Ich kam mit großen Erwartungen nach Konstanz, weil das Krankenhaus in den bisherigen Berichten immer gut abgeschnitten hatte. Leider muss ich sagen, dass meine Erwartungen ziemlich enttäuscht wurden. Meine Hauptaufgabe war während der ganzen Zeit das Blut abnehmen, gerne auch 15-20 /Tag, weshalb man oft die Visite verpasste und die Betreuung eigener Patienten sehr erschwert wurde.
Ich war zunächst 4 Wochen in der ZNA eingeteilt, danach noch auf Station und eine Woche auf Intensiv.
ZNA: relativ entspannte Atmosphäre, allerdings waren wir zeitweise 6 PJ-ler/Famulanten für 2 Ärzte, weshalb eher wenig zu tun war. Insgesamt konnte man hier gut eigene Patienten untersuchen und aufnehmen, wenn Zeit war, konnte man auch Sono üben oder in die diversen Diagnostiken mitgehen.
Intensiv: die coolste Woche. Man musste wenn überhaupt nur sehr wenig Blut abnehmen und konnte bei der Visite mitgehen. Die Assistenten haben sich viel Zeit genommen und gerne erklärt. LP und ZVK durft ich sogar selbst machen.
Station: größtes Manko bei diesem Tertial. Es gibt im ganzen Krankenhaus im Prinzip nur zwei Phlebotomistinnen, die nur auf zwei Stationen Blut abnehmen können. Für die anderen Stationen war man als PJ-ler zuständig. Wegen der Blutabnahmen hat man meistens die Visite verpasst und konnte auch eigene Patienten nicht vorstellen. Die Assistenten waren extrem überlastet, weshalb hier die Lehre komplett untergeordnet war. Die meiste Zeit war man mit Konsilen oder Anmeldung von Diagnostik beschäftigt. Man hat ziemlich stark gemerkt, dass man in erster Linie nicht zur Ausbildung da ist, sondern um Personalengpässe auszugleichen.
Insgesamt war das Tertial bis auf ZNA und Intensiv ziemlich miserabel und hat mir den Wunsch, in die Innere zu gehen, nachhaltig ausgetrieben.
Großes Pro: Konstanz ist eine mega schöne Stadt und der See bietet fantastische Freizeitmöglichkeiten. Allerdings sind die Mieten ziemlich teuer und das Gehalt von 350 Euro reicht dafür leider meist nicht aus.
Als PJ-ler kriegt man pro Monat 100 Euro Essensgeld als Gutschrift. Das ist mehr als genug für das tägliche Mittagessen und den einen oder anderen Cafe.