Das maltesische Gesundheitssystem orientiert sich sehr stark an dem Britischen. Chefärzte wie in Deutschland gibt es hier nicht, stattdessen mehrere „consultants“, die unseren Oberärzten entsprechen, und die drei Monate lang ein festes Team aus Assistenzärzten zugeteilt haben, ihre „firm“.
Die maltesische Arbeitswoche im Krankenhaus geht von Montag bis Samstag. Mo-Fr ist die Arbeitszeit von 8:00 bis 14:30 Uhr, am Samstag von 8:00 bis 13:00 Uhr. Am Samstag wird aber eigentlich nicht erwartet, dass man als PJler kommt, ich kenne niemanden der an Samstagen da war.
Ich habe meine acht Wochen in der Allgemeinchirurgie verbracht, eine typische Woche bei uns sah aus wie folgt: Jeder Tag begann grundsätzlich mit einer Visite aller uns zugeteilten Patienten. Diese lagen nicht alle auf einer Station, sondern durch das ganze Krankenhaus hinweg verteilt, sodass alleine die Wege von einem Patienten zum anderen schon einige Minuten in Anspruch genommen haben. Am Montag war im Anschluss an die Visite Endoskopie Tag, dienstags sah man ambulante Patienten in der Poliklinik, Mittwoch war OP-Tag für geplante Operationen , Donnerstags hatte unsere Firm Bereitschaftsdienst für notfallmäßig anfallende allgemeinchirurgische OPs, freitags hatten wir Hintergrunddienst für allgemeinchirurgische Konsile im restlichen Krankenhaus und samstags wurden ansonsten nur administrative Aufgaben durchgeführt.
So viel zum offiziellen Ablauf. Inoffiziell hat es wirklich niemanden gejuckt ob man da war oder nicht. Die Ärzte haben teilweise proaktiv angeboten, dass man ja nach der Visite einfach gehen könne wenn man will, und auch wenn man von sich aus gesagt hat, dass man heim geht wurde nie komisch reagiert. Der längste Tag an dem ich geblieben bin ging bis 13:30. Manche andere Studenten sind auch tageweise einfach gar nicht gekommen, ist scheinbar auch niemandem aufgefallen.
Dadurch, dass maltesische Medizinstudenten noch weniger praktisch machen dürfen als in Deutschland hat man als PJLer meistens eigentlich nur in der Ecke gestanden und sich berieseln lassen. Das höchste an eigenem behandeln was ich machen durfte waren Abdomenuntersuchungen. Einmal durfte ich mich Einwaschen und mit an den OP-Tisch. Einmal habe ich eine Braunüle gelegt. Mein Oberarzt hat gerne abgefragt, was in dem Moment zwar unangenehm war, aber im Endeffekt dazu geführt hat, dass ich zumindest fachlich ein wenig mitnehmen konnte, wenn schon nicht praktisch.
Mit uns Studenten und unter den Ärzten wurde eigentlich immer auf Englisch gesprochen. Viele der älteren Patienten sprechen allerdings nur schlechtes Englisch, sodass bei der Visite auch oft Maltesisch gesprochen wurde, dann kam es immer ein bisschen auf den Arzt an ob das gesagte nochmal ins Englische übersetzt wurde oder eben nicht.
Fachlich und diagnostisch gibt es zwischen Malta und Deutschland eigentlich keine Unterschiede, überraschend für mich waren jedoch besonders Differenzen bezüglich der Digitalisierung und Hygiene. Das Mater Dei ist zwar Maltas einzige Uniklinik, gearbeitet wird dort allerdings immer noch mit Patientenakten aus Papier. Und besonders im OP waren Dinge erlaubt, die in Deutschland aus Hygiene Sicht nie durchgehen würden. Brötchen im OP-Saal essen? Kein Problem. Steril am OP-Tisch stehen aber ohne Mund-Nasen-Schutz operieren? Scheinbar nicht so schlimm. Mit deinen normalen Klinikschuhen in den OP-Bereich? Kein Ding. Das war für mich schon ein bisschen befremdlich, selbst operieren lassen würde ich mich dort nur ungern.
Malta hat in etwa dieselbe Größe und Einwohnerzahl wie Bremen, sodass zwei Monate dort locker ausreichen um sich die ganze Insel anzuschauen. Kultur, Geschichte, Sport, Landschaften, Party, Strand- man findet immer etwas was einen interessiert. Es gibt zahlreiche antike Tempel, viele Museen und Wanderwege. Die Strände im Süden der Insel sind eher aus Stein und Fels, Sandstrände findet man im Norden. In einem anderen Bericht wurde es schon erwähnt, aber wenn ihr ins Hypogeum wollt dann kümmert euch wirklich vorzeitig drum. Ich habe in meiner ersten Woche geschaut ob es noch Tickets für meine letzte Woche hier gäbe (also in 7-8 Wochen) und es waren schon alle weg.
