PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in See-Spital Horgen (11/2025 bis 3/2026)

Station(en)
Allgemein- und Privatstation
Einsatzbereiche
Station, Notaufnahme, OP
Heimatuni
Kiel
Kommentar
Im Rahmen meines Praktischen Jahres absolvierte ich mein erstes chirurgisches Tertial am Seespital Horgen, einem Lehrkrankenhaus der Universität Zürich. Die Entscheidung für ein Auslandstertial war für mich eine bewusste Wahl – ich wollte Medizin außerhalb meines gewohnten Systems erleben, mehr Verantwortung übernehmen und mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln. Rückblickend war diese Zeit eine der prägendsten Stationen meiner bisherigen Ausbildung.
Ankommen in einem neuen System
Ich habe mich sehr auf den Start meines PJs gefreut – endlich wollte ich all das in die Praxis umsetzen, was ich während meines Studiums gelernt hatte. Der erste Tag war hervorragend organisiert: Ich wurde direkt am Eingang abgeholt und war beim Röntgenrapport sofort mit dabei, wo ich auch meine neuen Kolleginnen und Kollegen kennenlernte.
Im Anschluss erhielt ich meinen Badge mit Zugang zu allen relevanten Bereichen, ein eigenes Telefon sowie sämtliche Zugänge zu den wichtigen IT-Systemen. Nach den organisatorischen Formalitäten ging es direkt auf Station, wo ich von einer erfahrenen Unterassistentin strukturiert eingearbeitet wurde.
Schon am ersten Tag wurde deutlich, wie stark patientenorientiert hier gearbeitet wird. Die Ärztinnen und Ärzte betreuen deutlich weniger Patientinnen und Patienten als in Deutschland, ebenso ist der Pflegeschlüssel wesentlich besser. Das wirkt sich unmittelbar auf die Versorgungsqualität und die Arbeitsatmosphäre aus.
Die drei regulären Dienste

1. Stationsdienst
Ein Stationsdienst begann mit einer kurzen Übersicht auf Station vor dem Frührapport. Anschließend folgte die Visite – je nach ärztlicher Begleitung durfte ich diese teilweise selbstständig durchführen und eigene Patientinnen und Patienten betreuen. An anderen Tagen lief ich mit und dokumentierte.
Nach der Visite wurde die To-do-Liste abgearbeitet. Blutentnahmen und das Legen von Zugängen übernimmt in der Schweiz grundsätzlich die Pflege – viele Schweizer Ärztinnen und Ärzte führen diese Tätigkeiten selbst kaum durch. Entsprechend waren wir Unterassistenten hiervon vollständig entlastet.
An Stationstagen war man zusätzlich in den OPs der Kaderärzte eingeteilt. Das konnte zwischen null und sieben Stunden pro Tag variieren. Mit zunehmender Dauer durfte ich immer mehr selbst übernehmen – individuell angepasst an meinen Kenntnis- und Erfahrungsstand. Besonders wertvoll waren die vielen praktischen Tipps zu chirurgischen Grundlagen, die im späteren Berufsleben enorm hilfreich sein werden.
Ein bemerkenswerter Aspekt war die konsequent eingehaltene einstündige Mittagspause. In vier Monaten gab es nur einen einzigen Tag, an dem ich nicht essen konnte. Diese Pause wurde von allen Berufsgruppen bewusst wahrgenommen – inklusive regelmäßigem gemeinsamen Kaffee.
Am Nachmittag wurden Austritte vorbereitet (inklusive Arztbriefschreiben, was extrem lehrreich war), elektive Patientinnen und Patienten für den nächsten Tag aufgenommen und um 15:30 Uhr fand erneut ein Röntgenrapport statt. Fast täglich folgte anschließend eine Fortbildung mit Fallbesprechungen oder radiologischen Themen. In der Regel konnte man gegen 17 Uhr gehen, gelegentlich auch früher.

2. Belegarztdienst
Im Belegarztdienst verbrachte man den Großteil des Tages im OP und assistierte verschiedenen Belegärzten. Das Spektrum war breit: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Orthopädie, Hand- und Fußchirurgie.
Hier war man häufig in der klassischen Assistenzrolle als Hakenhalter eingesetzt, durfte operativ weniger selbst übernehmen, bekam jedoch einen enormen Überblick über unterschiedliche chirurgische Techniken und Fachbereiche. Wenn weniger Operationen anstanden, unterstützte ich auf Station oder im Notfall.

