PJ-Tertial Neurologie in Universitaetsklinikum Leipzig (3/2024 bis 6/2024)

Station(en)
G3.1, F3.2, Stroke/ITS (G1.1), ZNA/Ambulanz
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Ich habe mich für das Tertial auf der Neurologie am UKL entschieden, da mir die UAKs im 7. Semester sehr gut gefallen hatten. Leider kann ich das Tertial jedoch eher nicht empfehlen.

Hier zunächst die positiven Seiten:
- das Tertial ist sehr gut organisiert: am ersten Tag erhält man im Sekretariat seinen Rotationsplan, Transponder&Schlüssel, SAP-Zugang sowie Listen für die Themen der PJ-Seminare und den Termin des Freitagsreferates. In der Morgenbesprechung wird man kurz vorgestellt, sodass (zumindest theoretisch) jeder weiß, wer die neuen PJs sind.
- innerhalb des Tertials rotiert man auf 4 unterschiedliche Stationen: 1 Monat Ambulanz/ZNA, 1 Monat Stroke/ITS, 1 Monat Post-Stroke, 1 Monat Neurologische Normalstation. Man ist somit als PJ immer alleine auf einer Station zuständig (das kann positiv oder negativ sein. In der Praxis führt es nicht selten dazu, dass man eher als Famulant gesehen wird und dementsprechend manchmal kaum beachtet wird). Die Rotation trägt dazu bei, dass man viel sieht und darüberhinaus auch schonmal ein Gefühl für die einzelnen Stationen der Weiterbildungszeit bekommt, falls man das vorhat. Allerdings ist dieses System auch anstrengend, da man nirgendwo richtig eingearbeitet wird, weil man ja nach spätestens 4 Wochen wieder weg ist. Man muss sich also vieles irgendwie selbst zusammensuchen…
- Aufgaben auf den Stationen: BE/ Flexülen, Aufnahmen, MOCAs&Schellongs, Dokumentationen, LPs darf man meist immer machen :)
- Aufgaben auf der Stroke: BE/Flexülen, Aufnahmen (NIHSS bestimmen), aber auch immer wieder viele Buddy-Tätigkeiten wie Patientenbegleitung zu HNO, Augenklinik oder MRT (wo man dann gut und gerne 2-3h gesessen und gewartet hat), Anrufe bei HÄ/PH - alles in allem für alle PJs in meinem Tertial eine Station, die man sich eher hätte sparen können…
- Aufgaben Ambulanz/ZNA: für mich die lehrreichste und beste Zeit! Hier läuft man mit, untersucht Patienten, diskutiert die Fälle mit dem diensthabenden Assi, stellt sie anschließend vor, dokumentiert die Untersuchungsbefunde und meldet Diagnostik an. Insgesamt breites Krankheitsspektrum und spannende Fälle!

