Im Chirurgie Tertial am UKGM Marburg absolviert man 8 Wochen in der UCH und 8 Wochen in der VTG. Dies ist eine Bewertung für meine 8 Wochen im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie, VTG folgt getrennt.
Tagesablauf:
06:50 Treffen auf Station
07:00 bis 07:30 Visite
07:30 bis ca. 08:30 Morgenbesprechung mit Bericht aus dem Dienst und Besprechung der Röntgenbilder vom letzten Tag
ab 08:00 OPs (eingeteilte Ärzte und PJler verlassen Frühbesprechung)
Vormittags:
A) Stationsarbeit: Blutabnahmen, Zugänge, Verbandswechsel, Drainagen wechseln/ziehen
B) Assistenz im OP: PJler teilen sich Freitags immer für die nächste Woche in die OPs ein. Wenn ihr wenige seid, müsst ihr in den OP-Pausen Stationsarbeit machen.
C) In die Sprechstunden mitgehen
Nachmittags:
auf Station meist nur noch wenige Aufgaben, OPs laufen weiter
14:30 Nachmittagsbesprechung mit Indikationsbesprechung für die OPs am nächsten Tag plus Röntgenbesprechung
Insgesamt 8 Dienste im Chirurgie-Tertial. 6x unter der Woche von 15:30 bis 24 Uhr, 2x am Wochenende von 09:00 bis 24:00. Vergütung 50€ pro Dienst und freie Tage (1 für Unter der Woche, 2 für Wochenende) zum Ausgleich.
Ein PJler ist dem Chef zugeordnet und muss die ganze Zeit bei ihm mitlaufen (Privatvisite, Chef-OP, Sprechstunde). Das kann wohl sehr lehrreich sein, aber auch anstrengend, wenn einem das Fach nicht liegt.
Pro:
- PJ-Unterricht 1x die Woche war meistens gut.
- Die Stimmung im Team war sehr angenehm, und besonders von den Assistent:innen habe ich mich immer wertgeschätzt gefühlt.
- Da es mein erstes Tertial war, haben mich die vielen Blutentnahmen nicht gestört. Auch war es gut, Routine in den Verbandswechseln zu bekommen.
- Das Arbeiten auf Station hat mir durch das nette Pflege-Team meist Spaß gemacht und war es auch selten stressig (dank guter Teamarbeit der PJs und Famulanten). Meist war Zeit um mit Patienten zu quatschen und ganz in Ruhe seine Stations-Aufgaben zu erledigen.
- Eine Mittagspause und ein pünktlicher Feierabend waren fast immer möglich.
- 2 Wochen Rotation in die Notaufnahme war spannend und lehrreich.
- Dienste in der Notaufnahme waren spannend und hier waren weniger andere Studierende da, sodass sich einige Assistent:innen viel zeit zum Erklären und Anleiten genommen haben. Hier konnte man das Anamnese, Untersuchen, Diagnostikentscheidungen, Therapieplanung und Arztbriefe-Schreiben sehr gut üben.
- Meist nette Stimmung im OP, wurde nur einmal angefahren. Viele Oberärzte haben gerne auf Fragen geantwortet oder auch mal selber was erklärt.
Contra:
- Es fand leider kaum eine Einarbeitung in die Wundkontrolle, Verbandswechsel und Stationsarbeit statt, lediglich durch eine andere PJlerin. In der Notaufnahme wurde ich von einer Famulantin herumgeführt und in das BGA-Gerät eingewiesen.
- Keine Lehre auf Station: bei der gehetzten Visite war kein Raum für Fragen und danach traf man auf Station nur gestresste Assistent:innen zwischen ihren OPs, die ich nicht noch weiter belasten wollte.
- Das PJ-Logbuch wollte nie jemand sehen, und mein Mentor hatte weder mich noch meine Lernziele und Fortschritte im Blick.
- In den Sprechstunden war ich wenig, ich wusste erst nicht wann welche ist, dann war vormittags kaum Zeit. Ich bin selber ein bisschen schüchtern und ich habe mich die paar Male, die ich unten war, nicht willkommen gefühlt; alle wirkten zu gestresst. Wer hier sehr Proaktiv ist, kann bestimmt mehr mitnehmen.
- Assistieren im OP: Ortho-typisch viel unbequemes Hakenhalten und stumm dastehen mit Röntgenschürze (ist halt so). Ich durfte nur einmal nähen (dies wurde abgebrochen, da ich zu langsam war) und zweimal Knoten machen. Beides wollte ich eigentlich unbedingt üben.
- In meinen zwei Wochen Notaufnahme waren zudem viel zu viele Studierenden da (3 PJler und 2-4 Famulanten), sodass ich wenig Betreuung hatte.
- Das Mini-CEX war eine fünfminütige Pro-forma-Veranstaltung ohne brauchbares Feedback.
- Keine selbständige Betreuung von Patient:innen auf Station. Oft hatte ich wegen der kurzen Visite und Abwesenheit der Ärzt:innen leider nicht mal die Diagnosen der Patienten im Blick und wenig Verständnis für das geplante Vorgehen. Hier ist 100% Eigeninitiative gefragt, sich in der freien Zeit in die Patienten einzulesen.
Auch wenn ich mich im Team wohl gefühlt habe und Spaß an der Stationsarbeit hatte, bin ich von den 8 Wochen in der UCH eher enttäuscht. Insgesamt habe ich keines der Krankheitsbilder im PJ-Logbuch wirklich umfassend lernen können. Auch das konnte ich wenig strukturierte Untersuchung von Gelenken unter Anleitung zu üben und habe darin kaum Sicherheit zu gewonnen. Die Probleme lagen meiner Meinung nach sowohl an der hohen Zahl von Studierenden in der Notaufnahme, als auch am Fehlen von Zeit/ Interesse der Oberärzt:innen in den Sprechstunden sowie an der kompletten Abwesenheit von Ärzt:innen auf Station.
Ich kann das Tertial also empfehlen, wenn ihr einfach entspannt unter dem Radar fliegen wollt. Dafür müssen aber genügend PJler:innen da sein, wenn ihr weniger als 5 in der UCH seid, also weniger als 10 im Chirurgie-Tertial am UKGM insgesamt, wird es bestimmt schnell richtig stressig. Nicht empfehlen kann ich es, wenn ihr gute Betreuung und Lehre wollt. und Lehre wollt und nicht extrem extrovertiert seid.