Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Diagnostik, Notaufnahme, Station, OP
Heimatuni
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Kommentar
Allem voran möchte ich erwähnen, dass das Team der Assistenzärztinnen durchweg bemüht war die PJlerinnen mitzunehmen, eigenständiges Arbeiten zu ermöglichen und auch menschlich einfach toll waren.
Ich hatte eine eher wechselhaft gute und anstrengende Zeit in der Frauenklinik am Diakoniekrankenhaus. Positiv hervorzuheben ist das Team der AÄ, und dass man ein breites Spektrum an Behandlungen mitbekommt. Unter den Bedingungen meines Tertials (wenige PJlerinnen, die eingestellten Hakenhalter*innen waren selten verfügbar) kann ich die Empfehlung für ein Tertial in dieser Abteilung aber nur bedingt aussprechen.
Wir waren zu dritt als PJlerinnen, in den Semesterferien kamen immer wieder Famulantinnen dazu, was die Situation schon deutlich verbessert hat.
Die PJ-Beauftragte hat sich bemüht uns ein Vor- und Nachgespräch anzubieten. Verbesserungswünsche, die wir in unserem Tertial angebracht haben wurden wohl auch teilweise nachdem wir weg waren umgesetzt.
Der Tag startet mit der Frühbesprechung mit dem gesamten Team, danach haben wir uns unter den PJlerinnen besprochen in welche Abteilungen (bzw. auf welche OP-Säle) wir uns aufteilen.
Dadurch, dass die oberste Priorität und Erwartung der Abteilung war die OPs mit Hakenhalter*innen zu besetzen stand ich die ersten 5 Wochen meines Tertials quasi nur als 2. Assistenz im OP, danach hat es auch noch den größten Teil meiner Tätigkeit eingenommen. Erst gegen Ende des Tertials kam noch vereinzelt die Möglichkeit auf als 1. Assistenz zu operieren, andernfalls hätte ich wahrscheinlich im ganzen Tertial auch keine Naht übernommen – hiernach musste ich auch aktiv bitten.
Mittagspausen waren in den ersten Wochen im OP leider nicht immer möglich - hier wurde, abhängig des Eingriffes, der Operateur*innen und der Anästhesie, erwartet, dass man die Patient*innen oft bis zur Umlagerung in der Schleuse begleitet, wodurch die Überleitungszeit zwischen den OPs als Pause wegfiel.
Im OP hat man Einblick in verschiedenste Eingriffe bekommen. Die Stimmung, auch Berufsgruppen-übergreifend, war bis auf einzelne Ausnahmen durchweg positiv. Erklärungen zu den Operationen waren leider eher selten, insbesondere von den erfahreneren Oberärztinnen und dem Chef hätte ich mir mehr gewünscht. Nachfragen wurden jedoch fast immer beantwortet. (In einem fachübergreifenden Eingriff wollte mir ein Oberarzt der Chirurgie etwas erklären und wurde von der gynäkologischen Oberärztin unterbrochen, dass ich das ja bestimmt nicht brauchen würde...)
Darüber hinaus gibt es noch einen ambulanten OP mit kleineren Eingriffen, hier ist man zu einer Assistenzärztin oft die 1. Assistenz, die Aufgaben hierbei waren vor allem die Lagerung der Patientin, Vorbereitung von Histo-Scheinen und Haken halten.
Die hausinterne Checkliste zum Tertial sieht die Durchführung von einzelnen OP-Schritten unter Supervision vor. Allgemein finde ich, dass es ein sehr vorbildliches Angebot ist –die lt. OÄ hat die Möglichkeit hierzu zum Ende meines Tertials sehr angepriesen, allerdings wurde es keiner von uns PJlerinnen ermöglicht.
Außerhalb des OPs lagen unsere Aufgaben vor allem in der Betreuung der Wöchnerinnen-Station. Hier haben wir eigenständig die Abschlussuntersuchungen und -gespräche durchgeführt, die Briefe geschrieben und konnten gelegentlich bei Impfungen der Neugeborenen assistieren. Da es sich hier meistens um postpartale Standardabläufe handelt hat man schnell viel Erfahrung in der Durchführung gesammelt. Die Erklärungen hierzu wurden erstmal nur von vorherigen PJlerinnen weitergegeben, eine Einarbeitung/strukturierte Übergabe durch eine Assistenzärztin hat bei uns erst in der Mitte des Tertials stattgefunden.
