Ich habe mich dazu entschieden, mein PJ-Tertial in Radiologie zu splitten und habe daher nur 2 Monate in der Radiologie und Neuroradiologie am UKB verbracht, davon die ersten drei Wochen in der FE Innere Medizin und die letzten 4 Wochen in der Neuroradiologie. In einem vollständigen Tertial sind auch noch weitere Rotationen vorgesehen, wie bspw. die FE Operative Fächer, die Kinderradiologie und MRT.
Je nach Wunsch können die Rotationen auch angepasst werden.
Wenn man das 1. Tertial am UKB macht, erhält man auch eine Einführungswoche, in der im Skillslab Grundlagen wie Zugänge und Basic Life Support wiederholt wird. Die Einführungswoche habe ich als "ganz nett" empfunden, aber wer bereits während der Klinik das Skillslab regelmäßig von innen gesehen hat, profitiert ggf. nur von den - teils etwas langatmigen - Orbis- und EPA-Schulungen.
Fortbildungen für Studierende finden immer Mittwochs um 13 Uhr statt - nach Rücksprache ist es auch möglich, dass Freitags eine weitere interne Fortbildung durch einen Oberarzt läuft, die sich als ich da war, nicht ergeben hat. Zudem findet immer Dienstagsnachmittags eine Fallbesprechung statt, sowie mittwochsmorgens auch Fortbildungen von neuroradiologischer Seite.
Generell wird man sehr gut supervidiert - die Assistenzärzt:innen nehmen einen (je nach eigenem Engagement) sehr schnell ins Team auf und von Fach-/Oberärztlicher Seite wird man ebenso gut betreut und kann selbst geschriebene Befunde ausführlich nachbesprechen, grundsätzlich mit genug Raum für Fragen. Vorerfahrung - bspw. durch eine Famulatur - ist dabei definitiv von Vorteil! Aber auch wenn man in einem Thema gar nicht fit ist, wird man herangeführt. Ich habe viele CTs befundet, inklusive Stagings und Angios, aber auch Röntgen und in der Neuroradiologie u.a. auch MRT - es ist möglich, eigene Schwerpunkte zu setzen und man wird nicht gezwungen, Felsenbein-CTs zu befunden, aber auch das geht, wenn man will :) Eigeninitiative wird auf jeden Fall belohnt und man kann super viel mitnehmen.
Da ich wusste, dass ich in meiner zweiten Tertialhälfte im Ausland viel Intervention sehen würde, habe ich mich in der ersten Hälfte auf die Diagnostik konzentriert, konnte aber auch bei CT-gesteuerten Punktionen und bspw. Portexplantationen assistieren. Es gibt darüberhinaus immer die Möglichkeit, mit in die Angio zu kommen, ich habe sie nur nicht so häufig beansprucht, weil mir eine Diagnostikgrundlage für's M3 wichtig war. Sehr positiv fand ich auch, dass ich während meiner zweiten Splittinghälfte völlig selbstverständlich weiterhin über Zoom an den Fortbildungen teilnehmen konnte und mir in Aussicht gestellt wurde, trotz des Splittings an der M3-Simulation teilzunehmen.
Sowohl von ärztlicher Seite als auch in Bezug auf die MTRs habe ich in meiner Zeit am UKB eigentlich keine einzige wirklich schlechte Erfahrung gemacht.
Entgegen älterer Berichte wurde am CT in der Inneren das System mit den Aufklärungen und i.v.-Zugängen für ambulante Patienten umgestellt, sodass jetzt die MTR für die Zugänge zuständig sind, was die PJler:innen und Assistenzärzt:innen entlasten soll. Wenn mal zu wenig Personal da ist, oder am CT jemand eingearbeitet wird, wird man gebeten, zu unterstützen - sofern man im Thema i.v.-Zugänge fit ist und effizient arbeitet, nimmt das aber definitiv nicht den Großteil des Tages ein. Ich habe mich jedenfalls nicht ausgenutzt gefühlt und mich über ein wenig Patient:innenkontakt gefreut. Gerade im Vergleich zu anderen Tertialen ist man in der Radio größtenteils wirklich ärztlich tätig, was ich im PJ sehr cool fand :)
Bei Interesse kann man fragen, ob man für Schockräume angerufen wird, was auch immer gut geklappt hat und sehr spannend war.
Zudem sind mir noch verschiedene Angebote gemacht worden, die sich bei mir zeitlich leider nicht ergeben haben: dazu zählen die Möglichkeit, am Angiosimulator zu üben oder auch in der Neuroradiologie einen Stroke-Patienten von der Notaufnahme über die Thrombektomie bzw. Lyse, bis zum Ende seines Klinikaufenthalts zu begleiten. Wer möchte, kann am UKB ein wirklich vielfältiges Radiologie-Tertial bekommen und einen großen Lerngewinn verzeichnen.
Ich war aufgrund der vorangegangenen Berichte sehr positiv überrascht und empfehle das Tertial uneingeschränkt weiter.
Die Arbeitszeiten waren völlig human (in der Neuroradiologie bspw. reichte es, wenn man um 8.45 Uhr da war) - in der Regel ging es irgendwann zwischen 15 und 16 Uhr nach Hause, wenn allerdings mal eine Intervention oder ein Befund länger gedauert hat, wurde es auch mal 17-18 Uhr. Es sind allerdings alle darauf bedacht, dass man nicht unnötig rumsitzen muss und man wird eher früher, als sehr spät nach Hause geschickt. Man erhält pro Tag 5€ Guthaben für seine Mensakarte und Mittagspause machen war immer möglich, durch die gegebene Flexibilität während der Befundung konnte man sich dabei mit anderen PJler:innen im Haus gut absprechen :)
Verbesserungsvorschläge:
1. Wenn die chirurgischen PJler:innen Dosimeter bekommen, könnte es ggf. sinnvoll sein, das auch für die radiologischen PJler:innen zu organisieren.
2. Eine Einführung ins PACS wäre eine coole Sache, die einem Radiologie-PJler in der Einführungswoche vielleicht etwas mehr bringen würde, als die Orbisschulungen.