders entwickelte, haben wir letztlich regelmäßig spannende Fälle untereinander präsentiert und diese gemeinsam untereinander diskutiert. Bei den anderen PJ-Studierenden war zusätzlich ein Oberarzt/Oberärztin anwesend, der/die bei Bedarf ergänzende Fragen beantwortet und wertvolle klinische Impulse gegeben hat. Da ich selbst keine feste Mentorin bzw. keinen festen Mentor hatte und an meinem Präsentationstag ärztlicherseits leider niemand teilnehmen konnte, habe ich meinen Fall eigenständig vorgestellt. Dennoch war es insgesamt eine gute Erfahrung, die eigene klinische Einschätzung strukturiert zu präsentieren.
Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dieses Seminarformat weiter auszubauen und feste ärztliche Ansprechpartner verbindlich einzubinden. Besonders gewinnbringend wäre aus meiner Sicht ein strukturiertes Fallseminar, in dem ein FA/FÄ oder ein erfahrener AA/AÄ einen Fall gemeinsam mit allen PJ-Studierenden systematisch von der Anamnese über Diagnostik und Differenzialdiagnosen bis hin zu Therapieentscheidungen durchgeht.
Positiv hervorzuheben ist, dass Herr Prof. Urbach als bisheriger PJ-Verantwortlicher jederzeit offen für Feedback und konstruktive Verbesserungsvorschläge ist und neue Ideen zur Weiterentwicklung der PJ-Lehre unterstützt.
Sonstiges Leistungen:
Essen gibt es wohl aktuell leider nicht kostenlos. Ansonsten erhält man ein Brutto-Gehalt von 930 Euro.. Außerdem gibt es kostenlose Parkmöglichkeiten sowie Zugang zur online Bibliothek. Studientage sind von der jeweiligen Klinik abhängig und wurden, was ich auch von den anderen PJ-lern gehört habe, sehr individuell gehandhabt. Theoretisch gelten die Regelungen der Uniklinik Magdeburg (4h/Woche für Lernzeit).
Fazit:
Insgesamt bin ich wirklich zufrieden mit meinem Wunschtertial. Das Team war unglaublich herzlich, und ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt. In Gifhorn erhält man einen umfassenden Einblick in die gesamte Bandbreite der Kindermedizin, von einfachen Virusinfektionen bis hin zu komplexen und schwerwiegenden Krankheitsbildern. Ich habe das Gefühl, sehr viel gelernt zu haben, und war traurig, als das Tertial zu Ende ging. Ich kann dieses PJ-Tertial in Gifhorn jedem empfehlen, der ein freundliches, kleines Team sucht und einen guten Überblick über die Pädiatrie gewinnen möchte und kann mir selber total gut vorstellen, dort später als Assistenzärztin zu arbeiten!