Kurze Zusammenfassung:
Tolles Tertial, sympathisches Team, viel gelernt!
Was ich außergewöhnlich an dem Tertial fand, war die entspannte Hierarchie und der lockere Umgang im Team. Während man als PJler in anderen Krankenhäusern, insbesondere von Ober-/ Chefärzten, wenig oder gar nicht beachtet wird, pflegt man in Bad Neuenahr einen ganz anderen Umgang. Zum Start erhält man von der PJ-Koordinatorin Christiane Klein eine Führung durch das Krankenhaus, ein eigenes Telefon, alle wichtigen Unterlagen inklusive Rotationsplan und die Arbeitskleidung in der Nähstube. Außerdem wird ein Foto gemacht, welches per Mail an alle (!) Mitarbeiter verschickt wird, um die neuen Mitarbeiter vorzustellen.
Wie vermutlich in jedem Krankenhaus gibt es Kollegen, die mehr oder weniger motiviert sind, Wissen zu vermitteln. Man sollte an dieser Stelle erwähnen, dass das Assistententeam sehr international ist, sodass die Aufgaben und Möglichkeiten der PJler teilweise nicht allen bekannt sind. Aber insgesamt ist das Team super nett und herzlich! Die meisten Assistenten bedanken sich für jede Blutabnahme oder Zugang, den man ihnen abnimmt, und helfen gerne, wenn es mal Probleme gibt. Wir waren als PJler auch bei einem Assistenten-Bowlingabend mit anschließendem Abendessen eingeladen, an dem auch ein paar Oberärzte teilgenommen haben. Im Nachhinein war das eine Teamchemie, die man sich bei seiner zukünftigen Arbeitsstelle nur wünschen kann.
Andere Bewertungen über die Abteilung kann ich in Teilen nicht nachvollziehen, aber ich glaube es ist auch eine Umgewöhnung, wenn man vorher in zB Unikliniken mit altmodischer Hierarchie gearbeitet hat. Hier hingegen war es selbstverständlich und auch gewünscht, den Chefarzt anzurufen, um ihn beispielsweise an den Sonokurs zu erinnern. Am Ende des Tertials hat man auch ein längeres Gespräch mit Prof. Heller, um sich über das Tertial auszutauschen und gemeinsam Verbesserungsmöglichkeiten zu überlegen. In der Vergangenheit hat Prof. Heller die Assistenten und PJler zum Kennenlernen auch mal zum Pizza essen in Bad Neuenahr eingeladen.
Der riesige Pluspunkt an dem PJ-Tertial war natürlich der Studientag pro Woche. Die zusätzlichen 16 freien Tage sind Gold wert. Wir konnten die Tage auch sammeln und dann am Stück nehmen. Auch das spontane Nehmen von einem Studientag war kein Problem. Seit dem 10/2024 ist das KH aber nun Lehrkrankenhaus der Universität Bonn, welche wohl einen Studientag pro Woche nicht erlaubt (Wo kämen wir da noch hin?). Die Abteilung hat wohl probiert den Studientag beizubehalten, aber vielleicht kommt einem das Krankenhaus dann auf anderem Wege entgegen... ;) Ein kleiner Vorteil ist dafür, dass das Gehalt nun auf 530€ steigt. Der auf der Homepage beworbene Fahrtkostenzuschlag ist leider seit kurzer Zeit maximal 50€ pro Monat, da die Geschäftsführung argumentiert, dass man ja aus Bonn auch mit Bus und Bahn fahren könne. Ein Blick in den Fahrplan verrät was anderes... Immerhin Parken war vor Ort umsonst.
Essen bekommt man jeden Tag umsonst inklusive kleinem Salat und Joghurt / Dessert. Ich fand das Essen ok. Ist halt immer noch Essen in einem kleinen Krankenhaus, da darf man meiner Meinung nach nicht die große Auswahl erwarten. Essen war immer möglich, häufig auch gemeinsam mit den Chef-/ oder Oberärzten zusammen am Tisch und Gesprächen über das letzte / kommende Wochenende.
Man kann auch vor Ort wohnen. Von anderen PJlern, die das gemacht haben, habe ich nur gehört, dass der Zustand der Zimmer teilweise desolat war. Ich selber bin aus Bonn täglich nach Bad Neuenahr gependelt. Mit dem Auto fuhr ich in der Regel circa 30 Minuten pro Strecke.
Zur Lehre:
Es gab einen Antibiotikakurs mit Online-Learning-Inhalten, 1x Sono-Kurs pro Woche (hat nicht jede Woche stattgefunden), verschiedene wöchentliche, interne kardiologische Fortbildungen, größere internistische Fortbildungen mit Vorträgen von CÄ anderer KH zB über Meningitis (1-2x pro Monat). Insgesamt ist das Lehrangebot sicher nicht ausgereizt, aber ich fand das Angebot gemessen an der Größe des Krankenhauses total zufriedenstellend und habe sonst auf Station / in den Ambulanzen ausreichend gelernt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass insbesondere Herr Mödder in den nächsten Monaten auch noch mehr anbieten wird, da er sehr motiviert schien Studenten etwas beizubringen.
