Ich habe mein 1. PJ-Tertial in der Chirurgie am St. Georg-Klinikum absolviert. Eingeteilt war ich die ersten 8 Wochen in der Neurochirurgie, die zweite Hälfte in der Unfallchirurgie, was auch meinen Vorab-Wünschen entsprach. Generell ist vielleicht wichtig anzumerken, dass ich keine Chirurgie später machen will – wenn man neuer Ferdinand Sauerbruch werden möchte, setzt man vielleicht einige Schwerpunkte anders als ich. Oder landet gar nicht am St. Georg.
Insgesamt fand ich das PJ-Tertial ganz okay (also nicht sehr gut und nicht grässlich). Hier noch einige Infos zu den Abteilungen und zum Gesamteindruck:
Neurochirurgie: Hier war ich die meiste Zeit als PJler allein, nur ganz am Ende mit einem weiteren PJler aus dem 3. Tertial zu zweit. Alleinsein war hier nicht so schlimm wie anfangs gedacht. Die Abteilung ist relativ klein (ca. 8 Ärzte, eine halbe Station und ein bisschen OP-Saal) und grundsätzlich nicht darauf ausgelegt, Studenten zum Funktionieren zu benötigen. Das bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Vorteile dahingehend, dass man viel Freizeit hat und häufig früh oder sehr früh nach Hause gehen darf (!). Ich war hier auch meine ersten Male Assistenz im OP, ohne nennenswerte sterile Vorerfahrungen mitzubringen – dort war das Klima weitestgehend wirklich angenehm, was mir schnell die Angst vorm Alles-unsteril-machen genommen hat, die durch zu viele Memes auf Insta entstanden war.
Nachteil der kleinen Abteilung ist allerdings, dass man sich häufig seine Aufgaben suchen muss und Schwierigkeiten hat, welche zu finden. Wenn die täglich ca. 2,5 Blutentnahmen und wenns hoch kommt 0,5 Flexülen erledigt waren bzw. Visite vorbei war, hatte man häufig nicht viel zu tun. Meistens waren die Computerplätze im Arztzimmer belegt und Aufnahmen/Untersuchungen nur selten PJ-Aufgabe. Ich habe wenn es ging versucht, zu „spannenderen“ Tätigkeiten mitzukommen, war dadurch mehrmals in der ZNA/auf ITS/in der Sprechstunde und konnte zusätzlich zumindest bei einigen Punktionen/Infiltrationen zuschauen. Dafür muss man wie sicher an den meisten Stellen Eigeninitiative zeigen. Man kann auch eigentlich immer zum Zuschauen mit den OP, davon habe ich einige Male Gebrauch gemacht. Am Ende verbringt man trotzdem wahrscheinlich mehr Zeit (sitzend) auf der Untersuchungsliege im Arztzimmer als sonst alle Patienten. Da die Assistenzärzte aber trotzdem oft viel zu tun haben, ist eher selten Zeit für zusätzliche Lehre.
Positiv anzumerken ist noch, dass die Hierarchie im Team bis zur Oberärztin sehr flach und die Stimmung generell sowohl mit Ärzten als auch mit der Pflege gut ist. Somit ist die Neurochirurgie des St. Georgs gerade als eher seichter Start ins PJ bzw. für Studierende mit wenig chirurgischen Vorerfahrungen aus meiner Sicht weiterzuempfehlen. Oder natürlich, wenn man speziell neurochirurgisch interessiert ist ;)
Unfallchirurgie/Orthopädie: Hier waren wir die ersten vier Wochen zu zweit, danach wurden wir noch ein paar mehr. Wer das Los ziehen sollte, hier allein zu landen, darf sich schonmal auf ein paar arbeitsintensive Wochen einstellen. Zum Trost: Zu zweit wars auch nur mäßig besser. Die Abteilung besteht aus 1,5 Stationen + Außenliegerbetten; zu Beginn wird man in eine der Abteilungen/Stationsseiten (Trauma/Ortho/septische Chir./Außenlieger) eingeteilt. Ich war in der Orthopädie beschäftigt.