Aus folgenden Gründen kann ich nicht zu einem Tertial in der Neurologie am UKL raten:
- Arbeitsatmosphäre und Stimmung im Team: eher kühl, distanziert, elitär, sehr hierarchisch. Als PJ ist man untere Kaste und das wird einem leider auch nicht selten spüren gelassen. Manche Assis wirken arg überarbeitet, gestresst, müde, wenig zugänglich bis hin zu überheblich. Es herrscht teilweise ein Klima der Angst (vor den Chefvisiten herrscht Nervosität, ja nichts falsch zu sagen, junge Assis werden in der Röntgen-Demo unsachlich auseinandergenommen, es wird teilweise unschön gelästert und man muss nicht selten aufpassen, was man sagt)
- Lehre: mangelhaft und alles in allem eine Frechheit. Der wöchentlich stattfindende PJ-Unterricht muss von den PJs selbst organisiert werden und soll theoretisch oberärztlich supervidiert werden. (Wenn man zu dritt ist, muss man alle 3 Wochen ein 30-45min Referat mit Patientenvorstellung zu einem vorgegebenen Themenkomplex (große Krankheitsbilder der Neurologie) ausarbeiten und halten (kein “Lehrbuchauszug”!)). Dies nimmt wahnsinnig viel Zeit in Anspruch, kann aber für die M3-Prüfung auch von Vorteil sein. Es gab geteilte Meinungen zu dieser Art des Unterrichts. In ca. 50% der Fälle war bei uns allerdings kein OA anwesend, dementsprechend hatte man alles “umsonst” ausgearbeitet. Von Lehre kann hier keine Rede sein. Unter dem Vorwand “Studierende selbst zu aktivieren”, wird sich hier lästiger Pflichten entledigt, um sich selbst nicht vorbereiten zu müssen. In der Visite ist man für die meisten OÄ bis auf wenige Ausnahmen (die mir positiv im Gedächtnis bleiben!) Luft. Lehre wird eher in Form von unangenehmen, vorführendem Abfragen von Wissen vor dem Patienten betrieben, so wie man es aus früheren Zeiten kennt…
- Zusammenarbeit mit den Assis: ist davon abhängig, an wen man gerät. Manche lassen einen viel selbst machen und erklären auch, andere schmeißen einem einen Zettel mit 5 MOCAs hin, den man gefälligst bald abzuarbeiten hat. Mit der Zeit findet man heraus, wer mehr erklärt/zugänglicher ist und hängt sich dann etwas mehr an diese Personen ;). Je nachdem ist es also sehr unterschiedlich, ob man etwas lernt oder oder eher als billige Arbeitskraft behandelt wird. Zudem ist man meist nicht wirklich Teil des Teams (Assis gehen alleine Mittag essen, man wird nicht beachtet oder auf dem Gang nicht mal gegrüßt - passierte allen von uns 3 PJs)
- Wertschätzung: bis auf wenige Ausnahmen von sehr netten Assistentinnen (die ich auch wieder im Gedächtnis behalten :)) leider nicht vorhanden. Man wird eher ignoriert. Von OÄ Seite wird man vor dem Patienten nicht selten als “Praktikant/in” bezeichnet. Gleichzeitig kommt es vor, dass man z.B. die Ambulanz aufgrund von Personalmangel alleine (!) betreuen muss, während der zuständige Assi gerade in der ZNA ist. Auch hier keinerlei Verständnis oder Wertschätzung dafür, dass man das gerade zum ersten Mal macht und etwas überfordert ist. In der Freitag Morgenbesprechung muss man 1x vor der versammelten Neurologie ein Paper vorstellen (was alles in allem okay ist), allerdings gibt es auch hier keinerlei Wertschätzung dafür, dass man als PJ deren Fortbildung macht.
- Fehltage: werden sehr streng geregelt und akribisch aufgeschrieben. Wer mit Gastroenteritis im Bett liegt oder COVID hat, bekommt knallhart die entsprechende Anzahl an Fehltagen eingetragen. Fehltage können außerdem nicht ganz am Ende des Tertials (in Vorbereitung auf die M3-Prüfung) genommen werden.
- Arbeitszeiten: insgesamt ist (bis auf die Stroke, wo man pünktlich raus kommt) schon viel zu tun, da man ja immer alleine auf Station ist, es bleibt relativ wenig Zeit zum Nachlesen/Selbststudium. Wir kamen meist eher nicht pünktlich raus. Wem das also wichtig ist, der sollte eher eine andere Klinik wählen…

Das Tertial in der Neurologie ist insgesamt sehr anstrengend. Anspruch an die PJs und Wirklichkeit (Geben und Nehmen) liegen leider weit auseinander. Ob man etwas lernt, hängt stark davon ab, an wen man gerät und man fühlt sich nicht selten einfach sehr ausgenutzt. Überstanden habe ich dieses Tertial vielleicht am ehesten durch die täglichen Mittagspausen mit meinen 2 lieben Mit-PJs und Leidgenossen.
Pluspunkte sind die Organisation und die Möglichkeit der Rotation und Einblick in viele Bereiche.
Bewerbung
PJ-Portal
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Fallbesprechung
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Braunülen legen
Blut abnehmen
Patienten aufnehmen
Röntgenbesprechung
Notaufnahme
Untersuchungen anmelden
Patienten untersuchen
Botengänge (Nichtärztl.)
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
400

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
3
Klinik insgesamt
3
Unterricht
4
Betreuung
3
Freizeit
3
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
3

Durchschnitt 3