Vorweg: Das PJ-Tertial in der Anästhesie in Westerstede ist wirklich sehr zu empfehlen und ich hatte dort eine wirklich gute Zeit, in der ich als PJler sehr wertschätzend behandelt wurde!
Zunächst einmal ist das Haus gut organisiert, die Formalia werden im Vorhinein per Mail mit der Personalabteilung geklärt und in einer toll organisierten Einführungswoche bekommt man einen Überblick über die Klinik und lernt die anderen PJler kennen. Dabei werden Skills wie Sono, EKG, Nähen und Gesprächsführung trainiert, sowie die klassischen Einführungen wie Brand-, Strahlen- und Datenschutz abgearbeitet. Außerdem wird man direkt am ersten Tag vom PJ-Beauftragten der Abteilung herumgeführt und kann alle Fragen klären.
Die übrigen 15 Wochen verbringt man mit:
11 Wochen OP-Tagesgeschäft
3 Wochen operative Intensivstation
1 Woche Notaufnahme (hier kann man frei entscheiden, ob man bei den Internisten oder den Chirurgen hospitiert)
Die Zeiten der Rotationen werden einem schon vor PJ-Beginn per Mail mitgeteilt.
Während der OP-Blöcke ist auch das Mitlaufen von Diensten, die Mitfahrt auf NEF und/oder ITW und die Arbeit in der Prämed-Ambulanz möglich und empfohlen, jedoch keine Pflicht.
Jeder PJler hat zwei Mentoren, jeweils einen von Seiten der Ammerlandklinik und des Bundeswehrkrankenhauses. Die gemeinsame Einteilung klappt im Klinikalltag mal mehr und mal weniger, sorgt aber meistens für vernünftige Einarbeitung und eine kontinuierliche Lernkurve.
Grundsätzlich sind alle sehr freundlich, kollegial im Team und meist darauf bedacht etwas beizubringen. Bei Schockraumalarmen, Klingeln des Notfalltelefons oder Sectios wird nach Möglichkeit (je nach diensthabendem OA) auch ein PJler mitgeschickt, sodass man am Ende eigentlich alle Facetten der anästhesiologischen Arbeit kennenlernen durfte.
Diese umfasst in Westerstede Narkosen in einem breiten Spektrum von chirurgischen Eingriffen (ACH, TCH, UCH, GCH, Gyn, Uro, HNO, HKL, DaVinci,…). Dabei durfte ich von Intubationsnarkosen und TIVAs über rückenmarksnahe und periphere Regionalanästhesien bis hin zu Sedierungen und Kurnarkosen alles sehen. Durch die zivil-militärische Zusammenarbeit gibt es auch verschiedene Narkosegeräte, -stile und SOPs, sodass man echt ein breites Bild bekommt.
Auf der Intensivstation muss man ein bisschen in die Abläufe hineinfinden, hier haben mir die Spätdienste gefallen, in denen etwas weniger Menschen herumwuseln und wo man auch eigene Patienten übernehmen kann.
Zuletzt zu einer der wichtigsten Fragen als Student in der Anästhesie: „Was darf man selbst machen?“. Ich persönlich durfte fast das ganze Spektrum des Atemwegsmanagements anwenden (Guedl, Wendl, Maskenbeatmung, LaMa, ProSeal, IGEL, Larynxtubus, Endotrachealtubus, Videolaryngoskopie), mit Oberärzten gelegentlich auch bei RSI-Einleitungen, häufig i.v.-Zugänge und Arterien legen (beides auch mit Sono) und zum Ende auch die ersten Erfahrungen mit ZVKs sammeln.
Außerdem war für Fragen immer ein offenes Ohr, mir wurde während der OPs coolerweise sehr viel Theorie erklärt, am Ende wurden von den motivierten Assistenten sogar M3-Prüfungen simuliert.
Zum Ende des PJs konnte man so von der Vorstellung des Saal-Programmes in der Frühbesprechung bis zur Übergabe im Aufwachraum unter Aufsicht alle Schritte des Anästhesie-Alltags selber durchführen.
Ungern gesehen und wegen vieler Praktikanten auch meist nicht möglich ist übrigens das Springen von Einleitung zu Einleitung, man bleibt i.d.R. im Saal, in dem man für den Tag eingeteilt ist. Bei dieser Einteilung muss man manchmal ein bisschen Eigeninitiative zeigen.
Der PJ-Unterricht findet einmal pro Woche statt, die Abteilungen sind abwechselnd dran, auch die Qualität wechselt.
Das PJ-Gehalt ist mit 677€ im oberen Mittelfeld angesiedelt, in der Kantine gibt es Frühstück und Mittagessen für ca. 4€ pro Mahlzeit. Mittagessen war zeitlich immer möglich und auch bei externen Terminen fand sich immer eine Lösung. Parken kann man kostenlos und problemlos in einem der Parkhäuser.