Allgemeines: Die PJ-Koordinatorin Frau Gabriel sorgt für eine reibungslose Organisation. Am ersten Tag erfolgt eine ausführliche Einführung und während des gesamten Tertials ist Frau Gabriel für PJ'ler jederzeit erreichbar. Es gibt kostenloses Mittagessen in der Mitarbeiter-Mensa und das Essen ist ganz in Ordnung. Das Klinikum ist ziemlich in die Jahre gekommen, wird derzeit aber schrittweise renoviert. Als PJ'ler läuft man sich immer mal wieder über den Weg oder trifft sich in der Mensa, sodass man guten Kontakt zueinander hat und sich regelmäßig über die gemachten Erfahrungen austauschen kann.
PJ-Unterricht: Der PJ Unterricht der Unfallchirurgie findet in der Regel montags statt und wird von Chefarzt Dr. Rübberdt oder einem seiner Oberärzte geleitet. Der Unterricht bei Dr. Rübberdt hat mir dabei immer besonders viel Spaß gemacht und war ausgesprochen lehrreich. Sein Unterricht ist sehr interaktiv und man muss jederzeit damit rechnen, vor der gesamten Gruppe Fragen zu beantworten und Entscheidungen zu treffen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es nicht schlimm ist, wenn man die Antwort nicht weiß. Es geht eher darum, in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren und strukturiert zu denken. Insbesondere das gemeinsame Besprechen vieler Röntgenbilder hat mich persönlich weitergebracht und mein Highlight waren die Gipskurse, bei denen der Spaß nicht zu kurz kommt.
Am Donnerstag von 14:00 - 16:00 Uhr findet ein weiterer PJ Unterricht statt, in dem alle Fachkliniken des Hauses immer mal wieder einzelne Themen präsentieren. Obwohl viele Themen interessant waren, fehlte mir in den Donnerstagsseminaren öfters die interaktive Komponente. Frontalunterricht mit einer PP Präsentation erinnerte mich eher an die Vorlesungen vergangener Semester und nachhaltig dazugelernt haben ich nur begrenzt. Zwischendurch gab aber auch immer mal wieder spannende Seminare, die mich positiv überrascht haben.
Grundsätzlich ist die Teilnahme am PJ-Unterricht Pflicht, falls man aber bspw. im OP eingebunden ist und nicht wegkommt, ist das kein Problem.
Unfallchirurgie: Der Tag in der Unfallchirurgie startet am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag um 7:00 Uhr mit der Chefarztvisite. Die ist nicht verpflichtend, man ist als PJ'ler aber gern gesehen und kann von Dr. Rübberdt viel lernen. Am Montag und Freitag und für diejenigen, die nicht zur Visite kommen, startet der Arbeitstag mit der täglichen Frühbesprechung um 7:30 Uhr. In der Frühbesprechung werden Röntgenbilder und der OP-Plan besprochen. Das gemeinsame Besprechen der Röntgenbilder und möglicher Therapien ist sehr lehrreich und man merkt seine eigenen Lernfortschritte. Im Rahmen der Frühbesprechung teilt einen der Chef in der Regel entweder einem OP-Saal oder der Notaufnahme zu. Dabei geht er gerne auf die individuellen Wünsche der PJ'ler ein und so ist es für ihn bspw. auch völlig okay, wenn man nicht gerne mit in den OP möchte, sondern lieber in der Notaufnahme mitarbeitet. Wer sich für alle Bereiche der Unfallchirurgie interessiert, kommt voll auf seine Kosten. Ich war im OP-Saal, der Notaufnahme, der Sprechstunde und regelmäßig auf Station und konnte somit ein vollumfängliches Bild der Unfallchirurgie gewinnen. Eine gesunde Portion Eigeninitiative schadet nie und mit der Zeit lernt man einzuschätzen, wo es als PJ'ler gerade am spannendsten ist und wo man gebraucht wird. Im OP wird man von Anfang an integriert. Der Chef operiert komplexe Fälle und mit ihm in einem Saal wird es nicht langweilig. Auch wenn die Stimmung in kritischen Situationen mal ziemlich angespannt sein kann, entspannt sie sich in der Regel wieder. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, die Ansagen der Operateure nicht persönlich zu nehmen. Auch die Oberärzte operieren komplexe und spannende Fälle und haben die PJ'ler jederzeit gerne mit am Tisch. Mit der Zeit durfte man zudem immer mehr Handgriffe selbst übernehmen (Hautschnitte, Jet Lavage, Metallentfernungen, Nähen, etc.).
