PJ-Tertial Innere in Werner-Forssmann-Klinikum (1/2025 bis 3/2025)

Station(en)
Notfallzentrum
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Berlin
Kommentar
Das PJ am GLG Werner Forßmann Klinikum ist formal sehr gut organisiert. Am ersten Tag wird man von den PJ-Verantwortlichen aus der Personalabteilung durch die Klinik geführt (Wäscheausgabe, Schlüsseldienst, EDV-Raum etc.). Man erhält direkt einen Zeiterfassungschip und diverse Unterlagen (eine Erläuterung zu einem Zeitmanagementsprogramm "OC:my Plan", einen Laufzettel und einen Bogen zur Dokumentation von Fehlzeiten). Auch eine Hygieneschulung gibt es direkt und der Arbeitsvertrag wird vor Ort unterschrieben. Und am zweiten Tag gibt es eine Schulung zur Einführung in das Krankenhaussystem Orbis. Durch die zentrale Organisation lernt man direkt alle PJler kennen, was die Kommunikation wirklich vereinfacht.
Nach dieser gemeinsamen Runde werden die PJler auf die Stationen verteilt, welche man sich 5 Wochen im Voraus per Email wünschen konnte. Für mich ging es die ersten zwei Monate in die Med. Klinik II (Klinik für Nephrologie, Endokrinologie und Rheumatologie), danach ging es für zwei Monate ins Notfallzentrum. Ich evaluiere beides getrennt.

An meinem ersten Tag im Notfallzentrum wurde ich von den Ärzten super herzlich empfangen. Durch meine ersten zwei Monate im Haus hatte ich den meisten Orga-Kram schon abgehakt, also ging es direkt zur Frühbesprechung um 7:45 mit Besprechung der Fälle aus dem Dienst und Röntgenpräsentation. Um 8:15 ist das interne Boarding mit allen Mitarbeitern der Notaufnahme, inkl. Sekretärinnen etc. Dabei werden wichtige Neuerungen oder andere Ankündigungen besprochen und wir "Neuen" wurden vorgestellt. Zudem gibt es immer ein Check-up, wie die Besetzung der Pflege und ärztlichem Personal ist und der Chefarzt sagt immer Bescheid, ob er den genazen Tag da ist oder wie er sonst erreichbar ist. Schon dieser erste Eindruck zeigt, wie gut die interpersonelle Kommunikation ist! Na klar gibt es stressige Zeiten, wenn sich Menschen kürzer fassen, aber es wird von vornherein gesagt, dass das nichts persönliches ist, sondern der Situation geschuldet, es ist schließlich die Notaufnahme, da ist das Arbeitspensum eben abhängig vom täglich variierenden Zulauf. Man wird ermutigt, niederschwellig zu kommunizieren, sollte einen etwas stören. Ich habe das nicht erlebt, finde aber sehr angenehm, wie das im Vorfeld kommuniziert wurde.
Nach dem Boarding hat der Chefarzt mir und einer MitPJ-lerin die Notaufnahme persönlich gezeigt, hat uns Ecare-Zugänge gegeben (das ist das Dokumentationssystem der Notaufnahme) und uns bei der Sekretärin abgegeben. Sie hatte uns schon erwartet und hat uns einen Schrank im Arztzimmer gegeben, unsere Transponder für die Umkleide freigeschalten und uns auch dort einen Spindschlüssel gegeben. Die meisten Ärzte ziehen sich im Arztzimmer oder im Patienten-WC nebenan um, es gibt aber auch eine Umkleide für alle Personen des ärztlichen Personals inkl. PJler(die ist allerdings 5 min durchs Haus).

