Als PJler ist man primär zum Haken halten da. Der OP scheint über allem zu stehen. Man erhält zwar zu Beginn des Tertials einen Rotationsplan, dieser spielt aber in der Praxis kaum eine Rolle, weil man ständig in den OP gerufen wird. Eine Ablösung ist nicht vorgesehen, wodurch Mittagspausen immer wieder weg fallen und der Feierabend variieren kann. Ich stand immer mal wieder auch bis 18 Uhr am Tisch. Ein wenig freier wird man erst durch die Blockpraktikanten, da diese dann das Hakenhalten übernehmen, aber leider auch jede Position besetzen, die man als PJler sonst einnehmen könnte. Dementsprechend variiert der Alltag stark, weil man sich ständig eine Lücke suchen muss, wo man etwas machen oder lernen kann.
Eine Ausnahme bildet der Monat im Kreißsaal, da man hier von den Anrufen aus dem OP verschont wird. Wer besonderes Interesse an der Geburtshilfe mitbringt, wird hier jedoch enttäuscht. Bei Sectiones darf man zwar mit an den Tisch, aber nichts tun. Von anderen Häusern kenne ich es so, dass man als Assistenz zwischen den Beinen der Patientin steht. Am UKSH tut das jedoch die OP-Pflege. So sieht man auch während der Kindsentwicklung wenig. Einen Zugang zum digitalen Kreißsaal-Programm (Viewpoint) bekommt man nicht. Dadurch kann man was das Dokumentieren und Briefe schreiben angeht, nicht mitarbeiten. Positiv hervorzuheben ist hingegen das Hebammenteam, das mich jederzeit freundlich begrüßte und mich mit zu den Geburten nahm. Auch die Pflege der Stationen A.220 und A.320 waren immer sehr respektvoll und freundlich.
Lehre ist optional und wird von den Verantwortlichen als Last empfunden.
Geplant war ein wöchentlicher PJ-Unterricht, der jedoch nur bei ausreichender Anzahl an PJlern stattfindet…ansonsten „lohne es sich nicht“. In meinem Tertial kam so etwa acht Mal ein Seminar zustande. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass Lehre eher als Belastung denn als Selbstverständlichkeit gesehen wurde.
Die Stimmung im Team ist unterirdisch. Alle sind unzufrieden. Es wird untereinander gelästert und sich nichts gegönnt. Die Assistenten müssen um Weiterbildung konkurrieren, was sich dann auch auf das PJ auswirkt. Auch nach 4 Monaten fühlte ich mich nicht als Teil des Teams.
Ich hab irgendwann raus gefunden, welche Kolleginnen Lust auf Lehre haben und dann gezielt versucht nur noch mit diesen zusammenzuarbeiten. Ich hab natürlich einige PVKs gelegt und BEs gemacht, aber es war total im Rahmen. Auf der gynäkologischen Station (413) hab ich Patientinnen untersucht, bei der OA-Visite vorgestellt und abschlussuntersucht (vaginal getastet, Spekulum untersucht, TVS, Nierensono). Im OP durfte ich immer mal wieder Drainagen einnähen und Subkutan- bzw. die Hautnähte machen. Kamera führen bei LSKs war selten möglich, aber ist vorgekommen. Im Kreißsaal hab ich einige Dienste mitgemacht (allerdings nur 14-22 Uhr) und dort viele Geburten begleitet. In der Sprechstunde durfte ich fetale Biometrien und TVS üben.
Wenn man eine dicke Haut hat und es einem leicht fällt Dinge einzufordern, kann man hier einiges mitnehmen. Aber eben nur weil es eine Uniklinik ist und nicht weil das Teaching besonders gut ist.
Bewerbung
Ganz klassisch übers PJ-Portal. Es gibt keinen Ansturm auf die freien Plätze.