Ich kann ein PJ in der Chirurgie im Klinikum Ibbenbüren sehr empfehlen. Neben einer sehr guten Lehre ist den Ärzten viel an der Ausbildung der PJtler gelegen. Die Arbeit erfolgt auf Augenhöhe und Fragen sind jederzeit willkommen. Viele praktische Tätigkeiten können erlernt werden und man ist definitiv nicht der "berühmt-berüchtigte Hakenhalter"!
Allgemeines/Ablauf:
Zu Beginn des PJ erhalten die Studenten einen Rotationsplan. Hierzu wird man im Vorfeld bereits von den Verantwortlichen kontaktiert und kann Wünsche angeben. Standartmäßig sind Einsätze in der Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie und Thoraxchirurgie vorgesehen. Alle anderen chirurgischen Abteilungen z.B. Urologie und Neurochirurgie können ebenfalls besucht werden.
Der PJ Unterricht findet regelmäßig 2x/Woche statt. Er wird von den Chef- und Oberärzten gehalten, ist abwechslungsreich, interaktiv und lehrreich. Alle Abteilungen des Hauses nehmen daran teil und Themen können von den PJtlern mitbestimmt werden.
Unfallchirurgie:
Ich bin in der Unfallchirurgie gestartet. Der Tag startet mit der Besprechung um 7:40 Uhr. Anschießend findet die Visite auf der Station statt. Grundsätzlich können PJtler sehr frei entscheiden wohin sie gehen. Station, ZNA, Sprechstunde und OP sind möglich. Je nach Kapazität wird man zudem fest in den OP Plan integriert und assistiert bei diversen Operationen. An drei Tagen operieren die niedergelassenen Orthopäden im Klinikum und dort wird man eigentlich fest für die Knie- und Hüft-TEPs eingeplant.
Ansonsten wird von den Oberärzten stark darauf geachtet, dass man verschiede OPs gesehen hat und eine kleine "Schraubenlehre" wird durchgeführt, was für mein Verständnis sehr hilfreich war! Im OP muss man nicht nur Haken halten, sondern darf auch komplett assistieren und gelegentlich auch zunähen. Hierzu werden in einem Nahtkurs im Rahmen des PJ Unterrichts verschiedene Nahttechniken erlernt.
In der ZNA können Patienten eigenständig angesehen werden. Die ist ein großer Pluspunkt zum Erlernen der körperlichen Untersuchung und Anamnese für das Examen. Auch Platzwunden dürfen selbstständig nach entsprechender Anleitung genäht werden.
Auf Station begleitet man die Visiten, verfasst Arztbriefe und hilft bei Blutentnahmen und dem Legen von Braunülen.
Ich habe ehrlicherweise eher weniger eigene Patienten betreut, da ich hauptsächlich im OP oder der ZNA war.
Allgemeinchirurgie:
In der Allgemeinchirurgie startet der Tag um 7:30 Uhr mit der Frühbesprechung. Anschließend kann man sehr frei entscheiden, ob man sich der Visite anschließt oder in den OP oder die ZNA geht. Auf Station begleitet man die tägliche Visite. Hierbei erlernt man das Ziehen von Drainagen und Anlegen von Verbänden. Auch das Legen von Magensonden und der Wechsel von VAC-Verbänden kann erlernt werden. Unterstützend kann man bei Blutentnahmen und dem Legen von Zugängen sein. Man wird hierzu keinesfalls ausgenutzt! Arztbriefe können selbstständig geschrieben werden.
Fester Bestandteil ist an jedem Mittwoch die Chefvisite. Hier stellt man eigenständig Patienten vor und wird anschließend von den Chefärzten zu dem jeweiligen Thema und Procedere "geprüft". Dies ist eine einmalige Gelegenheit für das M3 zu üben und sehr lehrreich. Man muss überhaupt keine Angst vor der Visite haben, im Gegenteil, sie findet in sehr fairer und kollegialer Atmosphäre statt. Dies führt dazu, dass die relevanten Krankheitsbilder systematisch durchgegangen werden. Bei Wissenslücken wird gern geholfen und eine gute Erklärung gegeben. Auch in Besprechungen ist den Chefärzten sehr daran gelegen, dass man als PJtler den Inhalt versteht, folgen kann und z.B. auf CT-Bildern den Befund sehen kann. Hier wird sehr auf die PJtler geachtet und auf das Verständnis eingegangen!
Außerdem ist allen sehr daran gelegen, dass man vielfältige OP-Techniken miterlebt kann. Man darf sich jederzeit den OPs anschließen, sich waschen und mit am Tisch stehen. Dabei darf man assistieren und fragen stellen. Es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass man den OP Situs überblickt, das Gebiet und die Anatomie versteht und auch selber mit den Händen tastet. Dies ist sehr hilfreich für einen Verständis der OP-Techniken, die man sonst aus dem Lehrbuch kennt.
Bei interessanten Fällen in der ZNA wird man hinzugerufen, sodass der Einblick sehr vielfältig ist. Hier ist neben dem Erlernen der körperlichen Untersuchung, Sonographie und Anamnese auch z.B. die Entlastung von Abszessen eigenständig unter Anleitung möglich.
Insgesamt habe ich von allen Ärzten der Abteilung sehr viel gelernt und eine sehr kollegiale Atmosphäre verspürt.
Radiologie:
Ursprünglich wollte ich noch die Urologie kennen lernen. Ich habe nach dem Erhalt meines 4. zugelosten Prüfungsfachs für das M3 jedoch stattdessen noch einen Exkurs in die Radiologie gemacht. Nach Absprache war es überhaupt kein Problem diese Rotation zu ermöglichen. Alle Abteilungen waren sehr unterstützend.
Für mich war es eine sehr gute Prüfungsvorbereitung die jeweilgen radiologischen Modalitäten noch einmal intensiv kennenzulernen, die Befundung eigenständig durchzuführen und stets gute Erklärungen bei Fragen zu erhalten.
Sonstiges:
Eine Mittagspause ist täglich möglich. Im Bistro erhalten Studenten eine kostenfreie Verköstigung. Jeder PJtler bekommt ein eigenes Telefon, was für die Kommunikation sehr sinnvoll ist. Zudem gibt es einen eigenen Raum für PJtler, der mit Computern ausgestattet ist. Bei Bedarf wird eine Unterkunft gestellt.
Examensvorbereitung:
Neben der Rotation in die Radiologie war die Simulation des M3 ein absolutes Highlight zur Prüfungsvorbereitung. Hier wird an einem Tag die Simulation in den Fächern Innere und Chirurgie durchgeführt. Die Chefärzte der Abteilungen und ein Patient zur Demonstration der körperlichen Untersuchung sind anwesend.
Geprüft wird fair, in entspannter Atmosphäre. Man muss keine Angst vor der Simulation haben, im Gegenteil man kann zeigen, was man gelernt hat.
Dies ist ein sehr großer Pluspunkt, nimmt die Angst vor einer mündlichen Prüfung und gibt Sicherheit. Danke an alle beteiligten!