Zu den verschiedenen Bereichen:
Gastro / Allgemeine Innere:
Es war meine erste Station und ich hatte das Glück, dass ich die ersten Tage an der Seite von Dr. Putzke (mittlerweile OA) gearbeitet habe. In den ersten Tagen hat er mich so in die Strukturen eingearbeitet, dass ich relativ schnell in die Abläufe integriert war und Aufgaben übernehmen konnte. Die meiste Zeit der 8 Wochen war ich auf Station 7 (Privatstation) und habe eng mit Prof. Heller zusammengearbeitet. Aufgrund einiger Krankheitsfälle durfte ich zwischenzeitlich, unter der Aufsicht von Prof. Heller, die Station selbst betreuen und die Untersuchungen etc. anmelden. Das hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht! Prof. Heller oder die Oberärzte waren auch telefonisch niederschwellig erreichbar und ich habe mich mit der Verantwortung nicht unwohl gefühlt.
Neben der Stationsarbeit durfte man auch jederzeit in der Funktionsdiagnostik vorbeischauen und z.B. bei ÖGDs, Koloskopien und ERCPs zuschauen. Aufgrund der vielen Arztbriefe, die ich im Laufe der Zeit geschrieben habe, war es dann ein Anliegen von Herrn Prof. Heller, dass ich dann eine PEG-Anlage unter Anleitung alleine durchführen durfte. Die Mühe wurde also honoriert! Natürlich muss man sagen, dass man dann auch mal länger als die eigentliche Arbeitszeit bleiben muss, wenn man für Patienten verantwortlich ist und noch nicht alles erledigt ist. Das war für mich als Gegenleistung für das Vertrauen okay.
Eine andere PJlerin, die eher weniger Interesse an der Inneren Medizin hat, hatte größeres Interesse am pünktlichen bzw. auch früherem Feierabend. Das war auch kein Problem :) Dafür kommt man aber auch eher schwierig in die Position viele Patienten selbst zu betreuen...
Zu den Blutentnahmen:
Prinzipiell gibt es einen Blutabnahmedienst, der meistens schon da war, wenn man morgens auf Station ist. So wie ich es verstanden habe, fängt der Dienst in der Regel auf Station 7 an und arbeitet sich dann in der begrenzten Arbeitszeit etagenweise nach unten. Iso-Zimmer werden nicht bearbeitet. Wenn man Pech hat und viele Blutentnahmen anstehen oder der Dienst nicht besetzt ist, muss man dann halt mehr abnehmen. Manchmal lohnt es sich auch mit den AÄ gemeinsam zu besprechen, welche Blutentnahme überhaupt Sinn macht...
Geriatrie:
Zu der Geriatrie kann ich nicht viel sagen, weil ich insgesamt nur zwei Tage in der Geriatrie hatte. Den Rest hatte ich Urlaub und bin notfallmäßig in die Innere rotiert, weil es dort Krankheitsfälle gab. Darüber war ich auch ehrlich gesagt nicht so traurig...
Kardiologie:
Seit dem 01.12.2023 gibt es mit Dr. Tim Mödder einen neuen Chefarzt. Herr Mödder ist für einen CA nicht nur ungewohnt jung, sondern war auch noch während unserem Tertial viel beschäftigt die alten Strukturen aufzubrechen und neue Prozesse einzugliedern. Trotzdem hat er sich auch viel um uns PJler gekümmert, in den Visiten viel erklärt und uns zum Beispiel angerufen, wenn es einen spannenden Eingriff im Herzkatheterlabor gab. Zusätzlich hat er auch extra Seminare für uns PJler angeboten, in denen nicht nur kardiologische Themen behandelt wurden, sondern er hat uns auch viele Tipps für den weiteren Karriereweg gegeben. Ansonsten war ich auch in Kardiologie viel auf Station 7 (Privatstation) und habe inbesondere in der Zusammenarbeit mit Frau Nacken viel gelernt. Auch in der Kardio konnte man nach der Stationsarbeit zum Beispiel zum TTE oder TEE gehen. Herr Mödder schien sehr motiviert in Zukunft mehr Seminare und Angebote für PJler anzubieten und insgesamt den PJlern eine bessere Lehre zu bieten. Ich bin mir sicher, dass Herr Mödder in Zukunft die Betreuung der Pjler weiter vorantreiben wird und man sehr viel bei ihm in der Abteilung lernen wird!
ZNA:
Hier war ich 2 Wochen und konnte viele Patienten auch eigenständig sehen, untersuchen und dokumentieren. Frau Kornemann hat mich dann spontan einen Tag auf dem NEF mitgenommen, was natürlich sehr cool war. Während meiner Zeit waren die beiden OÄ der ZNA leider krank bzw. im Urlaub, daher war häufig etwas mehr Chaos als sonst. In der Regel sind aber die Assistenten nach Möglichkeit bemüht und ich durfte auch eigene Patienten betreuen.