PJ-Tertial Gynäkologie in St. Josefs-Krankenhaus Giessen (6/2025 bis 10/2025)

Station(en)
Gyn/Geb
Einsatzbereiche
Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Diagnostik, Station, OP
Heimatuni
Giessen
Kommentar
Mir hat das Tertial in der Gyn im Katholischen leider nicht gefallen. Dazu muss man aber fairerweise sagen, dass ich meine anderen beiden Tertiale im Ausland absolviert habe und dadurch keinen Vergleich zu deutschen PJ Zuständen habe.

Tagesablauf:
Start um 7:30 Uhr mit der Übergabe bis ca. 8 Uhr. Danach gehen PJler (max4) und ggf. Famulanten (max2) auf die Station zum Blutabnehmen und Viggos legen. Häufig sind das zwischen 4-15 BEs. Parallel laufen die Gynäkologische- und die Geburtshilfliche Visiten. In 3 Monaten war ich deshalb nur 3x auf Visite dabei. Die werden aber auch ohne Laptop gemacht und dauern je nach AA manchmal insg. nur 3 Minuten, etwas lernen tut man dabei leider eh nicht wirklich. War nach den BEs noch Zeit übrig, wars für uns häufig dummes rumsitzen, bis die Ambulanz um 9 Uhr losgeht. PJler sind hierbei essentiell, um die Anamnesen zu erheben: Patientinnen werden vom Facharzt zur weiteren Abklärung/Anbindung geschickt, wir rufen sie auf und füllen eine Maske am Computer aus (für Gynäkologische Allgemeine- + Blutungsanamnese usw, für Geburtshilfe va Entbindungsgespräche und Mutterpass übertragen). Wenn viel los ist (was häufig der Fall ist), hat man keine Zeit dafür, seine Patientin weiter zum AA Gespräch zu begleiten, sondern macht den ganzen Vormittag nur selbst monotone Anamnese-Gespräche. Und wenn man mal mit ins Arztgespräch kommt, sitzt man still daneben und muss sich häufig aktiv erfragen, mal eine KU machen zu dürfen, und hört va immer wieder bei den selben Aufklärungsgesprächen zu. Generell behandelt das Katholische als kleines Haus gefühlt nur 10 verschiedenen Krankheitsbilder, die sich schnell wiederholen. Dazu gibt es immer Raummangel, sodass man nicht so effizient arbeiten kann wie man möchte und sich dadurch vieles anstaut oder 2 PJler nicht parallel Anamnesen machen können. Deshalb ist einer häufig noch auf Station, macht täglich die selben geburtshilfliche Entlassuntersuchungen- / Gespräche, oder übertragt im Arztzimmer Daten ins Krebsregister :o Selten darf man auch mal mit in Kreissaal, dafür muss man sich richtig unangenehm an einen AA ranhängen und bekommt dort auch keine Aufgaben sondern steht viel zuguckend rum… Manchmal muss ein PJler auch mit in den OP, zB Haken halten bei einer HE, bei Sectios unsteril aus der Ecke zugucken geht natürlich auch.
Generell versucht man ein gemeinsames PJler-Mittagessen zwischen 12-14 Uhr hinzubekommen.
Nachmittags hat man selten was zu tun, außer es kommen Notfälle rein oder Arbeit ist liegengeblieben. Aber auch wenn nichts zu tun ist blieb man häufig bis 15:15 Uhr zur Übergabe und konnte erst danach gegen 16 Uhr gehen.

Pluspunkte:
- generell entspannt / geringe Arbeitsbelastung
- Studitag
- 400€ / Monat
- tolles Team, nette AAs, der Chef Dr. Eskef ist super lieb
- ein Computerzugang ist immer ermöglicht, man hat ein eigenes Telefon
- selbstständiges Arbeiten möglich, jedoch nur Anamnesen / ohne Verantwortung
- auch Untersuchen darf man ab und an machen, zB kann man gut Fetometrie lernen wenn man sich dafür einsetzt
- gratis Mittagessen und in PJ-Gemeinschaft
- WE- und 24h-Dienste sind möglich, dadurch bekommt man ein Tag kompensations-frei

Minuspunkte:
- Umkleiden im Haus gegenüber und selten passende Wäsche zur Verfügung
- die Aufgaben sind nicht wirklich durchsichtig, man muss sich alles von PJlern zeigen lassen und sich bei AAs dafür einsetzen, was sehen und selbst machen zu dürfen
- teilweise waren wir mehr Studenten als Assistenzärzte in der Abteilung, dadurch gab es weder etwas zu tun, noch ordentliche Betreuung.
- generell als PJler ultra monotone und einfältige Arbeit, für ein paar Wochen ein netter Einblick, für Monate zu langweilig
- Viele unnütze Aufgaben wie Zusteller oder digitale Krebsregister-Führung
- keine eigenständige Patientenbetreuung, kein lernen von Kurvenführung, keine Stationsbetreuung oder Arztbriefschreiben
- man kommt kaum in den Hebammen-geleiteten Kreissaal. Ich habe in 3 Monaten 2 vaginale Entbindungen gesehen.
- Im OP darf man kaum etwas selbst machen, oft hat man nur ohne Erklärung unsteril aus der Ecke zugeguckt. Ich war bei einer Sectio nie am Tisch.
- Studien- und Urlaubstage müssen bereits in der ersten Woche für alle 4 Monate bei der zuständigen OA eingereicht werden
- selten früher Schluss trotz dass es für PJler nichts mehr zu tun gab (die AAs dürfen nicht mehr heimschicken, es muss immer ein OA gefragt werden)

Fazit:
Ich weiß nicht, ob ich mein PJ dort nochmal machen würde. Es war super entspannt, man lernt gute Basics, aber so richtig ausgerüstet für den Beruf fühle ich mich nicht und häufig hab ich über den immer selben langweiligen Alltag ohne Verantwortung geschimpft. Vielleicht dann doch lieber UKGM mit längeren Arbeitszeiten aber dafür mehr Lern-Effekt und umfangreicheren Krankheitsbildern? Muss jeder für sich selbst entscheiden.
Bewerbung
PJ Portal
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Fallbesprechung
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Botengänge (Nichtärztl.)
Untersuchungen anmelden
Braunülen legen
Blut abnehmen
Patienten aufnehmen
Poliklinik
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
400€ / Monat
Gebühren in EUR
-

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
4
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
3
Unterricht
3
Betreuung
3
Freizeit
2
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
3

Durchschnitt 2.87