Mit dem Bus kommt man eigentlich überall hin. Die Frage ist nur wann. Die Busse fahren nämlich sehr unregelmäßig, sind manchmal viel zu früh und manchmal viel zu spät. Wenn ein Bus sehr voll ist wird man schonmal an der Haltestelle stehen gelassen und muss auf den nächsten warten. Ich würde trotzdem empfehlen sich ca. zwei Monate vor Tertialbeginn eine „tallinja card“ zu holen und nach Deutschland schicken zu lassen. Für diese Karte zahlt man einmalig ca. 30 Euro und kann dafür aber damit auf Lebenszeit umsonst in Malta Bus fahren. Bolt und Uber sind außerdem beide auf der Insel vertreten und meinem Gefühl nach auch billiger als in Deutschland. Als Einzelperson war es mir trotzdem meistens zu teuer, wenn man aber in einer Gruppe unterwegs war gingen die Preise voll klar und man war auch deutlich schneller als mit dem Bus.
Der Zeitraum in dem ich da war (Frühjahr) war meiner Meinung nach optimal, es ist schon warm genug um auch ab und zu ins Meer zu gehen, aber noch nicht so heiß, dass es eine Qual ist sich sonst fortzubewegen. Ab den Osterferien ist es auch voller geworden, aber davor waren auch nur wenige Touristen da, sodass man bei den meisten Touri Hotspots noch problemlos ohne langes Anstehen oder Karten vorbuchen reinkam (bis auf das Hypogeum).
Ansonsten kann ich nur viele Dinge bestätigen, die schon in anderen Berichten erzählt wurden. Nehmt Kasacks und Sonnencreme mit und denkt an den Adapter, hier benutzt man UK Steckdosen. Und falls man doch mal für irgendetwas Karten im voraus kaufen möchte nehmen viele maltesische Unternehmen online nur Kreditkarte.
Als Klinikmitarbeiter mit Ausweiskarte bekommt man außerdem in der Kantine Kaffee zum halben Preis und ein Mittagessen ohne Vorspeise für 3,50; eins mit Vorspeise für 5 Euro.
Wie "gut" war also der Aufenthalt? Das kommt total darauf an mit welchen Erwartungen man herkommt. Du findest Chirurgie toll und willst so viel wie möglich lernen? Dann würde ich Malta nicht empfehlen. Wenn man eigentlich so wenig wie möglich in OP-Saal und Klinik sein möchte und vor allem Interesse an einem längeren Aufenthalt auf einer Mittelmeerinsel mit viel Freizeit hat ist es hingegen super.
Bewerbung
Bewerbungen für einen Aufenthalt im kommenden Jahr werden immer ab Juli des aktuellen Jahres angenommen. Spätestens eingegangen sein muss eine Bewerbung drei Monate vor dem gewünschten Beginn, sodass auch spätere Bewerbungen möglich sind.
Der Bewerbungsprozess läuft dahingehend ab, dass man ein Dokument, welches auf der Website der maltesischen medizinischen Fakultät zu finden ist, ausfüllt und als PDF-Datei zusammen mit einem Passfoto, einer Kopie des Reisepasses, einem polizeilichen Führungszeugnis, der aufgefüllten Home University Recommendation, sowie etwaigen anderen Dokumenten, die man im Anschluss an das Tertial unterschrieben braucht, an die dortige Medical Electives Koordinatorin Ms. Bonavia elektronisch zuschickt. Sind diese Dokumente bis dahin zufriedenstellend bekommt man eine vorläufige Zusage und wird aufgefordert das Occupational Health Protocol, eine Art Gesundheitszeugnis und Bestätigung der wichtigsten Impfungen, vom Hausarzt ausfüllen zu lassen. Nach Zusenden des Occupational Health Protocol erhält man eine offizielle Zusage. Die Kosten für das Tertial (75 Euro Bearbeitungsgebühr und 75 Euro Verwaltungsgebühr pro Woche) müssen spätestens zwei Wochen vor Tertialbeginn bezahlt werden. Eine Ärztehaftpflichtversicherung für die Dauer des Aufenthaltes kann für einmalig 50 Euro von der dortigen Fakultät gekauft werden.
Die Organisation an sich läuft gut ab, teilweise wartet man jedoch länger auf Antworten auf seine E-Mails. Lasst euch dadurch nicht verunsichern, im Zweifelsfall einfach hartnäckig bleiben und nochmal nachfragen.
Von der Uni/dem Krankenhaus werden mittlerweile keine Wohnungen mehr für Studenten gestellt, ich habe daher in einem Airbnb in Kliniknähe gelebt. Es empfiehlt sich eine Unterkunft in den Stadtteilen Birkirkara, Gzira oder San Gwann zu suchen, da der Verkehr in Malta wirklich katastrophal ist und man ansonsten riskiert jeden Tag zu spät zu sein. Das Campus Hub habe ich als überteuert erlebt und die Mitarbeiter waren zumindest im E-Mail Kontakt nicht sonderlich freundlich und außerdem sehr unorganisiert, ich würde es nicht empfehlen.