Nach der schnellsten Visite der Welt (etwa 15 Patienten in 20 Minuten) geht es runter zur Frühbesprechung der Klinik. Danach ist man entweder im OP eingeteilt oder geht für Blutentnahmen/Flexülen auf die einzelnen Stationen. Dadurch, dass zweimal wöchentlich auf der kompletten septischen Station Blut entnommen werden muss und auch sonst gar nicht so wenig BEs anfallen (Flexülen tauchen mal hier und mal da auf, natürlich seltener), nehmen die Blutentnahmerunden regelmäßig internistische Ausmaße an. Für wen das also noch übungsrelevant ist (ich fand es persönlich gar nicht so schlecht…) – nach der Zeit hier fühlt man sich auf jeden Fall sicherer. Für den Rest – viel Spaß.
Im OP ist man größtenteils als 2. Assistenz für die endoprothetischen Operationen eingeteilt; seltener auch mal etwas anderes. Ich kann mir jetzt auf jeden Fall etwas unter einer Knie-TEP vorstellen. Ein paar weniger Prothesen hättens aber auch getan. Insgesamt ist man im OP schon größtenteils am „Klappe und Haken halten“, um das Motto des PJ-Ranking-Portals zu zitieren. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Nähen/Tackern durfte ich manchmal, aber vor allem auf Nachfrage (Fragen lohnt sich also). Vielleicht wäre auch noch ein bisschen häufiger drin gewesen, wäre ich nicht der Frage nach meinem Facharztwunsch ausgewichen, sondern hätte von Beginn an gesagt, dass ich meine Berufung in der septischen Chirurgie sehe. Kann der/die nächste ja mal ausprobieren.
Generelles Problem zu meiner Zeit war, dass offensichtlich mehrere Assistenzärzte kurz vor meinem Start gekündigt hatten (die Gründe dafür enthüllen sich einem über die Wochen hinweg schon) und eine Reihe von neuen Kolleg:innen ihre Arbeit dafür sukzessive aufnahm. Diese waren sehr nett, hatten aber natürlich im Zweifelsfall von System und den Abläufen nur so viel Ahnung wie man selbst. Oder weniger. „Lehre“ fand dadurch kaum statt. Man war tatsächlich auch relativ oft als PJler allein (d.h. ohne Arzt) auf seiner Stationsseite. Da das St. Georg-Klinikum einem nur SAP-Zugänge mit Kindersicherung ausgibt (selbst Verlaufseinträge darf man als PJler nicht bearbeiten), konnte man zum Glück keinen zu großen Schaden anrichten. Andererseits regelmäßig ohne Arztaccount oder Ansprechpartner auch nicht allzu effizient mithelfen (oder dazulernen…).
Durch die vielen Blutentnahmen und die relativ häufige OP-Anwesenheitspflicht blieb zumindest zu zweit sowieso nicht zu viel Zeit für Lehre. An manchen Tagen war es in dieser Besetzung schon eher unmöglich, alles zu erledigen. Allein dürfte das dann an den meisten Tagen zur herkulischen Aufgabe werden ;)
Generelles: Im Klinikum hat man pro Tertial drei Studientage zu Verfügung, die man mehr lernt wertzuschätzen, als ich anfangs gedacht hatte. Zudem gibt es pro Monat zwei generelle Lehrtage (die sogenannten „2days4you“), wo theoretischer und auch teilweise praktischer Unterricht für PJler ganztägig stattfindet. Die Qualität der Lehrveranstaltungen dort war im Großen und Ganzen aus meiner Sicht gut.
Grundsätzlich hatte ich ohnehin nicht zu hohe Erwartungen an das Tertial, da Chirurgie nie meine Wunsch-Fachrichtung war. Diesen Eindruck konnte ich für mich persönlich weiter bestätigen. En Tertial hier kann ich aus oben genannten Punkten weder energisch weiterempfehlen noch völlig davon abraten. Wenn man aber für Orthopädie brennt, kann man möglicherweise auch in der Unfallchirurgie ganz gute Erfahrungen machen. Müsst ihr wissen. Viel Spaß!
Bewerbung
Wünsche kann man nach Einschreibung im PJ-Portal an den PJ-Beauftragten des Klinikums richten; sie werden im Allgemeinen auch berücksichtigt