Selten hat jemand von uns an einer Visite oder Abschlussuntersuchungen auf der gynäkologischen Station teilgenommen. Von hier aus gab es auch wenige Anrufe für Blutentnahmen oder Viggos.
In der Ambulanz gibt es verschiedene Sprechstunden, bei denen man nach Verfügbarkeit und Rücksprache mit den Ärzt*innen mitgehen kann. Positiv hervorzuheben war hier, dass viele der Assistenzärztinnen einem ermöglicht haben unter Anleitung selbstständig gynäkologische Untersuchungen inkl. TVUS durchzuführen. Von den Oberärztinnen kann man dies leider nicht sagen. Der Chef der Abteilung hat in folgenden Tertialen wohl oft das Mitkommen von Studierenden in seiner Sprechstunde und auf seiner Visite aktiv abgelehnt.
Den Kreißsaal habe ich leider nur selten von innen gesehen. Da es hier viele Hebammenstudentinnen gibt sind die Kreißsäle schon gut mit Personen gefüllt und man bekommt kaum eine Geburt im Tagdienst mit. Teilweise hatte man hier die Möglichkeit Fetometrien durchzuführen, bzw. Frauen vorzuntersuchen, sowie Viggos zu legen und Blutentnahmen durchzuführen. Jede PJlerin bekommt die Möglichkeit eine Woche mit den Hebammen in ihren Diensten (Früh, Spät und Nacht) mitzulaufen (Hebammenwoche). Das Team war durchweg sehr herzlich, bemüht ihr Wissen weiterzugeben und die Erfahrung eine Geburt länger zu betreuen habe ich als sehr wertvoll empfunden!
Eine weitere Möglichkeit um Erfahrungen im Kreißsaal zu sammeln ist es an Diensten der Assistenzärzt*innen mit teilzunehmen. Ein Dienst geht von 15 Uhr bis nach der Morgenbesprechung am nächsten Tag (ca. 08:30 Uhr). Ich würde es jedem empfehlen dies so oft wie möglich zu versuchen – man bekommt hierdurch auch Einblicke in die Notfallversorgung und deutlich mehr Möglichkeiten eine Geburt im ärztlichen Dienst mitzubetreuen. Für den Zeitraum hat man Zugang zu einem eigenen Dienstzimmer mit einem Bett und Badezimmer auf der Ebene des Kreißsaals. Für jeden Dienst gibt es eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro. Ich habe hier von 1 Geburt mit einigen Stunden Schlaf bis 5 Geburten + Notfällen sehr verschiedene Nachtdienste erlebt.
Jeden Nachmittag muss eine PJlerin die OP-Akten für die Eingriffe des nächsten Tages, sowie die Labore des Tages bis zur Nachmittagsbesprechung um 16 Uhr durchsehen. Teilweise mussten wir deswegen leider früher aus den PJ-Unterrichten anderer Abteilungen gehen oder konnten nicht mehr an Sprechstunden am Nachmittag teilnehmen.
Mein Fazit ist gemischt – einerseits war das Team sehr freundlich und es ist fast das gesamte Spektrum der Gyn und Geburtshilfe abgebildet, andererseits waren wir für die anstehenden Aufgaben und den Bedarf an Hakenhalter*innen im OP einfach zu wenig PJlerinnen, worunter die Vielseitigkeit der Einblicke und der Lerneffekt gelitten haben.
Das Diakoniekrankenhaus hat wohl sehr wechselnde Zahlen an Gyn-PJler*innen, was immens den Verlauf des Tertials beeinflussen kann. Davon abhängig ist in wie viele Sprechstunden man Einblick bekommt, wie viel Erfahrung man in der Ambulanz sammeln kann, wie viel man am PJ-Unterricht teilnehmen kann und wie viele Aspekte Geburtshilfe, außerhalb der Wöchnerinnen-Station, man mitbekommt.