PJ-Tertial Chirurgie in Kantonsspital Luzern (11/2023 bis 3/2024)

Station(en)
Notfall, Viszeralchirurgie, Gefässchirurgie
Einsatzbereiche
OP, Notaufnahme
Heimatuni
Freiburg
Kommentar
Ich hatte mich für mein Chirurgie-Tertial in Luzern entschieden, weil ich viel Gutes gehört hatte und primär chirurgisch interessiert war.
Vorab ich hatte eine echt gute Zeit dort und habe wirklich viel gelernt, allerdings bei hoher Arbeitsbelastung und hohen Anforderungen (Nachtdienst/Rufbereitschaft/Wochenenddienst/60h-Woche und eher Überstunden als Frühergehen). Auch in der Schweiz (z.B. Inselspital Bern) kann man ein deutlich entspannteres Chirurgie-Tertial haben, die Lernkurve am LUKS war aber wirklich sehr steil. Die Stimmung ist generell sehr gut, höflich, freundlich, alle duzen sich, man darf immer fragen, manchmal eher wenig aktives Teaching und mehr learning-by-doing.
kurz und knapp:
Pro:
- eigene Patient:innen
- gute Stimmung im Team
- eigenständiges Arbeiten
- Gehalt
- Lebensqualität in Luzern
Contra:
- extrem hohe Arbeitsbelastun
- hohe Ansprüche
- wenig Freizeit

