Also im Allgemeinen kann ich das PJ in Cartagena auf jeden Fall empfehlen. Es gibt nur ein paar Dinge, die ich hier gerne erwähnen würde, damit niemand überrascht wird.
Allgemeines:
Bewerbung wie unten beschrieben. Organisatorisch läuft alles sehr geregelt mit der medizinischen Fakultät (Luzmilla und Dr. Lozano) ab. Wir mussten 2 Wochen warten bis alles mal geregelt war (Hygiene vortrag, generelle Einführung, Kasack schneidern lassen, etc) und wir dann wirklich mit dem PJ anfangen konnten.
Auslandskoordinator/-verantwortlicher ist Dr. Osorio. Er hat uns tatsächlich nicht so wirklich das Gefühl gegeben erwünscht zu sein, aber auch die kolumbianischen Studierenden mochten ihn auch nicht gerne aufgrund seiner Art. Er will immer über alles genau Bescheid wissen und man sollte auch wirklich alles ganz klar mit ihm absprechen (Arbeitszeiten, genaue Rotationen, deutsche Feiertage wie zb Weihnachten etc) so lange man in seiner Rotation ist (also die 2 Monate Pflichtrotation ). Generell hatten wir das Gefühl, dass er sich die Welt ein bisschen so dreht wie es ihm beliebt. In früheren Erfahrungsberichten wurde auch von abgeleisteten Nachtschichten berichtet, wir durften zb aufgrund von "Versicherungsproblemen" gar nicht nachts arbeiten, aber wir sind uns nicht sicher ob das nicht vielleicht auch eine vorgeschobene Ausrede war. Also man sollte Dr. Osorio mit Vorsicht genießen. Und kleiner Tipp: falls ihr am Ende einen wohlgesonnenen Osorio braucht: schenkt einfach ein paar Süßigkeiten. An der Küste ist das ein normaler Brauch, sich Dinge zu schenken und die Leute durchleben plötzlich eine 180 Grad Wandlung! Wir haben das so erlebt und waren fast etwas geschockt wie wahr das wirklich ist.
Klinikalltag:
Wir Deutschen haben von 7 bis 15 Uhr gearbeitet, die colombianos von 7 bis 7. Die Pflichtrotation ist 1 Monat Notaufnahme und 1 Monat Rotation durch HNO, Uro und Ortho. Danach kann man auswählen was mal als Wahlfach machen will, das kann Thoraxchirurgie, Neurochirurgie, Anästhesie, Orthopädie, Urologie, HNO oder OP Notaufnahme sein. GYN geht nicht mehr, das ging in früheren Erfahrungsberichten noch.
Man kann immer früher gehen, niemand zwingt einen länger zu bleiben aber manchmal fühlt es sich schon komisch an, 4h früher als die kolumbianischen Studierenden zu bleiben. Die Aufgaben sind je nach Abteilung natürlich verschieden (Verbandswechsel, Gipsanlegen, Lumbalpunktion, Nähen) aber generell lässt sich sagen, dass es viel Schreibarbeit (Anamnese, Patientenverlauf, Entlassung, etc) ist, was mich auch schon zum wichtigsten Punkt überhaupt führt: Bringt einen eigenen Laptop mit! In dem Krankenhaus gibt es zwar ein paar Computer, die aber vor allem von der Pflege benutzt werden. Alle kolumbianischen Studierenden bringen ihren eigenen Laptop mit und ohne eigenes Endgerät ist es fast unmöglich sich vollständig in das Team zu integrieren und vollwertig mitzuarbeiten. Ansonsten sind wir auf Nachfrage (bei Dr. Osorio) auch in den Elektiv Allgemeinchirurgischen OP gegangen, wo wir offen empfangen wurden und recht viel machen durften nachdem man uns dann dort oben kannte (bohren, Schrauben, nähen, etc). Was ansonsten Lehre angeht kam es natürlich wie in jedem Krankenhaus auf dieser Welt darauf an, an welchem Arzt/welche Ärztin man gerät und wie groß die Motivation und die Zeit ist was zu erklären. Generell würde ich aber schon sagen, dass bei den meisten der Wille da war, zu erklären, entweder von sich aus oder auf Nachfrage.
Cartagena allgemein:
Es gibt die sicheren Stadtteile Manga und Pie de la popa (aber auch nur Teile von Pie de la popa sind sicher) und den wunderschönen historischen Stadtkern und den gentrifizierten Stadtteil Getsemani. Der Rest ist recht gefährlich.
Wir sind immer Bus, Indrive oder Mototaxi (nur über Uber! Kolumbianische Freunde von uns wurden auf Mototaxis die nicht auf Uber registriert waren überfallen) gefahren und haben uns damit wohl gefühlt. Tagsüber kann man auch in den erwähnten Stadtteilen ohne Probleme laufen. Cartagena ist ein guter Stadtort um Wochenendausflüge von dort zu unternehmen. Man kann direkt nach der Klinik um 15 Uhr zum Busterminal fahren und kann spontan (also ohne dass man für IRGENDWAS vorher buchen müsste) einen Bus in jegliche Richtungen nehmen.
Bewerbung
Ca 6-9 Monate vorher, es geht aber auch deutlich spontaner. Email an movilidadmedicina@unicartagena.edu.co