Das Tertial ist aufgeteilt in 4 Wochen Intensivstation, 2 Wochen Prämedikation und etwa 10 Wochen im OP mit Rotation durch verschiedene Fachbereiche.
Insgesamt war ich zufrieden und würde das Tertial weiterempfehlen. Man lernt im anästhesiologischen Setting viele praktische Fertigkeiten, insbesondere Intubationen sowie das Legen von Zugängen, auch arteriell und ZVK. Das Team ist freundlich und man wird in der Regel gut eingebunden. Viele Ärztinnen und Ärzte nehmen sich Zeit für Erklärungen. Das Teaching findet überwiegend direkt am Patienten statt. Durch die Rotation sieht man viele unterschiedliche Fachrichtungen und Verfahren. Auf der Intensivstation kann man sich bei Eigeninitiative aktiv einbringen und Patienten mitbetreuen. Nach Absprache besteht außerdem die Möglichkeit, mit dem Notarzt mitzufahren, was ein klares Highlight war.
Die Stimmung im Team ist insgesamt gut, auch wenn der Arbeitsalltag spürbar unter Zeitdruck steht und die Anästhesie entsprechend belastet ist. Je nach Einsatzort und Besetzung ist es möglich, bei geringer Auslastung auch früher zu gehen. Die reguläre Arbeitszeit liegt etwa zwischen 7:30 und 15:00 Uhr.
Weniger gut funktionieren einzelne Rotationen. In der Gynäkologie gibt es meist nur wenige OP-Säle bei gleichzeitig vielen Anfängern, sodass man häufig eher assistiert und wenig selbst machen kann. Auch in der Prämedikation ist der Lerneffekt nach kurzer Zeit begrenzt.
Der PJ-Unterricht findet einmal pro Woche statt, ist inhaltlich teilweise hilfreich, insgesamt aber eher unzureichend. Ein großer Teil der Termine ist ausgefallen (nur etwa 50 % wurden tatsächlich durchgeführt), oft ohne vorherige Absage. Dadurch wirkt die Organisation wenig verlässlich. Auch der Umfang von einer Stunde pro Woche ist im Vergleich zu anderen Häusern eher gering.
Die Rahmenbedingungen sind eher durchschnittlich. Die Vergütung von 399 Euro ist gering, zusätzlich gibt es nur einen kleinen Zuschuss für die Mensa, der die tatsächlichen Kosten nicht vollständig abdeckt. Zu Beginn gibt es keine strukturierte Einführung, sodass man sich viele organisatorische Dinge selbst klären muss.
Typisch für ein Anästhesie-Tertial ist, dass es klare Vor- und Nachteile gibt. Einerseits lernt man viele praktische Fertigkeiten und ist insbesondere bei Einleitungen aktiv eingebunden. Andererseits ist der Anteil an aktiver Tätigkeit nach der Einleitung oft geringer. Der Lerneffekt ist daher am größten, wenn man versucht, möglichst viele Einleitungen mitzunehmen. Dafür ist es sinnvoll, den OP-Plan im Blick zu behalten und sich entsprechend einzuteilen.
Insgesamt ein gutes Tertial mit solidem Praxisbezug und angenehmem Team.