In der Notaufnahme begegnet man allen möglichen Arten von Patienten und Verletzungen, sodass der Lerneffekt als junger Mediziner hier enorm ist. Man darf die Patienten eigenständig untersuchen und erlebt das Procedere von der Anamnese über die Bildgebung bis hin zur Festlegung des Therapieverfahrens hautnah mit. Darüber hinaus darf man Platzwunden eigenständig nähen und kann mit der Zeit immer mehr Verantwortung übernehmen. Zum Ende des Tertials habe ich Patienten unter ärztlicher Supervision eigenständig betreut und therapiert. Dabei konnte ich viel lernen und es hat großen Spaß gemacht. Neben der alltäglichen Arbeit, erlebt man in der Regel auch ab und zu einen spannenden Schockraumalarm (bspw. Schussverletzungen, Suizidversuche) mit und kann als PJ'ler gerne mit dabei sein und bei der Versorgung mithelfen. In der Notaufnahme habe ich insbesondere mit den Ärzten Becker und Geppert zusammengearbeitet. Sie haben mir meine Fragen jederzeit gerne beantwortet und mir auch darüber hinaus viel erklärt und mir Verantwortung übertragen, sodass ich aus der Zusammenarbeit sehr viel mitnehmen konnte.
Der Arbeitstag endet nach der um 15:30 Uhr beginnenden Nachmittagsbesprechung, sodass meist um 16:00 Uhr Feierabend ist.
Freiwillig habe ich zudem mehrere Spät- und Nachtdienste mitgemacht. Auch im Nachtdienst wurde man durch die Ärzte, wie Herrn Filges, voll integriert und konnte spannende Einblicke in die Abläufe der Dienste gewinnen. Ziemlich speziell und zugleich total interessant war das Training, wie sich die Abläufe im Klinikum im Falle eines Terroranschlags verändern würden.
Insgesamt hat mich meine Zeit in der Unfallchirurgie positiv überrascht. Der Chefarzt Dr. Rübberdt setzt sich sehr für sein Team, die PJ'ler und eine funktionierende Lehre ein. Seine Sekretärin Fr. Kobel hat zudem jederzeit ein offenes Ohr für PJ'ler und ist interessiert an ihnen. ALLE Oberärzte, Fachärzte und Assistenzärzte in der Unfallchirurgie waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen, nett und motiviert. Das weiß ich zu schätzen, auch wenn ich hier nicht alle namentlich erwähnen kann.
Viszeralchirurgie: Der Tag in der Viszeralchirurgie startet mit der täglichen Frühbesprechung um 7:30 Uhr. Die ist meist nur kurz und im Anschluss geht es erst einmal auf Station. Als PJ'ler ist man entweder zum Hakenhalten im OP eingeteilt oder macht gemeinsam mit den Assistenzärzten Visite und Stationsarbeit. Das gesamte Team ist total herzlich und nett. Im OP herrscht ein ruhiger Ton und alle Operateure sind Fragen gegenüber aufgeschlossen und erklären gerne. Die Operationen sind ziemlich vielseitig, wobei man als PJ'ler insbesondere beim Hakenhalten bei Schilddrüsen und Hernien gefragt ist, aber auch immer mal wieder nähen oder ein laparoskopisches Instrument halten darf. Grundsätzlich kann man bei jeder OP gerne mit in den Saal gehen. Die Visite ist ausführlich und man lernt viele verschiedene Krankheitsbilder kennen. Die Zusammenarbeit mit den Assistenten und Oberärzten macht Spaß. Allerdings waren wir auf Station zeitweise 2 PJ'ler, 2 Blockpraktikanten, 1 Hospitant und 1 Famulant, sodass man die zur Verfügung stehenden Aufgaben recht schnell abgearbeitet hat und sich teilweise gegenseitig auf den Füßen stand und irgendwann etwas langweilte. Eine dauerhafte viszeralchirurgische Besetzung der Notaufnahme gibt es nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass den PJ'lern etwas mehr Verantwortung übertragen worden wäre. Der Chef Prof. Binnebösel ist ruhig, nett und im OP erklärt er gerne. Ansonsten hat er eher weniger Kontakt zu den PJ'lern.
Der Arbeitstag endet mit einer Nachmittagsbesprechung, die täglich zu einer anderen Uhrzeit stattfindet.
Gynäkologie: Im Rahmen meines chirurgischen Tertials durfte ich für 3 Tage in der Gynäkologie des Klinikums hospitieren. Aufgrund des kurzen Zeitraums kann ich keinen ausführlichen Erfahrungsbericht schreiben. Die Tage in der Gynäkologie haben mir aber super gut gefallen und ich habe spannende Einblicke gewinnen können. Insbesondere finde ich es toll, dass mir diese Hospitation so problemlos ermöglicht wurde.