Ich habe mein PJ auf der KJP1 (Akutstation) und KJP2 (Kinderstation, 6-12 Jahre) gemacht.
Der Tag beginnt morgens um 8 und endet gegen 16-17 Uhr. Sollte man mal einen Termin haben, kann man das aber gut mit dem Team absprechen, dass man später kommt oder früher gehen muss. Fehl-/Krankheitstage konnten in Absprache mit der PJ-beauftragten Ärztin am Wochenende nachgeholt werden. In Marburg bekommt man 400 Euro Aufwandsentschädigung und pro Arbeitstag 4,20 Euro auf die Mensakarte geladen (insgesamt knapp über 300 Euro pro Tertial). Die KJP befindet sich aber am Ortenberg und somit ist keine Mensa in direkter Nähe zur Klinik.
Morgens beginnt man mit dem Lesen der aktuellen Pflegeberichte, Anordnungen, Durchführung von BE´s etc. Im Anschluss daran ist mehrmals wöchentlich je nach Station an unterschiedlichen Wochentagen die Visite, bei der man durch die Patient*innenzimmer geht und im Anschluss eine multiprofessionelle Besprechung hat. Im weiteren Verlauf des Tages gibt es dann Einzeltherapiegespräche, Elterngespräche, Gespräche mit dem Jugendamt, Schulbesprechungen, Aufnahmen, Gruppentherapien und vieles weiteres. Bei allem konnte man, im Einverständnis der Kinder und Eltern, dabei sein. Ich konnte sowohl bei den Ärzt*innen als auch bei den Psycholog*innen mitlaufen. Es besteht auch die Möglichkeit in die anderen Bereiche zu schauen (Ergo, Bewegungs- oder Ernährungstherapie, PED...). Außerdem konnte man auf den Visiten anderer Stationen mitlaufen oder mal einen Tag auf anderen Stationen verbringen und dadurch ein umfassenderes Bild über die Arbeit und die Störungsbilder bekommen.
Generell kann man als PJler in der KJP etwas weniger selbstständig arbeiten, als in manchen anderen Fachbereichen. Aber ob man viel selber machen kann hängt auch von den eigenen Wünschen ab und davon wie viel man sich zutraut zu machen. Das heißt, wenn man nur zuschauen und einen Einblick bekommen möchte, ist das möglich. Wenn man aber Eigeninitiative zeigt, kann man auch viel selber machen. So konnte ich in Begleitung Einzelgespräche, Aufnahmen, Gruppentherapie, Visiten, Pat.-Vorstellungen in der Chefin-Visite und Schulbesprechungen machen. Das war wirklich eine super Erfahrung und das anschließende Feedback hat mir sehr geholfen. Auch konnte ich verschiedene Dinge dokumentieren und z.B. Aufnahmeberichte mit den entsprechenden Therapeuten nachbesprechen und Korrekturlesen. Das Team hat sich generell super viel Zeit genommen, um Fragen zu beantworten oder Sachen nachzubesprechen. Der Umgang miteinander war immer freundlich und wertschätzend, sowohl von therapeutischer Seite, als auch vom Pflege und Erziehungs-Team. Alle haben sich sehr bemüht und sind einem auf Augenhöhe begegnet. Auf den beiden Stationen wo ich war, wurde auch zusammen Mittag gegessen oder mal ein Kaffee zusammen getrunken. Das hat für ein sehr schönes Arbeitsklima gesorgt.
Die Lehre war auch sehr gut. Montags war immer die Facharztweiterbildung bei der man dabei sein konnte. Im Semester wird gewünscht, dass man die VL besucht, in der VL-freien Zeit gibt es einen Journal Club. Außerdem gab es einzelne KJP-Nachmittage zu verschiedenen Themen, Supervisionen und Fallkonzeptbesprechungen. Die PJ-Unterrichte waren extrem hilfreich in Vorbereitung auf das Examen und konnten individuell mit den dozierenden Personen vereinbart werden. Außerdem gab es 2 Termine zum Repetitorium, an welchen man M3-Simulationen anhand von mitgebrachten Fällen hatte. Zudem gab es 2 MiniStex "Prüfungen", bei denen eine körperliche Untersuchung, ein psychopathologischer Befund und eine Fallbesprechung durchgeführt wurden. Man hat auch eine PJ-beauftragte Person, die jederzeit ansprechbar ist falls man Hilfe braucht oder etwas nicht so gut läuft.
Insgesamt kann ich das PJ in der KJP in Marburg sehr empfehlen und jedem nur anraten sich einzubringen und Eigeninitiative zu zeigen, um viele praktische Sachen üben zu können. Vor allem das tolle Team hat meine Zeit dort sehr bereichert und ich fühle mich gut vorbereitet auf den zukünftigen Beruf.