PJ-Tertial Kardiologie in Universitaetsklinikum Bonn (3/2025 bis 6/2025)

Station(en)
Martini A
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station, Diagnostik
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Vorab: Ich möchte Kardiologie machen und habe mir bewusst eine Uniklinik für mein Innere-Tertial ausgesucht, an der ich nicht selbst studiert hab, um einen Eindruck von der Arbeit dort bekommen. Das Tertial an der Uniklinik Bonn war alles in allem zu empfehlen.

Zur Struktur: Es gibt drei Kliniken in der Inneren Medizin, nach der Anmeldung über das PJ-Portal erhält man eine Mail vom Sekretariat, in dem die Prioritäten abgefragt werden. Das hat ganz gut geklappt, soweit ich das auch von den anderen PJler*innen mitbekommen habe. Man rotiert nicht zwischen den Kliniken der Inneren, sondern bleibt das gesamte Tertial in einer Klinik. Das muss man vorher wissen, denn man bekommt dadurch keine breite Ausbildung in der Inneren, sondern einen sehr spezifischen Einblick - ich fand das gut und habe mir das bewusst ausgesucht.
Die Gesamtorganisation war dann uniklinik-typisch total chaotisch. So muss man neben anderen bürokratischen Prozessen einen Antrag einreichen, um überhaupt die Aufwandsentschädigung zu bekommen. Dieser Antrag nimmt unnötige Umwege über verschiedene Sekretariate und die Bearbeitung zieht sich sehr lang - so lange dieser Antrag aber nicht bearbeitet wurde, erhält man auch keinen Mitarbeiterausweis und somit auch keine Kleidung, was für externe Studierende sehr lästig ist. Ich habe oft in der Personalabteilung und unterschiedlichen Sekretariaten anrufen müssen, obwohl ich mich frühzeitig um diesen Antrag gekümmert hatte. Wichtig: die Ausgabe der Mensakarte ist nicht von diesem Antrag abhängig, die kann man sich direkt ab Tag 1 abholen und erhält jeden Tag einen Freibetrag von 5€, der verfällt, wenn er nicht genutzt wird. Mit dem Betrag kann man gut essen und wird auch satt, es gibt gute vegetarische Optionen.
In der ersten Woche des ersten Tertials gibt es wohl eine Einführungswoche, die gibt es im 2. und 3. Tertial nicht. Externe Studierende müssen dementsprechend in der ersten Woche an 2 vollen Tagen online IT-Schulungen nachholen. Diese Schulungen sind sehr schlecht, aber leider Voraussetzung, um Zugriff auf das Kliniksystem Orbis zu erhalten. Es werden viele Aspekte erklärt, die für den Alltag im PJ überhaupt nicht relevant sind (z.B. die Terminvergabe in der Ambulanz etc., Arztbriefe werden nur ca. 5 min besprochen, ich habe das angemerkt, vielleicht wird es geändert). Muss man sich durchkämpfen, aber dann hat man einen umfangreichen Zugriff auf Orbis im Alltag (radiologische Diagnostik und Labordiagnostik anschauen, Medikamentenanordnungen vorbereiten, Arztbriefe schreiben, Untersuchungen anmelden etc.).

Zur Kardiologie: Die fehlende Rotation in andere Kliniken ermöglicht ein sehr gutes Rotationssystem innerhalb der Klinik, wie schon in anderen Bewertungen beschrieben. Ich wurde am 1. Tag auf der Intensivstation eingeteilt, das war eher nachteilig, denn diese einwöchige Rotation konnte ich dadurch kaum nutzen. Man rotiert je eine Woche in die folgenden Bereiche: Intensivstation, Echolabor, pneumologische Ambulanz/Funktionsabteilung, angiologische Ambulanz/Funktionsabteilung. Außerdem rotiert man 2 Wochen in die Notaufnahme, den Rest des Tertials verbringt man auf einer der kardiologischen Stationen. Man kann nach Absprache von Station aus auch tageweise im Herzkatheterlabor oder im Hybrid-OP zuschauen. Die Rotationen sind manchmal gesammelt am Anfang, manche PJler*innen haben aber auch auf Station angefangen, dann die Rotationen durchlaufen und sind dann nochmal auf Station rotiert - das hängt wahrscheinlich von den Kapazitäten der Abteilungen ab.