Ich war im Winter in Luzern und konnte vorab bei der Sekretärin Wünsche für Rotationen angeben, daher habe ich für 2 Monate auf dem Notfall gearbeitet, hier hat man einen fixen Schichtdienst mit Früh-/Mittel-/Spät-und einer Nachtdienstwoche, was die Freizeitgestaltung relativ schwierig machte. Am ersten Tag war ich auch recht überfordert, da man von Anfang an direkt alleine zum Patienten geht, Anamnese und körperliche Untersuchung macht und auch weitere Diagnostik anmeldet. Man macht sich ein Bild vom Patienten und bespricht den dann mit dem/der zuständigen Assistenzärztin/Arzt. Je nach dem schaut man sich den Patienten dann nochmals gemeinsam an und bei Unklarheiten zieht man den Oberarzt/die Oberärztin hinzu. Für diese Patienten schreibt man entsprechend auch den Arztbrief und betreut ihn weiter. Auch im Schockraum hat man feste Aufgaben: man dokumentiert, ordnet an und ist immer der organisatorische Ansprechpartner für das Team. Je nach dem mit wem man zusammenarbeitet, übernimmt man wirklich viel Verantwortung und sieht Patienten zum Teil (fast) ganz alleine und organisisert Konsile und weitere Abklärungen, besonders im Nachtdienst (Nachtzuschlag mit knapp 1000 CHF für die 7 Dienste und anschliessend eine Woche frei), das hat mir echt mega gut gefallen und ich hab extrem viel gelernt. Zu Beginn fand ich es aber auch echt viel kaltes Wasser und man muss erst mal schwimmen lernen.
Auf der Viszi waren wir leider recht viele UA, deswegen gabs hier weniger zu tun, man kann aber immer im OP zuschauen und bei Visite mitgehen und eigenständig Visiteneinträge und Arztbriefe schreiben, handwerklich macht man aber recht wenig. Im Op war es immer ein toller, freundlicher Umgangston, stellt euch einfach bei allen vor und dann läuft das, allerdings waren es zum Teil echt lange Ops bis zu 8h ohne Pause, ich empfehle Stützstümpfe und einen "Notfallsnack".
Erstaunlich gut hat mir die Rotation in die Gefässchrirugie gefallen, die ist oft nicht so beliebt, da der Ton in der Abteilung sehr rau ist. Mit den Assistent:innen war es aber immer nett und die haben echt viel erklärt, auf jeden Fall ein Fach, dass im Studium oft zu kurz kommt. Allerdings gabs auch hier echt lange OPs, ich war als einzige UHU dort und daher wirklich viel gefordert, der längste Tag waren 17h pausenlos am Tisch, sicher eine Ausnahme.
1-2 mal pro Woche und ca. 1 mal im Monat hat man Pickettdienst, man muss innerhalb von 30 min nach Anruf umgezogen im OP stehen, daher hat man auch weniger Freizeit. Ich wurde tatsächlich fast immer gerufen, auch nachts um 3, das ist lästig und nervig, vor allem wenn man am nächsten Tag regulär arbeiten muss, aber so wird man auf die Berufsrealität vorbereitet. Ausserdem hat man pro Monat ca. 1 Wochenende mit Präsenzarbeit auf dem Notfall oder in der Viszi, das sind 12h Schichten, echt anstrengend aber lehrreich. Leider muss man auch Zeitstempeln, weswegen früher gehen meist schwierig ist, da man nicht zu viele Minusstunden haben darf (wird angeblich vom Gehalt abgezogen).
Wie schon gesagt, ist man mit der Arbeit sehr eingespannt, Dienstbeginn 6.45 und meist so bis 18 Uhr, danach wars im Winter schon dunkel, mit Einkaufen und bisschen Sport und mal Kochen mit den anderen Uhus im Wohnheim war mein Tag dann meist schon gelaufen. Die verschiedenen Kantinen waren wirklcih alle sehr gut, allerdings mit ca 10 chf pro Malzeit recht teuer, zum Asiaten sollte man auf jeden fall mal als Gönnung gehen, der ist noch teurer aber lohnt sich wirklich. Aber die Wochenenden hab ich ausführlichst zum Wandern und Skifahren genutzt, die Zentralschweiz ist wirklich eine tolle Gegend mit wunderschöner Natur, der Vierwaldstädtersee, der Pilatus, die Rigi und diverse Skigebiete bieten viel Abwechslung, auch das Fondue sollte man mal probiert haben und die Weihnachtsmärkte waren auch sehr schön. Finanziell kommt man wohl grob bei 0 raus, wenn man sich nicht allzuviel gönnt, Skifahren und essengehen und Zugfahrten (Schnupperhalbtax lohnt sich meist recht bald) sind einfach teuer, aber man ist ja nur einmal jung. Ausserdem fand ich die Bootsfahrten auf dem See toll, am Geburtstag bekommt man sogar ein kostenfreies 1.Klasse-Ticket. Feiertechnisch hat Luzern nicht so viel zu bieten, einige Bars aber sonst fährt man auch nur eine Stunde bis Zürich oder Basel, das ist ja das Tolle an der Schweiz.
Das Wohnheim war super (klein aber sauber mit eigener Toilette), gemeinschaftsbad und Küche (leider ohne Ofen) und tollster Dachterrasse mit Alpenpanorama.
Alles in allem hatte ich eine super Zeit und wahnsinnig nette Kolleg:innen, aber sicher auch echt ein stressiges Tertial mit wenig Freizeit, das muss man schon wollen.
kleiner Tipp: man hat vertragliche Urlaubstage, die nicht in die deutsche Tertialbescheinigung einfliessen. Daher sollte man, falls man deutsche Urlaubstage nehmen möchte, seinen Vertrag am LUKS um entsprechende Tage am Ende kürzen, mittendrin kann man keine deutschen Urlaubstage nehmen sondern nur die vertraglichen einsetzen, bei dringenden Terminen am Besten vorab per Mail klären, Diensttausch untereinander ist nicht so gern gesehen.
Bewerbung
2,5 Jahre im Voraus über das Sekretariat, geht sicher mit Glück auch spontaner
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Bildgebung
Tätigkeiten
Notaufnahme
Chirurgische Wundversorgung
Patienten untersuchen
Mitoperieren
Briefe schreiben
Röntgenbesprechung
Untersuchungen anmelden
Eigene Patienten betreuen
Patienten aufnehmen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
17:00 bis 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Unterkunft gestellt
Gehalt in EUR
1200 chf
Gebühren in EUR
knapp 400 chf für Personalwohnheim

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
2
Unterricht
3
Betreuung
2
Freizeit
2
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.6