Wer in seinem Innere Tertial Blut abnehmen und Zugänge legen lernen möchte, ist hier gut aufgehoben. Allen anderen kann ich leider nur davon abraten.
Die einzig gute Station war tatsächlich die Notaufnahme. Hier ist man Teil des ärztlichen Teams, darf Patienten selbsständig übernehmen, anamnestizieren, untersuchen und anschließend mit einem ärztlichen Kollegen besprechen. Die Ärzt:innen der Notaufnahme haben zum großen Teil auch Lust Dinge zu erklären und zeigen einem spannende Dinge.
Auf Station ist das leider komplett anders. Man wird ausschließlich als Blutentnahmedienst angesehen. Oft sind es täglich über 20 Blutentnahmen/Zugänge die man auf verschiedenen Stationen machen muss. Zum Zeitpunkt als ich dort war, gab es keine Aufteilung der Fachrichtungen nach Stationen. Auf allen Stationen lagen also alle Fachbereiche, so dass man nie wirklich nur auf einer Station war sondern immer im ganzen Haus herumgeschickt wurde. Das frisst natürlich zusätzlich Zeit, so dass die BEs dann auch nicht selten den gesamten Vormittag oder teils den ganzen Tag einnahmen. Danach geht man entweder nach Hause oder man soll noch Arztbriefe schreiben von Patienten die man natürlich dann nicht kennt. Vereinzelt gibt es Ärzt:innen die einen auch auf Visite mitnehmen, meist hat man dann aber keine Zeit sich auf diese vorzubereiten, so dass man dann auch aus dieser oft wenig mitnehmen kann.
PJ-Unterricht findet theoretisch 4x/Woche statt, immer wieder fällt er aus, wenn er aber stattfindet ist er meistens gut.
Insgesamt hat das Haus viele strukturelle Probleme. Es gibt keine einheitlichen Blutentnahmewägen oder Blutentnahmetabletts. Materiel ist auf allen Stationen anders sortiert und fehlt sehr häufig, so dass man extrem viel Zeit damit verbringt sich Material von anderen Stationen zusammen zu suchen. Keine internistische Fachrichtung hat seine eigene Station, man ist immer im gesamten Haus unterwegs. Hygiene ist unterirdisch, es gibt in Patientenzimmern keine Handschuhe. Es gibt vor Patientenzimmern keine Desinfektionsspender. Vor Infektionszimmern gibt es oft keine Mülleimer, so dass man seinen gebrauchten Schutzkittel über die halbe Station tragen muss usw… Ich könnte ewig so weiter machen. Insgesamt verwundert es nicht, dass das Haus insolvent ist.