Das Fazit vorneweg: Ich kann wirklich jedem, der Lust auf Anästhesie hat, die BGU nur empfehlen! Hier wird Lehre so umgesetzt, wie man sie sich im PJ wünscht (und leider selten erhält).
Aber von vorne:
Die Organisation in der BGU ist wirklich spitze. Man kommt am ersten Tag an und klärt mit Frau Dähne erstmal alles Organisatorische, wie PJ-Vertrag, Schlüssel, Spind, sowie Parkplatzsituation (diese ist leider an der Klinik selbst sehr schlecht , aber es gibt einen Parkplatz im Marbachweg, von dort sind es 5-10min zu Fuß zur Klinik. Ansonsten bei Frau Dähne nochmal nachhaken, sie hilft da gerne). Anschließend bekommt man die Wäschestation gezeigt und wird direkt eingekleidet, sodass man auch direkt starten kann.
Wenn das erledigt ist, wird man zum Lehrbeauftragten der Klinik (f. Anästhesie), Herr Dr. Cornelius, gebracht und kann mit ihm nochmal kurz sprechen. Hier gehts vor allem um die Einteilung auf die Intensivstation und den generellen Ablauf des Tertials. Man bekommt hier auch einen festen Mentor zugeteilt bzw. genannt, der für einen ein bisschen mitverantwortlich ist und als erster Ansprechpartner v.a. im OP dienen soll.
Die Hauptaufgabengebiet liegt natürlich im OP, sodass man den Großteil des Tertials auch dort verbringen wird. Allerdings sind 4 Wochen ITS Pflicht, die man bei Interesse und generellen Praktikantenaufkommen aber auch verlängern kann. Im gesamten Haus sind wirklich alle Leute sehr nett und an Lehre interessiert oder zumindest bemüht, einem etwas beizubringen. Dementsprechend steil ist auch die Lernkurve. Ich durfte hier fast alle anästhesiologischen Verfahren machen, die ich wollte. Dementsprechend konnte ich viel Beutel-Masken-Ventilation, Intubationen, PVK-Anlage und teilweise Arterien-Anlage üben. Auch konnte ich hier und da mal eine Regionalanästhesie durchführen (ein häufiges Verfahren in dem Haus), allerdings nicht so häufig, wie den Rest.
Man kann natürlich "Einleitungs-Hopping" machen, um so möglichst viel Übung in bestimmten Maßnahmen zu bekommen, ich bin aber an den meisten Tagen bei "meinen" Ärzten geblieben und konnte so dann auch nochmal viel über Narkoseführung, Beatmung und Zwischenfallmanagment lernen. Nur bei längeren OPs habe ich die Säle ab und an mal gewechselt.
Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, Dienste mitzumachen, dazu kann man sich einfach mit einem der Ärzte absprechen. Man kommt dann so gegen 12 Uhr und bleibt natürlich länger als das Tagesgeschäft, wobei ich nicht länger als 22 Uhr geblieben bin bzw. dann heimgeschickt wurde. Dafür darf man am nächsten Tag dann zuhause bleiben. Auch kann man mal einen Tag NEF mitfahren. Dazu muss man sich in eine Liste in der Wache eintragen. Die diensthabende Besatzung erklärt einem dann meist, wann man wo zu sein hat etc.
Meine Zeit auf der Intensivstation war auf jeden Fall auch sehr lehrreich. Einziges Manko sind die Dienstzeiten, da der Frühdienst von 06:25 Uhr bis mind. 15 Uhr (aufgrund Visite) geht. Wenn man Dienstags dann noch PJ-Unterricht hatte, waren die Tage wirklich sehr lang.
Grundsätzlich wird man auf Intensiv direkt mit in die Arbeit eingebunden. Man kann hier Patienten untersuchen, Untersuchungen anmelden und Therapien anordnen (natürlich alles in Rücksprache). Es ist zudem gewünscht, dass man auch eigene Patienten betreut, d.h. man stellt diese dann auch bei Visite vor und schreibt den Arztbrief. Dies wird auch ggü. der Pflege (die alle ausnahmslos nett sind!) via Whiteboard kommuniziert, sodass man bei Belangen "seines" Patienten auch der direkte Ansprechpartner ist.
Die Zeit auf Intensiv war für mich mit einer längeren Anreise dann doch eher anstrengend, aber ich habe hier unglaublich viel gelernt, da auch hier wieder , wie im OP, alle daran interessiert sind, einem etwas beizubringen.
Zum Thema PJ-Unterricht: dieser ist in meinem Tertial kein einziges Mal ausgefallen, er wurde nur 1-2x in der entsprechenden Woche verschoben. Der Unterricht selbst wird nur für die Anästhesie-PJler gehalten und findet laut Herrn Cornelius auch mit nur einem PJler statt. Da in meinem Tertial aber auch genügend Famulanten da waren, war ich eigentlich nie alleine im Unterricht. Thematisch wird trotz des eingeschränkten OP-Spektrums des Hauses (vorwiegend UC/Ortho, Wirbelsäule, Plastische Chirurgie) die volle Bandbreite der Anästhesie abgedeckt. Was ich auch sehr gut fand, war die M3-Prüfungssimulation, da einem gezeigt wurde, was man weiß (oder vielmehr, was nicht...), und einem mal ein Gefühl für den Prüfungsablauf vermittelt wurde.
Insgesamt war es mein lehrreichstes Tertial, da sich hier von allen Seiten wirklich Mühe gegeben wurde, dass man in seiner Zeit dort, etwas beigebracht bekommt. Auch ist das generelle Arbeitsklima wirklich hervorragend, (fast) alle sind nett zu einem und man wird wirklich als Teammitglied betrachtet und nicht als Störfaktor, wie in manch anderen Kliniken bzw. Abteilungen. Wertschätzung gibt es also doch noch für PJler.