Arbeit im Notfallzentrum:
Es gibt immer mehrere PJler, das Notfallzentrum ist so beliebt, dass es einen Frühdienst (7:30-16:00) und einen Spätdienst (12:30-21:00) gibt, jeweils mit max. 2 Studenten besetzt. Dadurch konnten mir die anderen Studenten am ersten Tag schon erzählen, wie alles so läuft und wie sie sich strukturieren. Man darf total eigenständig nach seinem Wissensstand arbeiten. So konnte ich mir Patienten völlig eigenständig raussuchen und anamnestizierun und untersuchen und dann einem ärztlichen Kollegen vorstellen, eventuell schon mit Verdachtsdiagnose und der nächsten Diagnostik, die ich gerne einleiten möchte oder therapeutsischen Maßnahnmen. Vom high acuity case (NSTEMI) bis zum lowest acuity case (Husten seit drei Wochen und keine Lust zum Hausarzt zu gehen) ist da alles dabei, man ist nie alleine und hat immer einen Ansprechpartner. Wenn man sich noch nichts zutraut, ist es auch möglich den Ärzten nur hinterher zu laufen und nur das eine oder andere selbst zu machen. Man ist überall gerne gesehen und nie im Weg, alle freuen sich, wenn man etwas lernen möchte, es ist also auch für eine Famulatur sehr zu empfehlen.
Man kann sehr eigenständig entscheiden, was man lernen möchte. Ich wollte beispielsweise unbedingt meine Sonographie Fähigkeiten verbessern und hab bestimmt >80 Patienten in den 2 Monaten geschallt. Wenn ich dann Fragen hatte, ist immer gerne jemand dazugekommen und hat nachgeschallt und meine Fragen beantwortet und wenn ich mir die Befundung zugetraut habe, hat man auch darauf vertraut und meine Arbeit wertgeschätzt.
Blutentnahmen und Flexülen sowie Blasenkatheter sind pflegerische Aufgabe in der Notaufnahme, sie freuen sich aber immer sehr, wenn man das selber machen möchte und sie zeigen einem auch gerne das Legen eines Blasenkatheters. Wer also immer "ich!" schreit, darf alles machen!
Ansonsten durfte ich wirklich eine ganze Menge zum ersten Mal machen oder den Skill festigen: arterielle Blutentnahmen, einen arteriellen Zugang legen, eine Pleurapunktion durchführen... DRUs gehören natürlich auch zum daily business... ein Mit-PJler hat auch einen ZVK legen dürfen, ihm hat es auch so gut gefallen, dass er im Sommer dort anfängt, ich könnte mir das auch sehr gut vorstellen.

Auch in den Schockraum darf man als PJler gerne gehen um zu lernen. Gemäß der Fähigkeiten kann man auch gern mitmachen, man muss das Gewusel im Schockraum auch einige Male erlebt haben, bevor man sich da sinnvoll einbringen kann. Wenn man dann gerne andere Abteilungen sehen möchte, ist hospitieren auch möglich. Ich habe beispielsweise einen Patienten vom Schockraum in den OP begleitet und durfte mich dann einwaschen und bei einer Hemikraniektomie assistieren. Das ist einfach eine einmalige Gelegenheit, sich im PJ wirklich alles anschauen zu dürfen, weil man noch nicht die Verantwortung hat, dass die Station ohne einen nicht laufen sollte und das Notfallzentrum machts möglich :)
Eine Hospitation in der Strahlentherapie war für eine Woche auch ganz niederschwellig möglich.

Eine sehr wertvolle Perspektive für PJler ist auch das Arbeitszeitmanagement. Der Oberarzt sagt gerne "Du bleibst so lange, wie es für deinen Wissenszuwachs förderlich ist", wenn man also nichts zu tun hat, die Notaufnahme leer ist, dann kann man auch gern früher gehen. Da sich Früh- und Spätdienst der PJler überlappen (12:30-16:00), sind zu der Zeit die Computer und damit Dokumentationsmöglichkeiten auch begrenzt, so ist es auch sinnvoller, früher zu gehen. Im Frühdienst war ich oft bis 15:30 da (wenns spannend war auch mal länger als 16:00, Mittwochs konnte ich manchmal schon nach der Fortbildung um 14:30 gehen), abends habe ich oft den Zug um 20:54 noch bekommen (der danach fährt erst um 21:54 wieder), da sind alle sehr kulant.