3. Notfall
Es handelt sich um eine kleinere Notaufnahme mit internistischer und chirurgischer Triage (gelegentlich auch gynäkologische Fälle).
Nach der Einarbeitung durfte ich eigenständig Patientinnen und Patienten betreuen: Anamnese, körperliche Untersuchung, Diagnostik, Procedere und Bericht. Selbstverständlich erfolgte die Supervision durch Assistenzärztinnen und -ärzte.
Besonders positiv war, dass man selbstständig Untersuchungen anmelden sowie Rezepte, Arbeitsunfähigkeitszeugnisse, Verordnungen etc. ausstellen durfte. Das machte die Arbeit effizient und realitätsnah.
Große Freude bereitete mir die Wundversorgung: Ich durfte zahlreiche Wunden selbst versorgen und konnte umfangreiche Erfahrung im Nähen sammeln. Die Vielfalt der Verletzungen war beeindruckend und extrem lehrreich.

Pikettdienste
Zusätzlich zu den regulären Diensten gab es Pikettdienste (Bereitschaftsdienste). Dabei war man von 15:00 Uhr bis 7:00 Uhr des Folgetages in Rufbereitschaft und wurde bei Bedarf in den OP gerufen.
Manchmal wurde man gar nicht benötigt, an anderen Tagen stand man bis tief in die Nacht im OP. Gerade hier sah ich die spannendsten Eingriffe: Hohlorganperforationen, Milzrupturen mit Splenektomie oder offene Frakturen. Trotz der körperlichen Anstrengung habe ich in diesen Diensten besonders viel gelernt. Durchschnittlich hatte man etwa drei-sechs Pikettdienste pro Monat.

Wochenenddienste
Einmal pro Monat übernahm man den Visiten- und Pikettdienst am Wochenende – von Freitagnachmittag bis Montagmorgen durchgehend in Bereitschaft.
Gemeinsam mit einem Assistenzarzt war man für alle chirurgischen Patientinnen und Patienten zuständig, führte Visiten durch und besprach die Fälle mit einem Kaderarzt. Je nach Belegung war das Arbeitspensum unterschiedlich hoch. Dennoch war es eine besonders intensive und lehrreiche Zeit, da man sehr eigenständig arbeiten konnte. Kompensatorisch bekommt man dafür Mittwoch und Donnerstag vor dem Wochenende sowie Freitag nach dem WE frei.

Fazit zur Arbeit
Wer fundierte chirurgische Grundfertigkeiten erlernen, Stationsarbeit verstehen und eigenständig Patientinnen und Patienten betreuen möchte – und bereit ist, engagiert zu arbeiten –, ist hier genau richtig. Wer hingegen ein ruhiges PJ mit möglichst kurzen Arbeitstagen sucht, sollte sich anders orientieren.
Ich habe enorm viel gelernt – sowohl fachlich als auch im sicheren Umgang mit Patientinnen und Patienten.

Leben in Horgen und Umgebung
Abseits der Arbeit kann ich das Tertial uneingeschränkt empfehlen. Die Assistenzärztinnen und -ärzte sind ausgesprochen freundlich, man unternimmt auch außerhalb des Spitals etwas zusammen und wird sehr gut ins Team integriert. Das hatte ich so noch nie davor gesehen.
Zudem sind die Freizeitmöglichkeiten hervorragend:
• In etwa 30 Minuten erreicht man Einsiedeln mit idealen Bedingungen zum Langlaufen.
• Innerhalb einer Stunde ist Skifahren möglich.
• Zürich ist nur etwa 20 Minuten entfernt und bietet ein vielfältiges kulturelles Angebot.
• Egal, wo man hinsieht, man kann überall wandern gehen.
Der öffentliche Verkehr ist zuverlässig und hervorragend ausgebaut. Ein Halbtax-Abonnement (vergleichbar mit der BahnCard 50) lohnt sich sehr – es gibt auch Probeabos für zwei Monate.
Horgen selbst ist eher ruhig, bietet jedoch wunderschöne Spaziergänge am See. Der Blick aus dem Spital ist einmalig – direkt am Zürichsee gelegen.
Pro Monat hat man ca. 2 Urlaubstage, die in Deutschland nicht angerechnet werden.
Bewerbung
ca. 4 Monate im Voraus, super Organisation über Karin Trussardi.
Unterricht
3 x / Woche
Inhalte
Fallbesprechung
Bildgebung
Patientenvorstellung
Prüfungsvorbereitung
Tätigkeiten
Notaufnahme
Eigene Patienten betreuen
Patienten untersuchen
Patienten aufnehmen
Briefe schreiben
Röntgenbesprechung
Chirurgische Wundversorgung
Untersuchungen anmelden
Mitoperieren
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Unterkunft gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Essen frei / billiger
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
1000CHF plus Zulagen (40CHF pro Pikettdienst, 80CHF pro Wochenendtag)
Gebühren in EUR
500CHF für Personalzimmer

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
2
Unterricht
2
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.33