Ich habe mein zweites Tertial in der Chirurgie in Langen verbracht und wurde für die ersten zwei Monate auf der Unfallchirurgie eingeteilt.
Morgens startet der Tag mit der Röntgenbesprechung. Während der Visite, die im Anschluss stattfindet ist man als PJler mit den Blutentnahmen beschäftigt. Einmal die Woche ist Chefvisite. Dabei führt der Chefarzt die Visite an, welche teils mit 15 Personen samt der Pflege von Raum zu Raum geht. Als PJler muss man schon vorher die Patienten abdecken und die Pflaster entfernen. Diese verstehen natürlich oft nicht, was passiert und liegen entblöÃt da, bis die Visite eintrifft. Während der Visite wird meist über die Köpfe der Patienten hinaus kommuniziert.
Auch die Kommunikation zwischen der Pflege und den Ãrzten ist schlecht.
Aufgaben als PJler sind die Blutentnahmen, Verbandswechsel und Nähen in der Notaufnahme. AuÃerdem ist man als Assistenz bei den Hüft- und Knie-TEPs eingeteilt. Problematisch ist, dass die PJler bei spezielleren Verbandswechsel nicht angeleitet werden.
Die Assistenten waren sehr nett, oft wurde man jedoch auf Botengänge geschickt. Beispielsweise sollte eine PJlerin vom Mittagessen auf Station kommen, um eine Patientenakte vom Nebenraum des Arztzimmers zu einer Ãrztin im Arztzimmer zu bringen. AuÃerdem sollte ein Laptop aus dem 5. Stock heruntergebracht werden, damit die Zigarettenpause der Assistentin nicht abgebrochen werden musste.
Im OP gab es häufig Situationen, in denen über Themen âunter der Gürtellinieâ gesprochen wurden. Ich wurde als Frau am Tisch gefragt, was für einen Beziehungsstatus ich habe und das ist nur eine von vielen Situationen, die ich als übergriffig empfunden habe.
Der PJ-Unterricht sollte einmal die Woche stattfinden und ist leider fast immer ausgefallen. Er fand meist nur nach telefonischer Nachfrage und improvisiert statt. Der Lehrauftrag wird hier leider überhaupt nicht erfüllt.
Die pflegerische Situation in Langen ist problematisch: auf eine Station kam oft nur eine examinierte Pflegefachkraft. Es gibt viele ausländische Gastarbeiter und durch die Sprachbarriere leidet die Kommunikation und Patientenbetreuung. Es hat oft an Material auf Station gemangelt, es war teilweise sogar schmutzig und keiner hat sich für diese Zustände verantwortlich gefühlt.
Im PJ sollte den Studenten auf Augenhöhe begegnet werden und der Lehrauftrag muss erfüllt werden. Ich rate unbedingt vom Klinikum Langen ab, solange sich nichts daran ändert.