Intensivstation: Man darf Patienten untersuchen, nimmt an den Visiten teil etc. Grundsätzlich sieht man hier viele schwer kranke Patient*innen inklusive Behandlungen mit ECMO, Impella und Co. Eine Woche ist je nach Vorwissen aber sehr kurz, um in diesem komplexen Umfeld viel mitzunehmen.
Echolabor: Man darf je nach Vorwissen viele Patient*innen selber vorschallen. Es ist sehr viel zu tun für die Assistenzärzt*innen, deshalb fehlt oft die Zeit, um unter Aufsicht zu üben. Aber wenn man Vorwissen mitbringt, ist diese Woche Gold wert, um viel Erfahrung im Echo zu sammeln.
Pneumologie: Hier herrscht der typische Alltag wie in einer pneumologischen Praxis. Mir hat es hier nicht so gut gefallen, weil man nichts selber machen konnte. In meiner Woche dort gab es aber auch viele personelle Engpässe, wahrscheinlich hat es daran gelesen, so ergab sich z.B. auch keine Möglichkeit Bronchoskopien anzuschauen, was bei anderen PJler*innen möglich war.
Angio: Super Möglichkeit viel über Gefäßultraschall zu lernen! Die Ärzt*innen hier erklären viel und auch hier darf man viel selber schallen, wenn man möchte. Auch ein Zuschauen bei angiologischen Interventionen ist möglich.
Notaufnahme: Super breites Spektrum an kardiologischen Erkrankungen von Herzinsuffizienz bis hin zu EMAH-Patient*innen mit Herzrhythmusstörungen, außerdem werden alle Reanimationen primär im Schockraum versorgt. Die Kardiologie des UKB ist nie abgmeldet - entsprechend viele Patient*innen gibt es, je nach Besetzung darf man Patient*innen selber betreuen und auch mal eine Aszites-Punktion unter Anleitung machen. Die Assistenzärzt*innen hier versorgen gleichzeitig noch die INA, eine Überlaufstation für die Notaufnahme. Auch da kann man mitgehen.

Station Martini A: Es handelt sich hierbei um die Privatstation, das geht mit gewissen Eigenheiten einher und hat Vor- und Nachteile. Morgens findet eine Visite mit den Assistenzärzt*innen statt, deshalb geht es etwas früher los als auf anderen Stationen. Anschließend geht es in die Frühbesprechung mit täglicher Vorstellung neuer Studien durch die Ärzt*innen der Abteilung.
Der Stationsalltag ist typisch für eine kardiologische Station, viel Organisation, Befunde sichten, Medikamente anpassen etc. Es gibt ein Ultraschallgerät, das man nutzen kann. Man wird z.B. eingebunden, um Pleuraergüsse im Verlauf zu beurteilen, Kardioversionen vorzubereiten und mit durchzuführen, Viggos bei Patient*innen für strukturelle Interventionen zu legen, etc. Man darf eigene Patient*innen betreuen, der Chef wünscht sich das auch. Jeden Nachmittag gibt es eine Visite mit dem Chef, nachdem er mit seinen Interventionen fertig ist, die Uhrzeit unterscheidet sich entsprechend stark und kann auch mal erst gegen 16:30 Uhr stattfinden. Man ist aber nicht gezwungen bis zur Visite zu bleiben, nur während der Visite solte man nicht gehen. Die Visite hat ihren ganz eigenen Ablauf, muss man mit umzugehen lernen, hier stellt man dann auch seine Patient*innen dem Chef vor.
Auf der Privatstation ist immer nur ein PJler zur Zeit, auf anderen Stationen sind bis zu drei, entsprechend steht man sich dort mitunter gegenseitig im Weg. Nachteil der Privatstation: ZVKs und Pleurapunktionen werden auf allen Stationen von den Assistenzärzt*innen und PAs gemacht, PJler dürfen das unter Aufsicht selber machen - leider aber nicht auf der Privatstation, das will der Chef nicht. Das fand ich sehr schade, denn man hätte es gut unter Aufsicht lernen können. Ich habe mich dann mit PJlern auf anderen Stationen abgesprochen und durfte dort dann manchmal unter Aufsicht punktieren.
Die Assistenzärzt*innen auf Station waren aber super nett, haben sich immer Zeit genommen für mich und auch gerne erklärt.

Fortbildungen gab es während meiner Zeit in der Kardiologie nur in den ersten 3 Wochen, danach war das gesamte Tertial über Sommerpause. Ich persönlich fand das nicht so schlimm, denn ich bin ja im PJ, um praktische Erfahrungen zu sammeln und nicht für theoretische Seminare. Wenn dir das wichtig ist, mach das Tertial in der Kardio am UKB nicht im Sommer. Das Fehlen der Fortbildungen hat es leider erschwert, mit den anderen PJler*innen in Kontakt zu kommen.

Besonderes Feature am UKB: alle PJ-Studierenden hatten im Rahmen eines Projekts die Möglichkeit, ein eigenes mobiles Ultraschallgerät (Butterfly) mit iPad als Leihgabe für das Tertial zu bekommen. Das fand ich eine super Chance! Leider gab es keine begleitenden praktischen Kurse dazu, nur digitale Schulungen in der App, die zum Butterfly gehört. Man kann damit auf Station geräteunabhängig alle Patient*innen schallen, um die eigenen Sono-Skills zu festigen. Ich habe dafür im Alltag häufiger das Sono-Gerät auf Station benutzt, aber das Projekt fand ich eine tolle Idee!
Bewerbung
Bewerbung über das PJ-Portal
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Braunülen legen
Eigene Patienten betreuen
Briefe schreiben
Notaufnahme
Botengänge (Nichtärztl.)
Punktionen
Untersuchungen anmelden
Patienten untersuchen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Gehalt in EUR
500

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
2
Unterricht
3
Betreuung
3
Freizeit
2
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
2

Durchschnitt 2.07