Ich habe die Zeit im Notfallzentrum wirklich sehr gemocht. Ich habe so viel gelernt! Es gab immer die Möglichkeit alles selber zu machen und man wurde durch alle im Team super angeleitet, im Vorfeld hatte ich gar nicht gedacht, dass ich so viele Fertigkeiten weiterentwickeln und neu lernen würde.
Sei es das Vorschallen und dass sich dann jemand die Zeit nimmt, nachzuschallen und dazu zu erklären oder arterielle Blutentnahmen zu machen, einen arteriellen Zugang legen, Aszites und Pleura punktieren und einiges mehr … Es ist einfach ein so gutes Gefühl, auf die letzten Monate zurückzuschauen und festzustellen, dass man wirklich einiges gelernt hat und es sich jetzt zutraut.
Selbstständiges Arbeiten wurde gern gesehen und die Arbeit wurde wertgeschätzt, das war sehr sinnstiftend und hat Spaß gemacht. Die niedrigen Hierarchien waren total angenehm und es ist einfach eine angenehme Arbeitsatmosphäre im Notfallzentrum.
Ein Chef beeinflusst natürlich auch immer sehr die Atmosphäre und der jetzige Chef ist einfach angenehm! Er schaut sich morgens um 7:00 immer schon Patienten an (ob er das macht weil er als Chef immer noch Patientenkontakt möchte oder damit sich nichts aufstaut während der Übergangszeit von Nachtdienst zur Frühschicht, weiß ich nicht, es ist auf jeden Fall super sympathisch und nahbar), er sorgt dafür dass alle ein gutes Team bilden und macht wöchentliche Simulationen in unterschiedlichen Konstellationen und er möchte richtig etwas verändern! Ob es Gelder für bessere Sonogeräte sind oder einfach eine Ausreichende Anzahl Patientenessen mittags und abends, nicht funktionierende Computer oder Diktiergeräte sind, er setzt sich für alle ein. Ihm sind auch moderne Abläufe nach den Studienlagen wichtig, so macht er interdisziplinäre Trainings für Komaalarm oder für das Lyseprotokoll um Schwachstellen zu identifizieren und Prozesse zu beschleunigen. Und zu guter letzt könnte ich mir sehr gut vorstellen dass er sogar trotz der hohen Fluktuation die Namen aller seiner PJler kennt (das habe ich bisher sonst nicht so erlebt :)

Fortbildungen:
- mittwochs 13:00-14:30 PJ-Fortbildung für alle PJler des Hauses verpflichtend
- etwa zweiwöchentlich ärztliche Fortbildungen zu verschiedenen Themen, Teilnahme erwünscht
- zusätzlich spontane Notfallsimulationen durch den Chefarzt organisiert etwa 1x/Woche, gemeinsam mit der Pflege, unterschiedliche Rea-Szenarien, danach ausführliche Besprechungen mit sehr gutem Feedback
- zusätzlich Fortbildungen durch den Chefarzt, zB zu Themen wie "der Schockraum" oder "Bewusstseinstrübungen" etc...

Zum Pendeln:
Es pendeln fast alle Ärzte aus Berlin. Die meisten nehmen einen Zug um 6:39 von S Gesundbrunnen, der ist um 7:07 in Eberswalde. Der ist auch sehr oft pünktlich (manchmal so 3 min Verspätung), ansonsten habe ich im Dezember über 2 Wochen einen Gleisbruch erlebt, das kommt aber wohl sehr selten vor. Der SEV war da super nervig, da konnte man schon gerne 1,5h statt 30 min unterwegs. Vom Bahnhof kann man ein Fahrrad nehmen (entweder das eigene oder ein GLG-Leihrad). Das GLG Bike sollte man frühzeitig organisieren (5 Wochen Wartezeit ist realistisch). Ich persönlich bin ohne ausgekommen, würde mir aber eins organisieren wenn ich es nochmal machen würde. Wenn man kein Fahrrad hat, kann man in 22 min laufen, morgens fährt um 7:17 auch ein Bus, der ist um 7:26 da, das war immer ganz entspannt.
Da alle pendeln, ist es auch kein Problem, wenn man mal zu spät kommt weil der Zug Verspätung haben sollte.

Essen:
Kosten ~3€, je nach Beilagen mehr, keine Vergünstigungen für Studenten



Zur Vereinfachung wird hier das generische Maskulinum verwendet, grundsätzlich werden alle Gender inkludiert.
Bewerbung
PJ-Portal
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Repetitorien
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Notaufnahme
EKGs
Untersuchungen anmelden
Eigene Patienten betreuen
Punktionen
Patienten aufnehmen
Braunülen legen
Patienten untersuchen
Chirurgische Wundversorgung
Briefe schreiben
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
680€

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.07